Bad Zurzach
Nach Kritik: Die Taskforce der Tagesstrukturen hat eine neue Leitung

Nach der Kündigungswelle folgte beinahe der Konkurs: Seit Februar hat eine Taskforce beim Cheschtenebaum in Bad Zurzach die Zügel in der Hand. Weil trotzdem keine Ruhe eingekehrte, gab es nun einen Wechsel an der Spitze der Taskforce.

Stefanie Garcia Lainez
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Die Kita, die das Generationenhaus unter anderem mit dem Pflegezentrum Pfauen teilt, ist Bestandteil der Bad Zurzacher Tagesstrukturen.

Die Kita, die das Generationenhaus unter anderem mit dem Pflegezentrum Pfauen teilt, ist Bestandteil der Bad Zurzacher Tagesstrukturen.

Severin Bigler

Die Tagesstrukturen Cheschtenebaum in Bad Zurzach standen Anfang Jahr kurz vor dem Aus. Um den drohenden Konkurs abzuwenden, wandte sich der Vorstand des gleichnamigen Vereins an den Gemeinderat. Dieser setzte eine Taskforce ein, die mehrere Massnahmen eingeleitet hat, um Kita, Schülerhort und Schülerclub zu retten.

Peter Lude, Vizeammann Bad Zurzach und Vorstandsmitglied des Vereins Cheschtenebaum.

Peter Lude, Vizeammann Bad Zurzach und Vorstandsmitglied des Vereins Cheschtenebaum.

Severin Bigler

Trotzdem nahm die Kritik vor allem in den sozialen Medien nicht ab. Insbesondere Vizeammann, Vorstandsmitglied und Taskforce-Leiter Peter Lude und Betriebsleiterin Miriam Kessler stehen in der Schusslinie. Nun hat der Gemeinderat reagiert: Ab sofort übernimmt Gemeindeammann Bernhard Scheuber die Leitung der Taskforce, wie der Gemeinderat in einer Mitteilung schreibt.

Als siebtes Mitglied kommt Franziska Marques hinzu, die Nachfolgerin der kürzlich zurückgetretenen Präsidentin des Vereins. Peter Lude und Miriam Kessler bleiben wie Bernhard Scheuber, Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner, Kassier Walter Neff und Sergio Tassinari als externe Fachperson weiterhin Mitglieder der Taskforce. Nicht zuletzt deshalb, weil diese Zusammensetzung für die Entwicklung hin zur Stabilität die geeignetste Kombination sei, heisst es dazu in der Mitteilung.

Bernhard Scheuber, Gemeindeammann Bad Zurzach und neuer Leiter der Taskforce.

Bernhard Scheuber, Gemeindeammann Bad Zurzach und neuer Leiter der Taskforce.

Claudio Thoma

Bernhard Scheuber ergänzt:

«Peter Lude ist seit elf Jahren Vorstandsmitglied des Vereins, und Miriam Kessler ist als Betriebsleiterin nah am täglichen Geschehen – es wäre anmassend, auf dieses Know-how zu verzichten.»

Und er betont, dass weiterhin die Entscheide nicht von Einzelpersonen, sondern im neu siebenköpfigen Gremium gefällt würden.

In der Mitteilung heisst es weiter, dass der Wechsel in der Leitung der Taskforce nichts an der Tatsache ändere, dass der Gemeinderat Bad Zurzach voll und ganz hinter der Taskforce und den eingeleiteten Massnahmen steht. «Der Gemeinderat übernimmt die volle Verantwortung und setzt sich unmissverständlich für das gute Fortbestehen der Tagesstrukturen ein, wie er das auch in den vergangenen elf Jahren getan hat.» Ammann Scheuber erklärt:

«Wir möchten mit dem Wechsel in der Taskforce-Leitung die Situation beruhigen, damit wir uns ganz auf das Wesentliche konzentrieren können: die Kinder.»

Denn die Tagesstrukturen seien für die Gemeinde Bad Zurzach, vor allem auch die Kinder und Jugendlichen, von grosser Bedeutung. Insbesondere auch im Hinblick auf den Start der neuen Gemeinde Zurzach im Januar 2022, wenn die Bevölkerung sich fast verdoppelt wird.

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die im Februar eingesetzte Taskforce erst vergangene Woche über den abgewandten Konkurs informierte. Also nach den Wahlen für den neuen Zurzacher Gemeinderat, bei denen Peter Lude mit einem Glanzresultat zum künftigen Vizeammann gewählt wurde. Bernhard Scheuber sagt dazu:

«Das liegt daran, dass die Taskforce die Situation zuerst hatte analysieren wollen und vergangene Woche nun die Resultate vorstellen konnte.»

Die aktuelle finanzielle Situation folgte auf die Kündigungswelle im vergangenen Sommer. Die Rechnung 2020 des Vereins Tagesstrukturen Cheschtenebaum schloss mit tiefroten Zahlen im sechsstelligen Bereich ab; das Budget 2021 sieht einen Verlust im gleichen Rahmen vor.

Mehrere Gründe führten zum Finanzdebakel

Die Taskforce kam zum Schluss, dass mehrere Gründe zum massiven Loch in der Kasse führten. So seien mit der Einsetzung einer Betriebsleitung und der Doppelbesetzungen aufgrund der Kündigungen im Herbst die Ausgaben gestiegen. Gleichzeitig sank die Auslastung massiv, in der Kita beispielsweise um 20 Prozent. Auch seien die Tarife zu günstig.

Das immer grösser werdende Loch in der Kasse wurde aber übersehen. Unter anderem auch, weil der Vorstand sich in erster Linie darauf konzentriert habe, nach der Kündigungswelle und der starken Kritik wieder Ruhe in den Betrieb zu bringen, wie es vergangene Woche an einer Pressekonferenz hiess.

Nebst drei Kündigungen beschloss die Taskforce, per August die Tarife «moderat auf ein marktübliches Niveau» zu erhöhen und per 1. April für drei Monate Kurzarbeit anzumelden. Des Weiteren beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der Zukunft der Tagesstrukturen. An der nächsten Mitgliederversammlung, voraussichtlich am 5. Mai, will die Arbeitsgruppe die Eltern als Vereinsmitglieder über die Varianten informieren.