Bad Zurzach/Aarau
Bad Zurzach: Digitaler Blick auf die Geschichte des Fleckens

Die Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter unter der Leitung des gebürtigen Zurzacher Professors Hans Rudolf Sennhauser (83) hat eine umfangreiche Datensammlung und einen zusammenhängenden Grundrissplan des Fleckens Zurzach erstellt.

Angelo Zambelli
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Der 1876 erbaute Bahnhof im frühen 20. Jahrhundert. Hinter dem Bahnhof der Güterschuppen, in dem heute ein modernes Bahnleitsystem installiert ist.

Der 1876 erbaute Bahnhof im frühen 20. Jahrhundert. Hinter dem Bahnhof der Güterschuppen, in dem heute ein modernes Bahnleitsystem installiert ist.

ZVG

Ein historisch-archäologisches Grundbuch ermöglicht Einsicht in die Entwicklung der Siedlung. Neu sind sämtliche digitalisierten Daten des historisch-archäologischen Grundbuchs im Staatsarchiv frei zugänglich.

Die Auswertung der Datensammlung erlaubt Aussagen über den Bau und die Nutzung einzelner Häuser und ihrer Bewohner von 1378 bis 1900. «Darüber hinaus lässt die einmalig dichte Datenaufnahme einer Siedlung Schlüsse darüber zu, wie sie sich als Ganzes im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat», schreibt das Departement Bildung, Kultur und Sport in einer Medienmitteilung.

Auch geben die sorgfältig dokumentierten Details Auskunft über einzelne Aspekte des Bauens und des Lebens, das sich in den Häusern von Zurzach abspielte.

375 Bauten dokumentiert

Das historisch-archäologische Grundbuch der Stiftung für Forschung in Spätantike und Mittelalter enthält Informationen zu insgesamt 375 Bauten. Die aus verschiedenen Quellen zusammengetragenen und aufbereiteten Daten halten die Geschichte der Häuser fest und machen ihre Struktur sichtbar. Sie vermitteln Informationen zu den verschiedenen Besitzern, zu Datierung und Hausnamen sowie zu Umbauten, Inschriften und Dachstuhltypen.

Die Datenbank ist in einzelne Hausdossiers aufgeteilt. Diese umfassen die Strassenfassade und die Grundrisse der Erdgeschosse und Keller sowie oftmals weitere Grundrisse, Schnitte und Details wie Türen, Fenster, Treppen, Malereien, Kachelöfen, Holz- und Stuckprofile.

Untersuchungen seit 1959

Seit 1959 begleitet und dokumentiert Prof. Dr. Hans Rudolf Sennhauser – er ist emeritierter Professor der Denkmalpflege, der Mittelalterarchäologie und der Kunstgeschichte an der ETH und der Universität Zürich – mit seinem Büro systematisch bauarchäologische Untersuchungen im Flecken Bad Zurzach.

Sein Ziel war es, ein historisch-archäologisches Grundbuch zu erarbeiten. Finanziell unterstützt wurde er durch den Schweizerischen Nationalfonds sowie durch verschiedene Stiftungen und Private. Mit einem Beitrag des Swisslos-Fonds des Kantons Aargau wurde das Forschungsmaterial digital aufbereitet und dem Staatsarchiv Aargau übergeben.

Professor Sennhauser ist in Bad Zurzach aufgewachsen und fühlt sich mit dem Flecken eng verbunden. Zu Beginn seiner dokumentarischen Arbeiten glaubte er, praktisch ausschliesslich auf Gebäude aus dem 18. Jahrhundert zu stossen, durfte aber zu seinem Erstaunen feststellen, dass zahlreiche Gebäude aus dem 17., dem 16. und dem 15. Jahrhundert stammten. Einzelne konnten gar auf das 13. Jahrhundert datiert werden.

Den spannendsten Aspekt des historisch-archäologischen Grundbuchs erkennt Professor Sennhauser darin, nachverfolgen zu können, wie sich die Siedlung von Zurzach als Folge des Münsterbaus verschoben hat.

Sennhauser misst der Geschichte grosse Bedeutung zu: «Ohne Kenntnis der Vergangenheit kann der Mensch nicht vernünftig leben.» Sennhauser kennt aber auch die Schwierigkeiten und Widerständen, mit denen Historiker und Archäologen bisweilen zu kämpfen haben: «Früher hat bei einem Aushub kaum jemand hingeschaut. Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass man den Menschen die Geschichte nicht unter dem Hintern weggraben kann.»