Leuggern
Ausnahmezustand wegen der geplanten Asylunterkunft

Die Gemeinde Leuggern kritisiert den Kanton und wird von besorgten Bürgern überrannt. Mitte Januar sollen die ersten Asylbewerber einziehen. Nur: welche?

Daniel Weissenbrunner
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Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau wird zur Asyl-Unterkunft.
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Der Kanton will 50 Asylsuchende in der Liegenschaft unterbringen.
Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau. Die 50 Asylsuchenden sollen schon im Januar 2016 einziehen.
Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau. Eine Schiffsanlegestelle führt direkt zum Hotel-Restaurant. Die Boote fahren Touristen über Aare und Rhein in der Region und machen auch im benachbarten Deutschland Halt.
Felsenau ist ein Ortsteil von Leuggern. Die Kantonsstrasse führt in Richtung Basel, in umgekehrter Richtung in zwei Minuten Autofahrt zum Grenzübergang Koblenz.
Auf dem grossen Parkplatz will der Kanton Container für 100 weitere Asylsuchende aufstellen. Dafür ist ein Baugesuch nötig.
Die Eigentümer sind Sigmund Cueni und Daniela Makoski. Cueni arbeitet seit 30 Jahren im Hotel-Restaurant, ist seit 1994 Pächter und seit 2002 Eigentümer. Nun ziehen sie ins Laufental.
Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau. Am Tag nach Publikwerden, dass es zur Asyl-Unterkunft wird, ist es geschlossen.
Die Speisekarte des Restaurants. In der letzten Woche werden hier nur noch einige Weihnachtsessen durchgeführt.
Die Speisekarte - es wird die letzte des Hotel-Restaurants Bahnhof sein.
Am Tag nach Publikwerden, dass das Hotel-Restaurant Bahnhof zur Asyl-Unterkunft wird, ist es geschlossen.
Vorne der grosse Parkplatz, hinten die markante Brücke über die Aare. Wenige Meter weiter fliesst die Aare in den Rhein.
Das alte Bahnhofsgebäude von Felsenau, gegenüber vom Hotel-Restaurant. Im Bahnhof wohnen heute Private. Die Zuglinie wird nach wie vor für den Gütertransport genutzt.
undefined Beim Bahnhof befindet sich ein Zuckerrüben-Verlad von SBB Cargo sowie ein Werkhof des kantonalen Strassenunterhaltsdienstes.
Eine Schweizer Veloroute führt auch am Hotel Bahnhof (etwas weiter rechts, nicht im Bild) vorbei. Der Bus ab der Station Felsenau Bahnhof fährt in wenigen Minuten zum Bahnhof Koblenz. Um ins Zentrum von Leuggern zu gelangen, etwa zur Schule, muss man mit dem Bus einen Umweg in Kauf nehmen und mindestens einmal umsteigen. Via Leibstadt dauert der Weg rund 20 Minuten.
Hotel Bahnhof wird Asyl-Unterkunft

Das Hotel-Restaurant Bahnhof in Felsenau wird zur Asyl-Unterkunft.

Philipp Zimmermann

In Leuggern und insbesondere im Ortsteil Felsenau hat sich der Unmut nicht gelegt. Im Gegenteil: Seit der Bekanntgabe, dass im Hotel-Restaurant Bahnhof ab Mitte Januar 50 Asylsuchende einziehen werden, herrscht in der Gemeinde Ausnahmezustand.

«Wir werden seither von besorgten Bewohnern förmlich überrannt», sagt Gemeindeammann Peter Nyffeler. Gemeindeschreiber Stefan Kalt sei grösstenteils damit beschäftigt, Fragen zu beantworten. Es seien immer die Gleichen, so Nyffeler. «Ist der Entscheid endgültig und wenn ja, was für Leute kommen nach Leuggern?» Die erste Frage müsse er unmissverständlich mit Ja beantworten. Die Gemeinde sei selbst vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Der zweite Punkt werde derzeit diskutiert. «Wir möchten am liebsten Familien aufnehmen.» Nyffeler befürchtet aber, dass sich die Gemeinde das dauerhaft nicht leisten könne. Der Kanton kommt zwar für die Kosten auf. Dennoch sei vieles unklar. Nyffeler übt harsche Kritik an der Kommunikation mit den zuständigen Stellen. Er hat den Eindruck erhalten, dass die eine Hand nicht wisse, was die andere mache. Bis zum 21. Dezember erwartet er vom Kanton nun eine Stellungnahme.

Der Gemeinderat wird sich seinerseits am 5. Januar mit den Bewohnern von Felsenau zu einer Besprechung treffen. «Die Bevölkerung soll uns mitteilen, was sie für Nachbarn erhalten möchte», sagt Peter Nyffeler. Eine Woche später kommt die zuständige Regierungsrätin Susanne Hochuli an eine Info-Veranstaltung nach Leuggern.

Zurzibiet gründet Task-Force

Als Reaktion auf die Entwicklungen der vergangenen Wochen hat Zurzibiet Regio an seiner letzten Sitzung eine Task-Force ins Leben gerufen. Sie soll als Anlauf- und Koordinationsstelle zwischen den Gemeinden dienen und – wie es heisst – die Solidarität innerhalb des Gemeindeverbundes stärken.

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