Baldingen
Aus für die «Rose» – ihr Minirock sorgte vor 48 Jahren für einen Skandal

Es fehlt das Geld zum Kauf des legendären Restaurants "Rose" in Baldingen. Der Gemeinderat steht vor einem Scherbenhaufen. Ist das das Ende des Lokals? Zeit, um an eine kuriose Geschichte zu erinnern.

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Kopie von Aus der legendären «Rose» in Baldingen
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Ende Oktober 68 berichtete der «Blick» innert weniger Tage zweimal über den Skandal, den die «Rose»-Serviertochter mit ihrem Mini-Rock ausgelöst hatte: «Weniger Bein oder die Beiz wird geschlossen» so der Titel des ersten Artikels. «Beiz dank dem Mini-Streit bumsvoll!» lockte der Folgeartikel.
Die einstige «Skandalbeiz» geht definitiv zu: Die Sammelaktion für die «Rose» brachte nicht den nötigen Betrag zusammen. Es fehlte rund eine Viertelmillion Franken.
48 Jahre hat Martha Brusa in der «Rose» gewirtet. Als sie 2014 mitteilte, in absehbarer Zeit in Pension zu gehen, wurde die Gemeinde aktiv.
Die Gemeinde kaufte Ende 2014 die Liegenschaft für 320'000 Franken, um das Ende der «Rose» zu verhindern.
Die «Rose» bildet zusammen mit der Kirche das Herzstück des Dorfs.
Ein Bauprojekt umfasste ein verkleinertes Restaurant mit Gartenbeiz sowie fünf Wohnungen. Doch die Geldsuche verlief harzig. Nun ist sie samt Gründung einer Genossenschaft abgeblasen worden.

Kopie von Aus der legendären «Rose» in Baldingen

Bild: "Blick"

Das Restaurant Rose in Baldingen hat schon manche Geschichte geschrieben. Kein Wunder: Seit 1883 wird dort Bier ausgeschenkt, seit 1895 konnte dort auch gespiesen werden. Die letzte Wirtin, Martha Brusa, ist eine Legende; sie hat ein halbes Jahrhundert die "Rose" geführt, früher zusammen mit ihrem Mann Paul. Schweizweit bekannt wurde die Rose aber 1968 und von dieser Geschichte soll hier die Rede sein.

"Tatbestand des Animierens"

Das Ereignis ist unter dem Stichwort "Minirock-Skandal" in die Annalen eingegangen. 1968 war die Zeit, als auch in der Schweiz noch über Beinfreiheit von Frauen diskutiert wurde. In diesem Falle ging es um die Beine von Serviertochter Rosemarie (21). Diese Beine sollen zwar das Geschäft belebt und "massenweise Gäste in die Rose" gezogen haben, wie der "Blick" damals süffisant schrieb, doch die Beine haben auch die Gemüter im Dorf erregt.

Kopie von Aus der legendären «Rose» in Baldingen

Kopie von Aus der legendären «Rose» in Baldingen

Bild: "Blick"

Der Gemeinderat schrieb damals Paul und Martha Brusa: Die Serviertochter sei "unschicklich und unsittlich" gekleidet. Und weiter: Es sei so viel nacktes Bein zu sehen, dass dies den "verbotenen Tatbestand des Animierens" erfüllen könnte.

Diese Haltung hat damals übrigens nicht nur der Gemeinderat eingenommen. Er hatte erst auf Beschwerden aus der kleinen Gemeinde reagiert. Der Gemeinderat drohte mit der Schliessung der "Rose".

Eigentlich hatte der Gemeinderat ja durchaus Verständnis für die neue Mode – wenn der Rock zehn Zentimeter über dem Knie geendet hätte. Dies sei ja zu Beginn auch so gewesen, doch "dann wurde das Röcklein jeden Tag kürzer".

Tatsächlich beweist ein Foto von damals, wie Serviertochter Rosemaries Rock auch die Oberschenkel freilegt.

Klar ist: Zur angedrohten Schliessung ist es nie gekommen. Allerdings droht dem Restaurant heute aus ganz anderem Grunde das Ende. Martha Brusa hat sich aus dem Arbeitsleben zurückgezogen und der Gemeinde fehlt das Geld zur Übernahme des Gebäudes.

Kann die "Rose" gerettet werden?

Um das Weiterbestehen von Restaurant und Liegenschaft sinnvoll zu sichern, hatte sich ab 2015 eine Arbeitsgruppe mit deren Zukunft beschäftigt. Im Januar 2016 wurde das Ergebnis präsentiert: Das Projekt umfasste ein verkleinertes Restaurant mit Gartenbeiz sowie fünf Wohnungen. Für die auf 2,4 Millionen Franken budgetierten Kosten wurden 1,3 Millionen Fremdkapital veranschlagt. Eine Genossenschaft sollte gegründet werden und das nötige Eigenkapital durch Anteile, private Darlehen, Gönner- und Sponsorenbeiträge zusammenkommen. Jedoch: Das Geld konnte nicht aufgetrieben werden, am Ende fehlte eine Viertelmillion. (jk)