Zurzach
Aufregung um einen kühnen Kirchturm

Wir zeigen ihnen die spannende Zeitreise auf dem Webportal des Departements Bau, Verkehr und Umwelt.

Angelo Zambelli
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Ansichtskarten zeigen Döttingen von der schönsten Seite

Ansichtskarten zeigen Döttingen von der schönsten Seite

Wer sich für lange zurückliegende und aktuelle Ereignisse interessiert, die im Zusammenhang mit Land und Leuten im Kanton Aargau stehen, ist bei www.zeitraumaargau.ch genau richtig: Auf dem vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt lancierten und betreuten Webportal sind kurze oder längere Filmbeiträge zu sehen, die zwischen 1900 und 2010 entstanden sind. Zurzibieter Beiträge sind nicht viele aufgeschaltet, doch diejenigen, die heruntergeladen werden können, haben es in sich.

Amüsant und aufschlussreich ist der Beitrag zum Bau der neuen Kirche in Döttingen aus dem Jahr 1961. Während die Kirche an sich keinen Anlass zu Diskussionen gab, erregte der vom Basler Architekten Hermann Baur entworfene Kirchturm die Gemüter. Während die eine Seite in der Form des Kirchenturms eine architektonische Meisterleistung sah, missfiel der anderen das kühne Bauwerk vollkommen.

Sechs Minuten lang für Döttinger

Noch vor der Einweihung wurde der viereckige Turm mit der markanten, an eine Holzkiste erinnernden Verschalung mit einem halben Dutzend Übernamen eingedeckt: «Raketenabschussbasis», «Liftturmfabrik» und «Seelenabschussrampe» waren die geläufigsten Bezeichnungen, wobei sich der nicht gerade schmeichelhafte Ausdruck «Seelenabschussrampe» bis heute gehalten hat. Im rund sechs Minuten langen Filmbeitrag des Schweizer Fernsehens kommen die Döttingerinnen und Döttinger zu Wort.

Unter anderem wird der Wunsch geäussert, das neue Bauwerk möge trotz seiner Kühnheit anerkannt werden und in seiner jetzigen Form stehen bleiben. Dieser Wunsch hat sich erfüllt: Der Kirchturm wacht unverändert über dem Dorf im unteren Aaretal - wobei sich heute kaum noch jemand an seiner ungewöhnlichen Form stösst.

Beiträge zum Bezirkshauptort

Neben der Döttinger Kirchturmdebatte ist auch einiges über den Bezirkshauptort Bad Zurzach auf dem Portal www.zeitraumargau.ch dokumentiert. Aufgeschaltet sind ein aktuelles Porträt, das die Schwierigkeiten des Fleckens mit dem Durchgangsverkehr beschreibt, ein Expertengespräch mit den Historikern Professor Hans Rudolf Sennhauser und Alfred Hidber mit dem Titel «Zurzach und Windisch als Römerstädte» sowie ein Filmbeitrag zur 1963 entbrannten Kontroverse «Kurtourismus oder Industrie?». Dabei geht es um die Ansiedlung einer Kalkfabrik, die schliesslich nicht auf Zurzacher, sondern auf Rekinger Boden gebaut wurde.

Weitere Filmbeiträge mit Zurzibieter Bezug widmen sich dem 700-Jahr-Jubiläum von Kaiserstuhl, zeigen eine Bootsfahrt von der Beznau bis Brugg, rollen die Geschichte des Dekrets zum Klingnauer Stausee auf, stellen das erste, vom Institut für Reaktorforschung 1984 gebaute Wasserstoff-Auto vor und schildern die tragischen Ereignisse vom 21. Februar 1970, als eine Coronado der Swissair nach einem Bombenanschlag in den Würenlinger Unterwald stürzte und 38 Passagiere sowie 9 Besatzungsmitglieder in den Tod riss.

Auf der Entdeckungsreise durch das Webportal sind aber auch andere, weitaus weniger bedrückende Filmbeiträge zu finden: Aufgeschaltet sind unter vielen anderen ein Privatfilm über den Badenfahrt-Umzug im Jahr 1937, die Höhepunkte des Mellinger Strassenrennens 1949 sowie Fuchsjagden in Aarau und in Lenzburg, die 1958 durchgeführt und auf Schwarzweissfilm gebannt wurden. Noch vor der Einweihung wurde der Döttinger Kirchturm mit einem halben Dutzend Übernamen eingedeckt.

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