Zurzibiet
Aufgeweichte Waldböden vermasseln Forstbetrieben das Holzgeschäft

Forstbetriebe sind bei der Holzernte im Rückstand. Schuld sind die aufgeweichten Waldböden, die nicht befahrbar sind. Gefällte Bäume müssen liegen bleiben, weil die Schäden zu gross wären. Dabei schreit der Markt nach Holz.

Angelo Zambelli
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Solche Bilder wollen die Zurzibieter Forstbetriebe verhindern: Von schweren Maschinen verwüstete Waldböden.

Solche Bilder wollen die Zurzibieter Forstbetriebe verhindern: Von schweren Maschinen verwüstete Waldböden.

Peter Schütz

Die anhaltend hohen Temperaturen treiben die Verantwortlichen der Forstbetriebe in ein Dilemma: Entweder sie holen die bereits gefällten Bäume mit schweren Maschinen aus dem Wald und verwüsten den empfindlichen Waldboden – oder sie lassen die Bäume liegen und verzichten auf Einnahmen.

Felix Binder, Leiter des Forstreviers Tegerfelden, beschreibt die Situation als «grenzwertig». 60 bis 70 Prozent des Hiebsatzes habe in den Monaten November und Dezember, geschlagen und weggeführt werden können.

Damals lagen die Temperaturen noch weitgehend unter dem Gefrierpunkt. Momentan werde wegen des aufgeweichten Waldbodens nur auf befestigten Waldstrassen und Wegen gearbeitet, sagt Binder. «Auf eine Verbesserung der ungemütlichen Situation kann nur gehofft werden, wenn eine längere Phase mit Minusgraden eintritt.»

Die Nachfrage nach Holz sei gut, erklärt Binder. «Was gewünscht wird, können wir derzeit noch liefern.»

Binder befürchtet, dass das gute Image der Forstbetriebe leiden könnte, weil der Wald einen relativ unaufgeräumten Eindruck macht und die Waldstrassen in einem schlechten Zustand sind.

«Finanziell nicht verantwortbar»

Felix Keller ist Leiter des Forstamts Klingnau und betreut zusammen mit seinen Mitarbeitern die Waldungen der Gemeinden Döttingen, Klingnau, Koblenz und Rietheim. Auch in diesem Revier ist die Lage angespannt.

Die Hälfte des Hiebsatzes konnte im November und Dezember geschlagen und bei guten Verhältnissen abgeführt werden. Jetzt sind auch in Kellers Revier Erntearbeiten nur noch von der Strasse aus möglich. «Würden wir trotz der misslichen Verhältnisse mit schweren Maschinen in den Wald hineinfahren, entstünden Schäden, die weder ökologisch noch finanziell verantwortbar sind.»

Wie in allen anderen Forstrevieren im Bezirk Zurzach muss auch im Revier Klingnau auf andere Arbeiten ausgewichen werden. Keller hofft darauf, dass der Rückstand bei der Holzernte bis im Herbst wettgemacht werden kann.

«Die Holzernte jetzt durchzudrücken, macht keinen Sinn», sagt Keller. «Momentan schreit der Markt zwar nach Holz. Doch das wird auch im Sommer noch so sein, wenn wir Laubholz schlagen und liefern können.»

Holzernte abgebrochen

Felix Stauber, Leiter des Forstbetriebs Studenland, hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie seine Berufskollegen. «Auch für uns ist es ein grausiger Winter», sagt Stauber.

Bereits im letzten Jahr hätten die Forstbetriebe mit schlechten Verhältnissen zu kämpfen gehabt. «Im Moment können wir wegen des aufgeweichten Waldbodens nicht machen, was wir wollen. Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Lage in den nächsten Wochen entscheidend verändert.»

Deshalb hat Stauber entschieden, die Holzernte abzubrechen und auf den Herbst zu verschieben. «Wir können nichts erzwingen», sagt der Leiter des Forstbetriebs Studenland. Der einzige Ausweg bestehe darin, flexibel zu sein, und andere Arbeiten vorzuziehen.

«Ganz schlecht», antwortet Förster Franz Suter auf die Frage, wie sich die Situation in den Wäldern des Forstreviers Lengnau präsentiert. «Zum Glück ist unser Revier mit Waldstrassen gut erschlossen, sodass wir wenigstens die in Reichweite liegenden Bäume herausnehmen können. Sogar die Waldstrassen haben gelitten und müssen mit hohen Kosten wiederhergestellt werden.»