Leibstadt
Auf das Wie folgt das Warum: Nun will sie die Ursachen ihrer Magersucht beim Namen nennen

Nicole Knörr schrieb ein Buch über Magersucht. Jetzt will die 21-jährige Leibstadterin ihre Autobiografie veröffentlichen.

Daniel Weissenbrunner
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Mit ihrem Buch «Magere Jahre» wollte Nicole Knörr Betroffenen Mut machen.

Mit ihrem Buch «Magere Jahre» wollte Nicole Knörr Betroffenen Mut machen.

Sandra Ardizzone

Nicole Knörr hat mit ihren erst 21 Jahren ein bewegtes Leben hinter sich. In ihrem Buch «Magere Jahre: Wie ich meine Essstörung überwand» schildert sie, wie sie in die Magersucht fiel.

Seit dem Erscheinen des Buches letzten Herbst wurden über 2500 Exemplare verkauft, die zweite Auflage ist bereits gedruckt. Knörr trat in Fernsehsendungen auf, sie nahm an Fachtagungen teil und sie hält seither bis zu drei Lesungen wöchentlich an Schulen.

Ihr Ziel: Sie will Anorektikern, Magersüchtigen, eine Stimme geben. Was sie fühlen, wie sie denken, welche Zwänge sie haben.

Obwohl Knörrs Agenda voll ist, plant die Leibstadterin nun ihr nächstes Buch. Ihre Autobiografie. Das Manuskript liegt vor, was noch fehlt, ist ein Verlag, der ihre Geschichte vertreibt. Knörr geht darin dem Warum auf den Grund. «In ‹Magere Jahre› konnte man zwischen den Zeilen herauslesen, dass meine Magersucht die Folge von sexuellem Missbrauch war.»

Sexuell missbraucht

Sie verzichtete in ihrem ersten Buch bewusst darauf, jenen Missbrauch namentlich zur erwähnen. Sie sprach von traumatischen Erlebnissen. Es sollte ein Ratgeber sein, wie man gegen die Krankheit erfolgreich ankämpfen kann.

Sie wollte den Fokus nicht zu stark auf ihre Person lenken. Nach vielen Bekanntschaften und Reaktionen hat sie gemerkt, dass es ihr und anderen Betroffenen hilft, wenn man nicht nur die Symptome erwähnt, sondern die Ursache beim Namen nennt und offen darüber spricht.

Ihre Geschichte: Mit 13 Jahren beginnt Nicole Knörr, immer weniger zu essen. Zunächst sind es immer dünner werdende Brotkrumen oder einzelne Löffel Joghurt, sie nimmt mit Fortschreiten ihrer Magersucht täglich nur noch 300 Milliliter fettfreie Bouillon zu sich.

Zu wenig, um zu überleben. Als ihre Körpertemperatur auf unter 34 Grad sinkt und sie nichts mehr spürt als innere Knochenkälte, wird sie notfallmässig in eine Zürcher Klinik eingeliefert. Die Ärzte sind sich einig: Einen Tag später hätte es zu spät sein können.

Aktiv in der #MeToo-Debatte

Inzwischen ist es Nicole Knörr, auch dank professioneller Unterstützung, gelungen, ihr Leben neu zu ordnen. Sie beginnt im Herbst mit dem Studium. Und sie beteiligt sich an der #MeToo-Debatte. Ihrer Ansicht tut die Diskussion dringend Not.

Erst recht nach den Erfahrungen nach der Veröffentlichung ihres ersten Buchs. Bei ihr meldeten sich nicht nur Menschen, die an ihrem Schicksal Anteil nahmen, sondern auch Männer, von denen sie sexuelle Avancen erhielt.