Klingnau
«Auch an Fasnacht gelten Regeln»: Kinder erhalten Nachhilfe für närrische Tage

Die Primarschüler haben am Mittwoch eine spezielle Lektion in Fasnachtskultur erhalten. Eine Mitorganisatorin besuchte sie dazu in der Schule. Thema waren etwa die hässlichen Räbehegel, die manchen Kindern auch Angst einjagen.

Philipp Zimmermann
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Der Brauch der Klingnauer Räbehegel: Fasnachtslektion in Schule und Impressionen
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Das sind die beiden Holzmasken der Räbehegel: links das Brieggerli, rechts das Lächerli
Nach der Fasnachtslektion schauen sich die Drittklässler die beiden Masken genau an
Regina Duss zeigt die Rückseite der Marionette mit der Zielscheibe. Beim Räbehegeltreiben dürfen die Kinder die Chabisstorzen nur von hinten auf die Räbehegel werfen
Man sieht es in den Gesichtern der Kinder und Jugendlichen: Das Räbehegeltreiben macht Spass (Archiv, 2011)
So soll es sein: Die Kinder bewerfen das Brieggerli von hinten (Archiv, 2011)
Jetzt heisst es rennen - der Räbehegel kommt (Archiv, 2011)
Bei der Räbehegeljagd finden sich im Städtchen Chabisstorzen en masse, um die beiden maskierten Narren von hinten zu bewerfen (Archiv, 2013)
Auch das gibts: Einer der Räbehegel schnappt sich einen Jungen (Archiv, 2013)
Das Lächerli und das Brieggerli beim Treiben (Archiv, 2010)
Das Brieggerli beim Räbehegeltreiben im Klingnauer Städtli (Archiv, 2010)
Auf die Räbehegeljagd folgt die Schreiete, bei der die Kinder vor Läden und Beizen um Süssigkeiten schreien

Der Brauch der Klingnauer Räbehegel: Fasnachtslektion in Schule und Impressionen

Philipp Zimmermann

Schulkinder lieben die Fasnacht. Das zeigt sich, als Regina Duss die Drittklässler fragt, was ihnen beim Stichwort Fasnacht in den Sinn kommt. Sogleich reissen Buben und Mädchen eine Hand in die Höhe: «Die Räbehegel, das Lächerli und das Brieggerli», sagt ein Mädchen. Der Umzug, die folgende Konfettischlacht, die Chesslete, das Zuckerweggliverteilen oder die Guggenmusik während den Konzerten des Städtlifägairs am Schmutzigen Donnerstag sind weitere Stichworte.

Mit dieser Szene beginnt am Mittwochmorgen eine ungewöhnliche Schulstunde. Regina Duss, Lehrerin und Mitorganisatorin der Fasnacht, erklärt: «Nach der letztjährigen Fasnacht bestand bei manchen Eltern eine gewisse Unsicherheit.»

Die Bräuche sind zwar grundsätzlich bekannt, nicht immer aber Regeln und Verantwortlichkeiten. So hält sie, quasi im Auftrag der Schulleitung, eine Art Nachhilfe-Lektion bei allen Primarschulklassen.

«Es ist wichtig, dass alle Kinder diese Traditionen kennen», sagt Schulleiterin Martina Hasler. Die Traditionen gehören nicht nur zur Kulturgeschichte des Städtchens, sie stärken auch die Klingnauer Identität und bedeuten gerade für ältere Einwohner mit ihren Erinnerungen ein Stück Heimat.

Was den Kindern Eindruck macht: Fasnacht ist nicht gleichbedeutend mit Blödsinn machen. «Auch an der Fasnacht gibt es Regeln», erklärt Regina Duss und nimmt eine Räbehegel-Marionette in die Hände, deren Gesichtsmaske nicht halb so hässlich ist wie die der Originale. Die Räbehegel, das sind zwei maskierte Männer in Jutekleidung mit Geisseln. Am Schmutzigen Donnerstag treiben sie die Schüler aus der Schule ins Städtchen.

Dort folgt das Räbehegeltreiben, wobei die Kinder das Lächerli und das Brieggerli nur von hinten mit Chabisstorzen bewerfen dürfen. «Sobald sich einer umdreht oder stehen bleibt, ist das verboten», sagt Regina Duss und dreht die Marionette um, sodass die Schüler ihren Rücken sehen, auf dem sich wie bei den Originalen eine Zielscheibe befindet.

Vor den hässlichen Hegeln haben die Kinder Respekt, teils auch Angst. Mehrere erzählen mit grossen Augen, wie sie selbst oder andere Schüler einmal von einer Geissel getroffen wurden. Das Problem: Wegen der Masken ist das Sichtfeld der Räbehegel eingeschränkt. Umso wichtiger sind die Regeln. Ernsthafte Zwischenfälle aus der langen Geschichte dieses Brauchs sind nicht bekannt.

«Ihr seid jetzt Experten», sagt Regina Duss schliesslich und verteilt ein Faltblatt mit den wichtigsten Infos zu den Bräuchen. Damit die Kinder zu Hause ihren Eltern ein wenig Fasnachts-Nachhilfe geben können.