Böttstein
Antiquitäten-Reich macht dicht: Bei Kurt Baldinger kaufte sogar Novartis-Boss Vasella ein

Kurt Baldinger führt seinen Antiquitätenladen seit mehr als 30 Jahren. Bald ist Schluss.

Daniel Weissenbrunner (Text und Foto)
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Kurt Baldinger in seinem Trödel-Reich: Das Sammeln und Handeln wurde dem 65-Jährigen in die Wiege gelegt.

Kurt Baldinger in seinem Trödel-Reich: Das Sammeln und Handeln wurde dem 65-Jährigen in die Wiege gelegt.

Wer die Halle an der Gewerbestrasse 10 in Kleindöttingen betritt, steht zuerst einmal in einem hohen und ziemlich vollgepackten Raum und staunt. Erst im zweiten Moment beginnt man die zahlreichen Gegenstände einzeln und etwas genauer zu betrachten. An den Wänden hängen Bilder, Kerzenleuchter, Formen aus Kupfer. Im langen Hauptkorridor stehen Klaviere, Kommoden, Sideboards. Hebt man den Kopf zur Decke, blickt man alten Lampen entgegen. Die Liste von Kurt Baldingers Sortiment scheint endlos. Selbst der Besitzer selber hat keine genaue Ahnung, wie viele Dinge auf den zwei Etagen des alten Gebäudes verstaut sind. «Tausende» seien es jedenfalls über die vergangenen 30 Jahre hinweg geworden.

Ende Jahr ist nun Schluss. Kurt Baldinger geht in den Ruhestand. Er ist 65, seine Frau Rita, mit der er die Firma führt und aufgebaut hat, 62. Das Gebäude in Kleindöttingen soll bis dann geräumt sein. Für die Liegenschaft wird nun ein Nachfolger gesucht. In Koblenz werden zwei seiner drei Töchter, gleich gegenüber vom Bahnhof, das Geschäft in einem kleineren Rahmen weiterführen. Deswegen hat Baldinger einen Ausverkauf seiner Antiquitäten eröffnet. Bauernmöbel, Tische, Stühle, Tausende Kleinsachen, Accessoires, Flohmarktartikel oder auch Trödlerware – alles was bei den unzähligen Räumungen in seinen Besitz überging, soll noch einen Abnehmer finden, mit entsprechendem Rabatten.

Über 50'000 Kunden

Die Antikhalle im schmucklosen Gewerbegebiet Burlen gehört zu den grössten der Schweiz. Auf mehr als 2000 Quadratmetern lässt es sich hier vorzüglich stöbern. Hier findet man Schränke, die einst in Schlössern standen, oder einen Schwan der Traditionsfirma Wisa-Gloria, der irgendwo in den 1950er-Jahren in irgendeinem Spielzimmer zu finden war.

Kurt Baldingers Geschäft ist weit über das Zurzibiet hinaus bekannt. Die Leute kommen von überall, aus Zürich, der Innerschweiz, aus Graubünden oder Basel. Über 50'000 Kunden sollen es über all die Jahre gewesen sein, die hier einen Besuch abstatteten – darunter auch prominente Namen. Kurt Baldinger will sie nicht preisgeben. Diskretion gehört zu seinen Geschäftsprinzipien. Einen verrät er dennoch: Der ehemalige Novartis-Chef Daniel Vasella fand im riesigen Gewusel einen massiven, nierenförmigen Holztisch für seinen Sitzungsraum am Basler Hauptsitz. «Das war eine grössere Aktion», erinnert sich Baldinger. «Fragen sie mich aber nicht, wie dieses Möbel in das Zimmer im Hochhaus gehoben wurde.»

Baldinger hat das Handeln sozusagen in seiner DNA mitbekommen. Seine Grosseltern betrieben in Lengnau einen Viehhandel, in Untersiggenthal, wo er aufwuchs, stand das elterliche Haus gleich neben einer Schutthalde. «Das Rumstöbern wurde mir gewissermassen in die Wiege gelegt», sagt der gelernte Heizungsmonteur.

Vollständig vom «Wühltisch» zurückziehen will sich Baldinger indessen nicht. Er wird in Koblenz seine Töchter unterstützen und als Mitglied der Militärfahrzeugfreunde seine Sammelleidenschaft weiter ausleben können.