Fisibach
Angezählt: Harte Kritik an Gemeindeammann nach Wahldebakel

Fisisbachs Ammann Marcel Baldinger sieht sich nach verpasster Wiederwahl mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Ein anderer Kandidat für das Ammann-Amt ist jedoch nicht in Sicht.

Nadja Rohner
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Ammann Marcel Baldinger tritt zum zweiten Wahlgang an. mhu/archiv

Ammann Marcel Baldinger tritt zum zweiten Wahlgang an. mhu/archiv

Es ist noch keine Abwahl, aber doch ein deutliches Signal: Das Fisibacher Gemeindeoberhaupt Marcel Baldinger schaffte zwar die Wiederwahl in den Gemeinderat; das für das Amt des Ammanns notwendige absolute Mehr von 58 Stimmen verpasste er jedoch um 13 Stimmen.

Vorwürfe gegen Ammann

Für Christoph Studer, Stimmbürger und Präsident der Kirchgenossenschaft Kaiserstuhl-Fisibach, ist das keine Überraschung: «Baldinger zeigt sich nicht im Dorf, kommuniziert schlecht und ist nicht in der Lage, Probleme zu lösen.» Ausserdem habe Baldinger wenig Rückhalt im Dorf und sei auch in überregionalen Gremien unbeliebt, so Studer weiter.

Ammann Baldinger zeigt sich angesichts dieser Vorwürfe «überrascht und schockiert». Er sei immer offen gewesen für Kritik, und er habe nie das Gefühl verspürt, im Dorf keinen Rückhalt zu haben. Jedoch: «Die Kommunikation des Gesamtgemeinderates kann man immer verbessern, das nehme ich gerne so auf.»

Ob Baldinger die Chance erhält, als Ammann in der nächsten Amtsperiode Verbesserungen vorzunehmen, ist unklar. Christoph Studer stellt Rücktrittsforderungen: «Wenn ein Ammann nach acht Jahren die notwendigen Stimmen nicht mehr erreicht, sollte er für einen zweiten Wahlgang gar nicht mehr antreten.»

Unfreiwillige Wiederwahl

Andere Kandidaten sind jedoch nicht in Sicht. Auch nicht die bisherige Gemeinderätin Corinne Jakob, die sowohl für den Gemeinderats- als auch für den Ammannsitz nur zwei Stimmen weniger erhielt als Baldinger. Jakob hatte bereits im Vorfeld ihren Rücktritt «aus beruflichen und privaten Gründen» bekannt gegeben.

Dass sie trotzdem gewählt wurde, habe sie «natürlich sehr gefreut», sagt Jakob. «Die Ausgangslage ist aber dieselbe – momentan stehe ich für das Amt nicht zur Verfügung.» Die Verzichtserklärung hat Jakob bereits bei der Gemeindekanzlei deponiert. Es sei jedoch durchaus möglich, dass sie in vier Jahren noch einmal kandidiere, so die abtretende Gemeinderätin.

Damit fehlen Fisibach derzeit nicht nur ein Gemeinderatsmitglied, sondern auch vielversprechende Kandidaten für das Amt des Ammanns. Die anderen drei gewählten Gemeinderatsmitglieder fielen bei der Ammannwahl deutlich ab, keines erhielt mehr als fünf Stimmen. Auch für das Amt des Vizeammanns erreichte kein Kandidat das absolute Mehr. Dem bisherigen Amtsinhaber Roger Berglas fehlten deren 16.

Kandidat gesucht

Für den zweiten Wahlgang am 24. November werden also noch weitere Kandidaten gesucht. Wer dann Gemeinderatsmitglied oder gar Ammann werden will, muss sich bis zum Mittwoch um 12 Uhr mittags bei der Gemeindekanzlei offiziell aufstellen lassen. Notwendig sind dafür zehn Unterschriften von Fisibacher Stimmbürgern.

Bis Montagabend seien keine Anmeldungen eingegangen, sagt Gemeindeschreiber ad interim Manuel Bruder. Falls sich kein oder nur ein Kandidat meldet, wird eine Nachmeldefrist von fünf Tagen gewährt.

Meldet sich darauf wieder nur ein einzelner Kandidat, wird er in stiller Wahl gewählt. Meldet sich niemand, muss die Gemeinde innert sechs Monaten einen neuen ersten Wahlgang ansetzen.

Marcel Baldinger will Ammann bleiben, hat aber seine Anmeldung noch nicht eingereicht. Christoph Studer hofft derweil auf einen Neuanfang: «Die Fisibacher sollen eine Auswahl an Kandidaten haben. Deshalb sollen sich auch Junge und Neuzuzüger aufstellen lassen, denen die Dorfgemeinschaft am Herzen liegt.»