Bad Zurzach
Angeklagte bezahlte Geldstrafe mit veruntreuten Scheinen

Eine 38-jährige Schweizerin stand zum siebten Mal vor einem Gericht. Diesmal wegen mehrfacher Veruntreuung. Insgesamt «erwirtschaftete» sie stolze 46 000 Franken. Damit bezahlte sie unter anderem eine Geldstrafe von 16 200 Franken.

Rosmarie Mehlin
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Justitia musste über die mehrfach vorbestrafte Angeklagte entscheiden.

Justitia musste über die mehrfach vorbestrafte Angeklagte entscheiden.

Sechs Vorstrafen – unter anderem wegen Diebstahls, Urkundefälschung und falscher Anschuldigung – hatte die 38-jährige Priska (Name geändert) auf dem Kerbholz, als sie jüngst in Bad Zurzach vor Gericht sass.

Mehrfache Veruntreuung und mehrfaches Führen eines Fahrzeugs trotz Entzug waren diesmal angeklagt. Weil Priska alles unumwunden eingestanden hat, keinen Einwand gegen die vom Staatsanwalt geforderte Strafe hatte und auch die Geschädigten mit allem einverstanden waren, kam es zu einem abgekürzten Verfahren.

Das heisst, der Fall wurde vor Einzelrichter Cyrill Kramer nur kurz verhandelt.

Schon länger arbeitslos

Aber immerhin lange genug, um zu erfahren, dass Priska seit bald acht Monaten arbeitslos ist. Dies liege wohl hauptsächlich an den fehlenden Referenzen, sagte sie kleinlaut. Kunststück: Anfang August letzten Jahres hatte ihr Arbeitgeber sie fristlos entlassen und sie drei Wochen in U-Haft verbracht.

Bis dahin war sie bei einer im weiteren Sinne auf technische Geräte spezialisierten Firma als Sekretärin und Assistentin der Geschäftsleitung tätig gewesen. In dieser Vertrauensstellung hatte sie eine Vollmacht über die Konti der Gesellschaft.

Statt aber die Vermögenswerte ausschliesslich im Interesse der Firma zu verwenden, hatte Priska Mitte Dezember 2011 begonnen, scheibchen- oder vielmehr «scheinchen»-weise Geld für sich abzuzwacken. Bis Ende Juli 2012 «erwirtschaftete» sie auf diese Weise stolze 46 000 Franken.

Nun droht Freiheitsstrafe

«Ich musste die Geldstrafe von 16 200 Franken bezahlen, die mir das Bezirksgericht Zofingen im August 2011 aufgebrummt hatte. Da habe ich diesen Seich gemacht. Es war eine Kurzschlusshandlung. Aber dann habe ich halt eben weiter gemacht, um das entstandene Loch in der Geschäftskasse zu stopfen.»

Wie viel Geld sie aktuell ihrem damaligen Arbeitgeber schuldet, kann Priska nicht sagen. Klar ist, dass ihr Schuldenberg nun aus aktuellem Anlass noch um gegen 20 000 Franken gewachsen ist. Denn klar ist auch, dass Priska über Monate hinweg Auto fuhr, obwohl ihr der Führerausweis seit 2007 auf unbestimmte Zeit entzogen ist, was die Strafe zusätzlich ansteigen liess.

Richter Kramer hat den Antrag der Anklage sang- und klanglos zum Urteil erhoben: Zur unbedingten Geldstrafe von 330 Tagessätzen à 50 Franken gesellen sich Gebühren und Gerichtskosten in Höhe von rund 4000 Franken.

Sollte die Geldstrafe nicht bezahlt werden, kann sie in elf Monate Gefängnis, abzüglich 22 Tage U-Haft umgewandelt werden. Apropos: «Sollten Sie erneut straffällig werden, ist eine Freiheitsstrafe unvermeidlich», warnte Richter Kramer die 38-Jährige, die ihrerseits beteuerte, «ganz sicher nie mehr ‹öppis› zu machen.»

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