Klingnau
Ammann-Wahl: FDP schiesst gegen CVP und will plötzlich doch mitmischen

Nach der kuriosen Ammann-Wahl von Klingnau erklärt der frisch gewählte Gemeinderat Oliver Brun seine Nicht-Kandidatur für den 2. Wahlgang und sagt: «Schwamm drüber». Dafür bläst nun die Orts-FDP zum Angriff auf die CVP, die Reinhard Scherrer stellt.

Nadja Rohner
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Im beschaulichen Klingnau brodelt es: Die FDP attackiert die CVP. (Archiv)

Im beschaulichen Klingnau brodelt es: Die FDP attackiert die CVP. (Archiv)

Angelo Zambelli

Nachdem diese Woche bekannt geworden war, dass Oliver Brun nicht für den zweiten Ammann-Wahlgang kandidiert, meldet sich der parteilose Neu-Gemeinderat jetzt in einer Medienmitteilung zu Wort. Die Demokratie sei zwar eine grossartige Errungenschaft, aber nicht immer perfekt, schreibt Brun. «Ab und an kann sie einem Knacknüsse in den Weg rollen, wie sich bei den Ersatzwahlen von Anfang März zeigte.»

Brun ruft dazu auf, nicht weiter über den Wahlhergang zu spekulieren und «mit dem Finger auf andere zu zeigen»: «Schwamm drüber, die Sache ist gelaufen.»

Er freue sich über seine Wahl in den Gemeinderat und werde sein Amt antreten «mit Freude, Neugierde und dem Willen, in der Exekutive gute Arbeit zu leisten». Er verzichte auf eine Kandidatur für den zweiten Wahlgang, weil es für einen Ammann wichtig sei, mit einem guten Wahlresultat breit getragen zu werden – dies sei nicht der Fall.

Brun betont, er habe diesen Entscheid autonom gefällt, «ohne dass mich meine neuen Kollegen im Gemeinderat unter Druck gesetzt haben». Für die Urnengänge im Juni, wenn nach dem Rücktritt von Vizeammann Stefan Zurbuchen der Gemeinderat wieder komplettiert wird, sowie im Herbst, wenn voraussichtlich Ammann und Vizeammann bestimmt werden, wünscht sich Oliver Brun eindeutige Resultate: «Dazu können wir beitragen - mit einer hohen Wahlbeteiligung.» Er befürworte ein «schrittweises und besonnenes Vorgehen zum Wohl unseres schönen Städtchens».

FDP bläst zum Angriff

Auch die Orts-FDP, die sich bisher bedeckt hielt, verschickte gestern eine Medienmitteilung – und die hat es in sich. Parteipräsident Guido Vogel hält es zwar ebenfalls für richtig, dass die Ammann-Wahl neu aufgenommen wird. Gleichzeitig schiesst er aber gegen die CVP Klingnau, respektive gegen das Unterstützungskomitee für deren Kandidaten Reinhard Scherrer.

Dieses hatte bei der kantonalen Gemeindeabteilung eine nach eigenen Angaben «vorsorgliche Wahlbeschwerde» eingereicht. Diese «offensichtliche Art und Weise, Druck auf den Gemeinderat auszuüben, um eine Wahlwiederholung zu erzwingen», sei inakzeptabel, so Vogel. Es sei aber wohl nicht dem Druck der CVP, sondern vielmehr «der intelligenten Haltung des Gemeinderates und der Weitsicht von Oliver Brun zu verdanken, dass die Ammann-Wahl verschoben wird».

Sicher ist: Der anstehende Wahlkampf wird kein Spaziergang. Bisher habe sich die FDP neutral verhalten und weder für Scherrer noch für Brun Partei bezogen, so Vogel. Dies unter anderem, weil sie die Suche nach einem neuen Ammann mitorganisiert hatte. Nun bläst die FDP aber zum Angriff: «Unsere Neutralität ist jetzt ganz klar beendet», sagt Vogel. «Ab sofort werden wir uns ganz klar wieder als Partei positionieren.» Wie, das werde man in den nächsten Wochen im FDP-Vorstand besprechen.

Denkbar ist, dass die FDP für die Ergänzungswahlen im Juni noch einen eigenen Kandidaten – oder eine eigene Kandidatin – portiert. Diese Person würde dann allenfalls auch für die Ammann- und Vizeammannwahlen im Herbst unterstützt. Möglich wäre auch, dass die FDP für die beiden Führungspositionen einen ihrer drei bisherigen Gemeinderäte (Elvira Mrose, Felix Lang und Patrick Rohner) gewinnt. Oder man unterstützt den parteilosen Oliver Brun. FDP-Präsident Vogel hält aber nach den Geschehnissen rund um den ersten Wahlgang unmissverständlich fest: «Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinen Grund, Reinhard Scherrer zu unterstützen.»

Wie sehr die Ereignisse rund um die Ammann-Wahl die Klingnauer beschäftigt hat, zeigt sich auch daran, dass ein an die FDP adressierter Brief bei Guido Vogel eingetrudelt ist. Das anonyme Schreiben von verärgerten Klingnauern hatte die FDP in Verbindung mit dem Wahldebakel gebracht – zu Unrecht, findet Guido Vogel: «Der Brief richtet sich eindeutig gegen das Vorgehen der CVP und gegen Reinhard Scherrer.» Er habe den Brief deshalb dem Unterstützungskomitee weitergeleitet.

Es ist indes nicht das erste Mal, dass Kommunalwahlen in Klingnau zu Misstönen zwischen den beiden Ortsparteien und deren Exponenten sorgt: Bereits bei den Gesamterneuerungswahlen 2009 lagen sich Guido Vogel (FDP) und Josef Fuchs, damals CVP-Präsident, in den Haaren. Fuchs gehört heute zu den drei Stimmbürgern aus Reinhard Scherrers Organisationskomitee, welche die Wahlbeschwerde eingereicht hatten.