Klingnau
Ammann-Kandidat Reinhard Scherrer: «Meine Wahl wäre auch eine Chance für Klingnau»

Nach seiner kuriosen Niederlage 2015 nimmt CVP-Politiker Reinhard Scherrer einen neuen Anlauf aufs Amt des Gemeindeammanns.

Daniel Weissenbrunner
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Reinhard Scherrer und die Propstei. In dieser befindet sich die Gemeindeverwaltung sowie das Stadtratszimmer.

Reinhard Scherrer und die Propstei. In dieser befindet sich die Gemeindeverwaltung sowie das Stadtratszimmer.

PZ/ZVG

Die Wahl sorgte in der Gemeinde über Wochen hinweg für Konfusion und lieferte über die Bezirksgrenze hinaus Gesprächsstoff. Der parteilose Oliver Brun wurde im September 2015 an den Ersatzwahlen zum neuen Ammann erkoren. Vorausgegangen war der Wahl ein monatelanges Verwirrspiel. Als neuen Gemeindeammann hatte das Stimmvolk zuvor eigentlich den CVP-Mann Reinhard Scherrer auf den Schild gehoben.

Der Haken an der Geschichte: Scherrer verpasste im ersten Wahlgang den erforderlichen Sprung in den Gemeinderat. Dadurch blieb ihm das Amt des Ammanns verwehrt. Als Vertreter an der Spitze einer Gemeinde ist nur ein Mitglied des Gemeinderats legitimiert. Bis heute wird gerätselt, weshalb das Stimmvolk diesen eigenartigen Entscheid getroffen hatte. Ein Fünftel der Stimmzettel musste damals für ungültig erklärt werden.

Oliver Brun hätte im zweiten Wahlgang noch einmal als Gemeindeammann kandidieren können und wäre mutmasslich gewählt worden, Reinhard Scherrer wäre damit definitiv aus dem Rennen gewesen. Doch Brun verzichtete, mit der Begründung, dass er eine «anständige (Aus-)Wahl wolle». Der Gemeinderat beschloss, die Ammann-Wahl zu verschieben. Scherrer schaffte schliesslich bei den Ersatzwahlen den Sprung in den Gemeinderat, worauf es unter klaren Vorzeichen zur Wahl kam, mit besagtem Ausgang.

Bruns Zeitproblem kein Thema

An den Gesamterneuerungswahlen Ende September unternimmt Reinhard Scherrer nun einen neuerlichen Anlauf. Für viele überraschend verzichtet Oliver Brun auf eine Kandidatur für die kommende Legislatur, wie er letzte Woche bekannt gegeben hatte. Seine Amtszeit als Gemeindevorsteher wird als eine der kürzesten in die Analen des Orts im unteren Aaretal eingehen.

Der 48-Jährige begründet seinen Entscheid mit der zeitlichen Belastung. Ausschlaggebend seien die veränderten Familienverhältnisse gewesen. Brun wurde im vergangenen Jahr erstmals Vater. «Amt, Beruf und Familie unter einen Hut zu nehmen, ist unter diesen Voraussetzungen zunehmend schwieriger geworden.» Brun arbeitet beim Paul-Scherrer-Institut (PSI) als Techniker im Bereich der Protonenbeschleunigung. Für die Aufgabe als Gemeindeammann fallen pro Woche durchschnittlich mindestens 20 Stunden an. Aus dem politischen Alltag zurückziehen will sich Brun gleichwohl nicht: Er kandidiert für die kommende Legislatur als Gemeinderat.

Im Unterschied zu Brun spielt bei Reinhard Scherrer die zeitliche Belastung, wie er sagt, eine untergeordnete Rolle. Der 65-Jährige arbeitet noch bis Ende Jahr bei der Stadt Baden als Gesamtprojektleiter Schulraum Baden, danach geht er in Pension. Scherrer, der vergangenen Herbst für den Grossrat kandidierte, ist in Klingnau bestens vernetzt. Ihm werden gute Chancen eingeräumt, den Sprung an die politische Spitze Klingnaus dieses Mal zu schaffen. Eine mögliche Wahl erachtet Scherrer als Chance für sich selbst und auch für Klingnau. An Herausforderungen mangle es nicht, wie er betont: «Die künftige Schulstandortfrage und die Stadtentwicklung sind nur zwei Themen, die uns in den kommenden Jahren beschäftigen werden.»

Klar ist, dass in Klingnau die Karten in der Exekutive neu gemischt werden: Nebst Oliver Bruns Rückzug als Ammann müssen zwei Sitze im Gemeinderat neu besetzt werden. Vizeammann Patrick Rohner und Felix Lang stellen sich für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung.

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