Tegerfelden
Ammann Baumgartner tritt ab: «Kleinigkeiten motivieren mich nicht mehr»

Nach zwölf Jahren im Gemeinderat kehrt Ammann Erwin Baumgartner der Kommunalpolitik den Rücken. Für den Grossen Rat will er aber wieder kandidieren. Energiefragen und High Tech reizen ihn, da könne er im Kanton mehr bewegen.

Nadja Rohner
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Erwin Baumgartner gibt das Ammann-Amt ab. AZ/Archiv

Erwin Baumgartner gibt das Ammann-Amt ab. AZ/Archiv

Herr Baumgartner, Sie haben in einem früheren Interview gesagt, die Leidenschaft für das Amt sei die wichtigste Eigenschaft eines Gemeindeammanns. Ist Ihnen die Leidenschaft abhanden gekommen?

Erwin Baumgartner: Ein bisschen schon. Zu Beginn dieser Amtsperiode hatte ich wirklich den «Gnüegeli». Die gemeindeinternen Kleinigkeiten motivieren mich nicht mehr, und ich habe mich gefragt, weshalb ich mir das nochmals vier Jahre antue. Dann kam die Zonenplanrevision – ein spannendes Projekt, das strategisches Denken erforderte. Ich wollte die Revision unbedingt noch während meiner Amtszeit zu Ende bringen und freue mich, dass die Gemeindeversammlung im November Ja dazu gesagt hat.

Zur Person

Erwin Baumgartner (*1965) ist Geschäftsführer der Heinz Baumgartner AG in Tegerfelden. Der Betrieb ist im Maschinen- und Apparatebau tätig. (NRO)

Sie haben Ihren Rücktritt per Ende 2013 schon vor über einem Jahr angekündigt – erstaunlich früh.

(lacht) Das habe ich vor allem für mich gemacht, damit ich mich nicht doch noch zu einer weiteren Amtszeit überreden lasse.

Wo haben Sie in Ihren drei Amtsperioden Spuren hinterlassen ?

Am offensichtlichsten wohl in der Bautätigkeit, besonders im Gebiet Cholgraben. Die Baulandverflüssigung war eines meiner Kernthemen: Zu Beginn meiner Amtszeit wurde in Tegerfelden kaum Bauland angeboten. Wir haben die Bevölkerung dazu aufgerufen, ihr Land zu verkaufen – und innert Kürze wurde ein Dutzend Parzellen ausgeschrieben. Heute sind fast alle überbaut. Daraus hat sich eine Eigendynamik entwickelt, immer mehr Leute haben mitgezogen.

Und heute ist Tegerfelden innerhalb des Bezirks Zurzach eine der privilegiertesten Gemeinden: Sie konnten alle Behördenämter besetzen, haben genügend Schüler, gesunde Finanzen...

... das ist zum Teil durch die Nähe zu Baden bedingt. Aber wir Surbtalgemeinden sind sehr aktiv und bemühen uns um Wachstum.

Wie gestaltet sich denn die Zusammenarbeit mit Endingen und Lengnau?

Sehr gut. Wir Ammänner sind alles Unternehmer und ticken sehr ähnlich. Dadurch konnten wir jeweils in einer halben Stunde Geschäfte erledigen, für die andere drei Sitzungen brauchen würden.

Nun treten sowohl Sie als auch der Lengnauer Ammann Kurt Schmid zurück – muss man befürchten, dass die Dynamik verloren geht?

Nein, nein. Diese Dynamik hat sich längst auf die Bevölkerung übertragen. In allen Surbtalgemeinden sind die Vereine sehr aktiv, und es gibt viele junge Familien, die mitreden wollen. Da kann sich der Gemeinderat nicht ausruhen – der Druck aus der Bevölkerung ist da.

Mit dem Projekt «Perspektive Surbtal» wird eine Zusammenarbeit forciert. Nun haben Endingen und Unterendingen gar fusioniert – weshalb nicht gleich eine Grossgemeinde Surbtal machen?

Bisher war eine Fusion für Tegerfelden wenig sinnvoll, wir kommen zurecht. Fusionen müssen zudem aus der Bevölkerung heraus wachsen, damit sie erfolgreich sind. Wenn ich mich in Tegerfelden umhöre, ist etwa die Hälfte der Leute dafür, die anderen dagegen.

Wagen Sie eine Prognose für die nächsten zehn Jahre?

Die Gemeinden rücken schon jetzt näher zusammen, das merkt man. Ich denke, mittelfristig könnte es eine Fusion geben. Entscheiden wird aber das Volk.

Sie wurden nur knapp nicht in den Grossen Rat gewählt – werden Sie wieder kandidieren?

Ja.

Was reizt Sie denn daran?

Ich interessiere mich sehr für Energiefragen und High Tech, schon rein beruflich. Auch die Bildungslandschaft ist herausfordernd. Auf Kantonsebene kann man in dieser Hinsicht mehr bewegen als in einer Gemeinde.

Apropos Technologie – wie stehen Sie zur geplanten Hightech-Arbeitszone in Würenlingen?

Das begrüsse ich natürlich. Es kann nicht sein, dass wir mit dem Paul Scherrer Institut Tausende kluge Köpfe anziehen, sich darum herum aber kaum Industrie entwickelt.

Im Grossen Rat könnten Sie zwar auf einer höheren Ebene wirken, dafür hätten Sie aber auch weniger zu sagen als in der Tegerfelder Exekutive.

Als Gemeindeammann ist man schon ein bisschen Regent, das stimmt. Es reizt mich aber auch, in einem grösseren Gremium eine Sache mitzutragen.

Werden Sie es nicht vermissen, als Ammann die Gemeinde mitgestalten zu können?

Ich werde mich nicht in die Arbeit des neuen Gemeinderats einmischen. Aber wenn ihnen die Ideen ausgehen, hätte ich noch den einen oder anderen Input parat.

Zum Schluss noch die Weihnachtswünsche: Was wünschen Sie sich für Tegerfelden?

Dass sich die Gemeinschaft, die in diesem Jahr des 900. Dorfjubiläums gewachsen ist, weiterentwickelt und die Leute aufeinander zugehen.

Und für sich selber?

Gesundheit. Das ist das Wichtigste – alles andere kann man managen.

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