Döttingen
Am Winzermarkt lockt nicht nur der Duft frischer Zöpfe

Mit offenen Ohren, Augen und Nasenflügeln kreuz und quer über den Winzermarkt in Döttingen... Kulinarisch kommt man traditionell voll und ganz auf seine Rechnung. Und auch auf der Bühne wird Unterhaltendes geboten.

Rosmarie Mehlin
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 Dicht an dicht flanieren die Besucherinnen und Besucher auf der Döttinger Hauptstrasse durch den bunten Winzermarkt mit seinen über 100 Ständen
14 Bilder
Es war ein Fest mit vielen verschiedenen Ständen und Attraktionen.
Winzermarkt in Döttigen zieht viele an
Schwungvoller Hip-Hop-Tanz
Fetzige Brassmusik auf der Bühne
Spiessli braten im Akkord
Alte Schallplatten ganz neu
Eine Vielzahl von Schnäpsen konnte an Ständen gekauft werden.
Am Winzermarkt kam man kulinarisch auf seine Kosten.
Auch für die kleineren Besucher gab es viel zu erleben.

Dicht an dicht flanieren die Besucherinnen und Besucher auf der Döttinger Hauptstrasse durch den bunten Winzermarkt mit seinen über 100 Ständen

André Albrecht

Schnaps ist Schnaps und Märt ist Märt - so könnte man gemeinhin denken. Genauer besehen und beschnuppert hat aber gar so mancher Markt seine ganz besonderen Eigenheiten. Am Döttinger Winzermarkt ist es nebst vielem anderem der Duft der vor Ort von den Frauen der Trachtengruppe Chilpel-Surbtal frisch geflochtenen und herausgebackenen Zöpfen, der sich Jahr für Jahr seinen Weg verführerisch durch die Hauptstrasse bahnt.

Speziell am Winzermärt ist auch das breit gefächerte Angebot an Livemusik, welche die Flaneure, die Stöberer, Geniesser, Käufer auf ihrer nicht ganz staufreien Wanderung an den gut und gerne 100 Ständen vorbei begleitet: Mit Marsch, Polka, Trommelwirbel in den Ohren macht das alles doch glattweg noch mehr Spass. Ganz besonders aber bei geradezu sommerlichen Temperaturen und mit karibischen Klängen einer Steelband: «Che sera, sera» spielten die «Fassbodenchlopfer» gestern um die Mittagszeit ... Tja, was wird heute sein? Der Winzerumzug im Regen? Bitte, Petrus, straf die Wetterfrösche Lügen!

Am Samstag jedenfalls schien die Sonne strahlend auf industriell und auf Handgefertigtes aus Glas, Filz, Wachs, Stein, Stoff. So auch auf das alte Handwerk, das Christian Meyer aus dem solothurnischen Steinhof ausübt: Er bestickt Lederriemen für Glöckchen und Glocken, kleine und grosse Treicheln. An einem Stand, der unter anderem allerlei dentalhygienisches Marterwerkzeug feilbot, wurde als Neuheit ein «Zahnstein-Radiergummi» angepriesen. Trotz meiner ausgeprägten Zahnarzt-Phobie habe ich der Sache misstraut und deshalb von einem Kauf abgesehen. Bei den fleissigen Bienen im Regionalen Altersheim wurde ich Ohrenzeugin, wie ein Paar glismeti Bettfinken Grösse 43 «für einen Mann» in Auftrag gegeben wurde. Gegenüber sah ich den Otti Egger aus Turgi zwei hübsch bedruckte Noscheli poschten: «Für unser siebtes Enkelkind, das im November kommt», erklärte er strahlend.

Die 2.-Sekler aus Kleindöttingen hatten sich zwecks Äufnung ihrer Lagerkasse kräftig mit Laubsäge, Farbe, Nadel und Faden herumgeschlagen und boten hübsche Igel, Gänse, Büsi aus Holz sowie Gufechüssi wohlfeil.

Die Burschen und Maitli von der Oberstufe Unteres Aaretal ihrerseits hatten zur Finanzierung eines ambitionierten Projektes ihrer Kreativität freien Lauf gelassen: Im Januar wird ihr Musical «Vom Schatten ins Licht» uraufgeführt und dafür hat die für die Kostüme zuständige Gruppe aus Blachen superschöne Taschen, Necessaires, Portemonnaies genäht, während die Catering-Gruppe selbst gemachte Zimtbrownies, Chocolate-Cookies und gebrannte Mandeln feilbot.

Kulinarisch kommt man am Winzerfest traditionell voll und ganz auf seine Rechnung, ob in Restaurants, Ad-hoc-Beizli und Ständen direkt verpflegt, oder am Märt mit dem Kauf von festen und flüssigen Spezialitäten. Etwa dem cremig gerührten Honig aus Unterbözberg, Kalberwürsten aus Glarus - die klassische Landsgemeinde-Verpflegung -, Ingwer-, Randen-, Kürbis-, Schlehen-Schnaps, süss-sauer eingelegten oder getrockneten Zucchetti, Birnen, Zwetschgen, Äpfeln sozusagen frisch ab Baum. Apropos: In der Poststrasse sind mir Äpfel der Sorte Mairac ins Auge gestochen, von der ich noch nie gehört hatte. Kunststück - das sei eine ganz neue Kreuzung, die als Nachfolgerin der Sorte Maigold gelte, wurde ich aufgeklärt.

Schmuck aus Kaffeekapseln

Schliesslich habe ich noch zwei mega coole Non-Food-Neuheiten entdeckt: Halsketten und Armbänder aus geleerten und zerquetschten Kaffeekapseln sowie Handtaschen und Zeitungsständer aus Langspielplatten... Wer hats erfunden? Edith Schifferle aus Döttingen! In die Schallplatten bohrt sie rundherum Löcher, legt fallweise einen Streifen Blache oder ein Stück Veloschlauch zwischen Schuberts h-Moll-Sinfonie und die Europäische Hitparade von 1964, näht das Ganze bis zur Hälfte zusammen - voilà - der Zeitungsständer steht. Oder aber sie näht in die obere Hälfte zwischen den Querschnitt aus «Das Land des Lächelns» und Bachs «Missa da Requiem» einen Reissverschluss ein und schon trägt die Dame von Welt eine ultimativ-exklusive, musikalisch erlesene Handtasche am Arm.