Kleindöttingen
Am Anfang stand eine Plattenkamera

Hobby-Biologe und Naturfotograf Paul Abt ist 80-jährig geworden. Er hat sich nicht nur als Naturfotograf, sondern auch als Vortragsredner und Organiator von unzähligen

Angelo Zambelli
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Paul Abt mit der Plattenkamera, die er vor über 60 Jahren von seinem Vater erhalten hat. Angelo Zambelli

Paul Abt mit der Plattenkamera, die er vor über 60 Jahren von seinem Vater erhalten hat. Angelo Zambelli

«Es ging zu und her wie in einem Taubenschlag», antwortet Paul Abt auf die Frage, wie er seinen 80. Geburtstag am Mittwoch erlebt habe. Freunde, Verwandte und Bekannte nahmen die Einladung zum Tag der offenen Tür am Fliederweg wahr und gratulierten dem Jubilar persönlich.

Dass das Haus den ganzen Tag überquoll und auch das Telefon beinahe pausenlos klingelte, kommt nicht von ungefähr: Paul Abt hat sich als Hobby-Biologe, Naturfotograf, Vortragsredner und Organisator unzähliger Seniorenwanderungen, aber auch als Anlaufstelle für die Beantwortung von Fragen rund um die Natur, weit über die Region hinaus einen Namen gemacht.

Plattenkamera vom Vater geerbt

Paul Abt ist in Lengnau aufgewachsen und fühlt sich mit dem Dorf im oberen Surbtal immer noch stark verbunden. Sein Vater war weitherum der Einzige, der eine Kamera besass. Klein Paul wurde vom Vater meist dazu auserkoren, bei den gemeinsamen Streifzügen durch Feld und Wald die um die Jahrhundertwende gebaute Plattenkamera zu tragen und beim Aufbau mitzuhelfen. Eines Tages zahlte sich die Mühe aus: Vater Abt erwarb auf einem Trödlermarkt in Zürich eine Occasions-Kleinbildkamera und übergab die Plattenkamera seinem Sohn mit der Bemerkung: «Da hast du die Plattenkamera. Mach damit, was du willst.»

Paul Abt liess sich nicht zweimal bitten, nahm die sperrige Kamera auf seinen Velotouren durch die Westschweiz mit und machte seine ersten Gehversuche auf dem Feld der Fotografie.

Professoraler Anstoss

Das zweite Ereignis, das ihn auf den Weg der Naturfotografie lenkte, war der Vortrag eines Stuttgarter Professors im Zürcher Kaufleuten. «Seine Aufnahmen von Libellen und anderen Insekten beeindruckten mich tief» erinnert sich Abt. Noch bevor er den Saal verliess, war der Entschluss gefasst, es dem Herrn Professor gleichzutun. Paul Abt startete eine «Karriere» als Naturfotograf und Vortragsredner, die bis heute anhält.

In den letzten 45 Jahren habe er zwischen 800 und 900 Vorträge zu rund einem Dutzend Themen gehalten, schätzt Abt. Fotografisch und sprachlich thematisiert wurden unter anderem der Aletschwald, der Schweizer Nationalpark im Engadin, das Quellgebiet des Rheins sowie – zusammengefasst – die Wunder der Natur. Allein den Vortrag «Tümpel, Moor und Weiher», mit dem er 1971 einen von Hans A. Traber ausgeschriebenen Wettbewerb gewann, trug er rund 300-mal vor. Paul Abt, im Zivilberuf Buchhalter bei der Kleindöttinger Spanplattenfirma Novopan und bei den Nordostschweizerischen Kraftwerken (NOK), bestritt dreiwöchige Tourneen durch Süddeutschland und füllte in Stuttgart, Esslingen und anderswo Säle und Hallen mit bis zu 500 Personen.

Daneben brachte er bei Veranstaltungen von Naturschutzvereinen, bei zahllosen Einzelvorträgen und vor allem in Schulen (Abt: «Ich glaube, ich habe sämtliche Aargauer Bezirksschulen besucht»), den Menschen die Schönheit der Natur näher. Dabei unterliess er es nie, mehr oder weniger sanft darauf hinzuweisen, wie wertvoll die Natur für den Menschen sei und dass man ihr Sorge tragen müsse.

«Die Natur hat sich verändert»

Paul Abt hat sich technischen Neuerungen nie verschlossen – im Gegenteil. Wenn immer etwas zu einem besseren Ergebnis beitragen konnte, griff er zu: Seit Jahren fotografiert, bearbeitet und archiviert Paul Abt digital. «Die neuen Techniken haben die Arbeit grundlegend verändert und vereinfacht», sagt er.

Verändert hat sich aber auch die Natur, deren Erhalt Paul Abt so sehr am Herzen liegt: «Vor 60 Jahren konnte ich bei einem Spaziergang auf einer Strecke von 300 bis 400 Metern genügend Sujets finden, um einen Film zu füllen. Heute muss ich kilometerweit laufen, um die gleiche Anzahl Insekten oder Raupen vor die Linse zu bekommen.» Dennoch glaubt Abt, dass die Welt den Ernst der Lage erkannt hat: «Die Sensibilität der Natur gegenüber ist gestiegen und ich bin zuversichtlich, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzt.»

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