Würenlingen
Älteste Beiz geht zu: "Das wird ein herber Verlust für Würenlingen"

Mit dem «Bären» geht das älteste Restaurant Würenlingens zu. Ein Rückblick auf die alt-ehrwürdige Beiz mit einem Würenlinger, der die Institution noch von früher her kennt.

Samuel Buchmann
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Auf einer Aufnahme aus dem frühen 20. Jahrhundert heisst der heutige «Bären» in Würenlingen noch «Zum Weissen Rössli» (links).

Auf einer Aufnahme aus dem frühen 20. Jahrhundert heisst der heutige «Bären» in Würenlingen noch «Zum Weissen Rössli» (links).

ZVG

Arthur Schneiders Augen leuchten, als er von seinen Kindheitserinnerungen zu erzählen beginnt. «Dort hinten im Saal, dort habe ich in meiner Kindheit Theater gespielt. Geturnt. Getanzt.» Das Würenlinger Urgestein sitzt am Tisch des «Bären», trinkt einen Kaffee und breitet einige Fotos auf dem Tisch aus. «Juma-Tanzkurs 1959» lautet eine der Überschriften. Junge Männer mit Anzug und Fliege tanzen mit jungen Frauen in Röcken mit geflochtenen Haaren im alten getäferten Saal.

«Für unsere Turnvorstellungen war der Raum nicht hoch genug. Aber über der Bühne konnte man eine Klappe zum Estrich öffnen. Dort oben sah man dann ab und zu die Beine der Reckturner auftauchen.» Es sind nur zwei von vielen Geschichten, die Arthur Schneider mit dem ältesten Würenlinger Restaurant verbindet. «Früher, als es die Weissenstein-Anlage noch nicht gab, da fand das Dorfleben hier im ‹Bären› statt. Veranstaltungen wurden in diesem Saal abgehalten.»

Die Zeiten haben sich geändert. Noch ist der «Bären» zwar ein Restaurant, im grossen Saal halten Vereine und Firmen regelmässig grosse Versammlungen ab. Doch schon bald werden die alten Tische und Stühle für immer verschwinden: Aus dem Gasthof wird wohl eine Wohnüberbauung, der Saal wird abgerissen. Nur die geschützte Frontfassade wird Betrachter noch an die goldenen Zeiten des «Bären» erinnern.

Einst das «Weisse Rössli»

Ursprünglich hiess das Wirtshaus anders. Wann genau es erbaut wurde, ist nicht überliefert, doch schon im 17. Jahrhundert tauchte es als Teil des Hauserhofes in den Würenlinger Geschichtsbücher auf. Ab 1800 wird es als «Gasthaus zum Weissen Rössli» erwähnt. Diesen Namen behielt das Restaurant bis im Jahre 1937. Dann setzte der damalige Besitzer Oskar Bucher dem «Rössli» ein Ende. Er taufte das Lokal um in «Gasthof Bären». «Dabei war der Bär eigentlich ein Fremdkörper», sagt Arthur Schneider. «Das Wappentier stammte aus dem im Berner Aargau und war in der Grafschaft Baden fremd.»

Dann, 1941, erwarb schliesslich Josef Schneider den «Bären» und machte den Gasthof zu dem, was er noch heute ist: ein Treffpunkt der Einheimischen. Seither blieb er in der Hand der Familie. Während des Zweiten Weltkrieges war im hinteren Gebäudeteil die Militärküche installiert. Mit Blechkesseln holte sich die Nachbarschaft Suppe und übrig gebliebenes Essen.

Seit Beginn der Achtzigerjahre wird das Lokal von Alex und Anne Schneider-Nägeli geführt. Doch das Ehepaar geht bald in Pension und die beiden Töchter wollen das Restaurant nicht übernehmen. Stattdessen haben sich die Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG und die Hunziker Architekten AG das Kaufrecht gesichert. Sie planen, das Restaurant zu schliessen und an seiner Stelle Wohnungen zu bauen.

Beim Gedanken daran legt Arthur Schneider die Stirn in Falten. «Wir haben für grosse Versammlungen nichts Gleichwertiges zu diesem Saal. Nichts mit diesem Ambiente. Das wird ein herber Verlust für Würenlingen.»

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