Als es um Mellikon herum spukte

Vor 50 Jahren barsten im Zurzibiet zahlreiche Windschutzscheiben von Autofahrern.

Simone Morger
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Ungelöstes Rätsel: Mehr als Dutzend Scheiben gingen in die Brüche.

Ungelöstes Rätsel: Mehr als Dutzend Scheiben gingen in die Brüche.

Bild: SRF (Screenshot)

Plötzlich ein «Chlapf» und dann barst die Windschutzscheibe vor der Nase der Autofahrerin oder des Autofahrers. Aus unerklärlichen Gründen. Eine unangenehme Situation. Und vor allem eine rätselhafte: Die Fälle häuften sich nämlich zwischen Weihnachten und Neujahr 1970 im Zurzibiet, wie das Schweizer Fernsehen in einem Beitrag in der Sendung «Antenne» vom 25.1.1971 berichtete. «Kein Gegenverkehr, weit und breit keine Kinder», sagt ein betroffener Autofahrer gegenüber dem TV-Reporter.

Über ein Dutzend Fälle seien es bereits, als Hotspot konnte Mellikon ausgemacht werden, wie der Zurzacher Kantonspolizist Michel rapportierte. Er ist der Ursache damals auf den Grund gegangen. Das Gelände sei abgesucht worden, um die Einwirkung Dritter ausschliessen zu können. Die Polizei stellte fest, dass die Frontscheiben-Vorfälle in Zeiten passierten, in denen die Sodafabrik Sprengungen durchführte. Doch weil einige der Frontscheiben auch am Wochenende barsten, wurde diese Ursache wieder ausgeschlossen.

Grüne Männchen und böse Gedanken

Und: «Es wäre auch schwierig, auf ein fahrendes Auto zu schiessen», sagte Polizist Michel. In diesem Fall hätte es auch Blechschäden gegeben. Die Polizei kam zum Schluss, dass die Scheiben wegen des Wetters barsten.

Für einige war das nicht genug der Erklärung für die rätselhaften Vorkommnisse im Zurzibeit. «Alle möglichen Leute» wurden dadurch auf den Plan gerufen, heisst es im TV Beitrag. Von Geisterbeschwörung, Wärmeausstrahlung oder gar grünen Männchen war die Rede.

Das Fernsehen begleitete eine Art Pendler, der einen «Wärmeeinfluss» vom Boden aus feststellte, der die Scheiben zum Bersten gebracht haben soll. Er sprach auch von einem Spuk, dem er mit seiner «Ausstrahlung» ein Ende bereitet habe: «Ich hoffe, dass ich mit Gedankenübertragung die böse gesinnten Gedanken auslöschen konnte.» Das schien ihm wahrscheinlich, da nach seinen Fahrten kein weiterer Fall mehr aufgetreten war. Was Polizist Michel allerdings dementierte.

Der Beitrag endete mit der wissenschaftlichen Erklärung, dass Frontscheiben unter Spannung standen und bei Vibration in die Brüche gegangen sein könnten. Sollte das nicht der Fall gewesen sein, könne es sich höchstens noch um einen Luftdruckschaden handeln. Zurück bleibt ein bisschen Mysterium.

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