Leuggern
Als armer Schlucker verkleidet: Millionär hält Mitmenschen zum Narren

Kleider machen auch heute noch Leute, Geld verdirbt noch immer gar so manchen Charakter: Ein höchst vergnüglicher Abend wird geboten mit «Drei Männer im Schnee» auf der Bühne der Mehrzweckhalle Leuggern.

Rosmarie Mehlin
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Toller Theaterabend mit «Drei Männer im Schnee»
8 Bilder
Irene Mutter als Hushälterin.jpg
Mike Erdin David Emmenegger Noëlle Marti Irene Mutter und Theo Sibold.jpg
Mike Erdin, der Millionär als armer Schlucker.jpg
Frau von Mallabre (Monica Kündig) besticht den Hotelportier (Stephan Gassmann.jpg
Chauffeur Johann und Millionär Tobler als armer Schlucker.jpg
Chauffeur Johann und sein Chef Tobler.jpg
Frau Casparius (Gisela Nussbaum) versucht Dr Hugentobler (David Emmenegger) zu verführen.jpg

Toller Theaterabend mit «Drei Männer im Schnee»

Rosmarie Mehlin

Generaldirektor und Millionär Eduard Tobler sammelt Briefmarken und sein Lieblingsessen ist Wienerli mit Härdöpfelsalat. Eines Tages beschliesst er, Mitmenschen und deren Verhältnis zu Äusserlichkeiten und Geld zu erforschen.

Tobler – im Herzen Kind geblieben – tut das auf ureigenste Weise, indem er sich inkognito im Grand Hotel St. Moritz einquartiert. Als armer Schlucker verkleidet, bekommt er hautnah die Arroganz der sogenannten «High Society» zu spüren, lernt gleichzeitig aber auch aufrichtige Freundschaft und einen Schwiegersohn in spe kennen.

Gespickt mit liebevollen Details

«Drei Männer im Schnee» aus der Feder des wunderbaren Erich Kästner ist längst ein Komödienklassiker. Bereits kurz nach seinem Erscheinen 1934 wurde der Roman in Frankreich, Schweden, der Tschechoslowakei und den USA, 1955 dann in Österreich und 1974 in Deutschland verfilmt. Die Schweizerdeutsche Bühnenfassung von Charles Lewinsky mit Ruedi Walter als Eduard Tobler wurde ab 1984 in Zürich zum Kassenschlager.

Und jetzt steht er in Leuggern auf der Bühne – der Generaldirektor, der hochnäsigen Mitmenschen einen grandiosen Streich spielt. Sollte Ruedi Walter am Samstagabend von seiner Wolke zufällig auf die Mehrzweckhalle hinuntergeschaut haben, wird er gewiss seine helle Freude an dem jüngsten Theaterstreich vom Sportverein Leuggern gehabt haben.

Allein schon das Bühnenbild und die Kostüme, angesiedelt in den Fünfzigerjahren, sind eine Augenweide. Da wurden weder Mühe noch Aufwand gescheut, um das Publikum mit liebevollen Details zu verzaubern: Drehtüre, ein Lift mit Lichtern, die seine jeweilige Position anzeigen, der Portier (Stephan Gassmann) selbstverständlich mit «Grand Hotel»-Mütze, Toblers Haushälterin (Irene Mutter) mit Spitzenkrägelchen, seine Tochter Heidi (Noëlle Marti) mit Petticoat, die beiden weiblichen Hotelgäste auf Millionärsfang (Gisela Nussbaum und Monica Kündig) superelegant mit Schmuck und Pelzjacke – die Requisiten, die Frisuren, man kann sich kaum stattsehen.

Grossartiges Ensemble

Und schon gar nicht aufhören, gebannt zuzuhören. Die Komödie hat in all den Jahren nicht einen Flecken Patina angesetzt. Kunststück: Kleider machen auch heute noch Leute, Geld verdirbt noch immer gar so manchen Charakter. In «Drei Männer im Schnee» ist beides mitreissend in Verwechslungen, Irrungen, Wirrungen verpackt, die zusammen mit überraschenden Pointen für Spannung und grosses Amüsement sorgen. Während der fünf Akte ist man stets aufs Neue verblüfft, schmunzelt leise oder lacht herzhaft. Die Zeit vergeht im Fluge und nach dem Happy End dürfte es ruhig noch etwas weiter gehen.

Dies vor allem auch, weil Regisseurin Bea Meier (Niederglatt) sehr einfallsreich und mit viel Sinn für Tempi grossartige Arbeit geleistet hat. Diese wäre allerdings vergeblich gewesen, würde ihr nicht ein Ensemble zur Verfügung stehen, das mit ebenso viel Lust, wie Können bei der Sache ist.

Nicht nur die zentralen Rollen sind mit Mike Erdin als Eduard Tobler, Theo Sibold als dessen Chauffeur, David Emmenegger als Dr. Huggentobler und Hans Brechbühler als Hoteldirektor glänzend besetzt – jeder der Mitwirkenden besticht sprachlich, gestisch und mimisch. Alle geben Kästners Figuren so authentisch und überzeugend wider, dass man ein übers andere Mal vergisst, dass Laien auf der Bühne stehen. Ein toller Theaterabend.

«Drei Männer im Schnee» in der Mehrzweckhalle Leuggern: bis 22. November sieben weitere Vorstellungen; nur noch wenige Karten; www.theaterleuggern.ch

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