Handball NLB
Alles deutet auf den nächsten Herzschlagfinal zwischen Endingen und Suhr Aarau hin

Fünf Runden vor Schluss wurden die Surbtaler NLB-Handballer von der Spitze verdrängt. Alle Vorzeichen deuten auf ein brisantes, altbekanntes Duell hin.

Andreas Fretz
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Nach dem Aufstieg als Spieler will Michael Spuler nun auch als Trainer mit dem TV Endingen aufsteigen. Wagner/archiv

Nach dem Aufstieg als Spieler will Michael Spuler nun auch als Trainer mit dem TV Endingen aufsteigen. Wagner/archiv

Alexander Wagner

Eine neue Halle, ein ambitioniertes Team, der Spitzenplatz in der Nationalliga B: Bis vergangenen Freitag schwebte der TV Endingen auf Wolke sieben. Dann folgte die 31:33-Auswärtsniederlage gegen die Espoirs Schaffhausen.

«Eine Niederlage, die uns in dieser Phase der Saison nicht passieren darf», sagt Endingens Captain Christian Riechsteiner. Sein Team liegt nun einen Punkt hinter dem Kantonsrivalen HSC Suhr Aarau, den man in der letzten Runde am 30. April in der GoEasy-Halle empfangen wird.

Bereits vor zwei Jahren lieferten sich die beiden Aargauer Teams im Ligaendspurt ein Herzschlagfinale. Unvergessen die Szene, als Endingens damaliger Coach Zoltan Cordas im Spiel gegen den RTV an der Seitenlinie zusammenbrach. Damals wie auch 2015 verpassten die Surbtaler den direkten Aufstieg nur um Haaresbreite. Droht nun 2016 dasselbe Schicksal?

Es gibt viele Menschen, die den TV Endingen gut kennen, die ein halbes Leben oder mehr im Umfeld des Dorfvereins verbracht haben. Es gibt aber nur wenige, die den Verein so gut kennen wie der aktuelle Trainer Michael Spuler.

Vor 20 Jahren war er einer der Spieler, die den erstmaligen Aufstieg in die Nationalliga A bewerkstelligt haben. Es folgten sieben Saisons in der höchsten Spielklasse, in denen das «Klübli» aus der Provinz im Konzert der Grossen mitmischte.

«Heute», sagt Spuler, «sind wir an einem Punkt angelangt, der mich stark an jene Zeit vor 20 Jahren erinnert.» Damals sei über mehrere Jahre eine Mannschaft herangereift. Und dann, einem Urknall gleich, hat alles zusammengepasst, kam der Aufstieg in die Nationalliga A. Was Spuler vor zwei Jahrzehnten fühlte, das spürt er irgendwie auch heute wieder. Spuler ist überzeugt: «Zwischen der damaligen und der heutigen Equipe gibt es viele Parallelen.»

1996 war Christian Riechsteiner gerade mal sechs Jahre alt. Genau in jener Zeit hat der heutige Captain mit dem Handballspielen begonnen. Seine Erinnerungen sind nur noch vage, ein Vergleich der beiden Mannschaften fällt ihm schwer. Was Riechsteiner aber bestätigt: «In Endingen ist wieder eine Einheit herangewachsen. Die meisten Spieler sind seit fünf oder mehr Jahren im Team, haben schon zu Juniorenzeiten zusammen gespielt.»

Mit der Niederlage letzte Woche erlitt die Endinger Gefühlswelt allerdings einen Dämpfer. Noch bleiben fünf Runden für eine Korrektur. Ein Punkt beträgt der Rückstand auf den Platz, der den direkten Aufstieg bedeutet. Andernfalls wartet wie in den letzten Jahren die Barrage gegen den Vorletzten der Nationalliga A.

Showdown gegen Suhr Aarau

Blickt man auf das Restprogramm der beiden Aufstiegskandidaten, scheint die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es am letzten Spieltag zum brisanten Showdown zwischen Endingen und Suhr Aarau kommt. Bis dahin treffen die Kantonsrivalen ausschliesslich auf Gegner ausserhalb der Top 5 (siehe Box). Auf Endingen wartet zunächst im Heim-Derby die sechstplatzierte HSG Siggenthal/Vom Stein Baden.

Trainer Spuler warnt: «Wir dürfen uns jetzt nicht zu sehr auf den letzten Spieltag fokussieren. Bis es soweit ist, gilt es, noch vier Partien zu bestreiten, in denen wir 1000 Fehler begehen können.» Und Christian Riechsteiner, der seinen Vertrag vorzeitig um zwei Jahre verlängert hat, sagt: «Nach der Niederlage gegen die Espoirs Schaffhausen dürfen wir uns keine Ausrutscher mehr erlauben.»

Mit dem Bezug der neuen GoEasy-Halle wäre Endingen bereit, in der höchsten Liga wieder ein Handball-Kapitel zu schreiben. «Die Zeit ist reif», findet Riechsteiner. Das Trainingsumfeld stimmt, der Auftritt an den Heimspielen ist professionell, den Sponsoren und Partnern bieten sich moderne Werbemöglichkeiten. «Mit der neuen Infrastruktur wurde eine gute Grundlage geschaffen», sagt Michael Spuler. Zwar liege das Geld nicht auf der Strasse, «aber der TV Endingen liegt sicher nicht am Ende der Nahrungskette».

Für den Trainer ist klar: «Wir wollen aufsteigen, wir wollen uns mit den besten Teams des Landes messen. Wir werden hart an uns arbeiten und alles geben, damit uns das gelingt.» So wie vor 20 Jahren, als der Klub aus der Provinz plötzlich im Konzert der Grossen mitmischte.

Endingens und Suhr Aaraus Restprogramm

Endingen:
Siggenthal/Vom Stein (Heimspiel/6.)
Altdorf (Auswärtsspiel/8.)
Yellow/Pfadi (h/11.)
STV Baden (a/9.)
HSC Suhr Aarau (h/1.)


HSC Suhr Aarau:
Altdorf (h/8.)
Yellow/Pfadi (a/11.)
STV Baden (h/9.)
Birsfelden (h/10.)
Endingen (a/2.)