Bad Zurzach
Alberto Perlini: Der singende Italiener mit der besten Salami

Monika Schärer hat sich mit der Filmkamera auf die Spuren ihres Grossvaters Alberto Perlini gemacht. Er war und ist ein fester Bestandteil in der Geschichte von Bad Zurzach. Perlini betrieb über 30 Jahre lang ein Comestibles-Geschäft.

Ursula Burgherr
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Eine alte Aufnahme aus dem Familienalbum: Alberto Perlini grüsst fröhlich in die Kamera. ZVG

Eine alte Aufnahme aus dem Familienalbum: Alberto Perlini grüsst fröhlich in die Kamera. ZVG

Er war und ist ein fester Bestandteil in der Geschichte von Bad Zurzach: Über 30 Jahre lang betrieb Alberto Perlini ein Comestibles-Geschäft im Messehaus zur Rose an der Schwertgasse. Fernsehmoderatorin Monika Schärer ist die Enkelin des quirligen Italieners, dem ein exzellenter Geschäftssinn und ein grosses Herz nachgesagt wird.

Mit der Kamera verfolgte sie für das Projekt «Fleckenschreiber» die Spuren ihres 1997 verstorbenen Grossvaters. Und macht ihn mit sehr persönlichen Aussagen von Freunden und Bekannten sowie alten Fotos und Filmaufnahmen wieder lebendig. Passend dazu hat sie den Titel des 22-minütigen Films gewählt: «Mio Nonno è vivo».

Keine Tür blieb verschlossen

Zwei Tage quartierte sich Monika Schärer im Geschichtenhaus Hirschli von Steven Schneider und Sybil Schreiber ein, um – wie alle «Fleckenschreiber» – eine Geschichte aus ihrer individuellen Sichtweise über Bad Zurzach zu hinterlassen.

«Manchmal braucht es den Blick von aussen, um zu erkennen, welche Besonderheiten ein Ort wie dieser bietet», meinte Schreiber vor der Welturaufführung von «Mio Nonno è vivo».

Monika Schärer wuchs in Endingen auf, lebt aber seit langem in Zürich und hat mittlerweile nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch als Produzentin/Regisseurin (Topicfilm) einen Namen.

Dass ihr Opa vis-à-vis dem Hirschli sein italienisches Delikatess-Geschäft führte, machte sie neugierig, mehr über dessen Vergangenheit zu erfahren. So zog sie los, klingelte spontan bei Leuten, die ihn gekannt hatten, und liess sie erzählen. Was erstaunt: keine Tür blieb ihr verschlossen.

Die Bad Zurzacher sind offen und berichten gerne, wenn es um einen das Gemeindeleben prägenden Charakter wie Alberto Perlini geht.

Der «kleine Italiener», wie Schärer den Ahnen liebevoll nennt, hatte eine feine Nase für Qualität: in seinem Laden gab es stets den frischesten Salat und die beste Salami.

Wie er mit beeindruckender Tenorstimme «Gilberte de Courgenay» sang, im «Samschtig-Jass» wortreich seine Gemeinde vertrat, oder ob er der neu entdeckten Thermalquelle vor Freude nackt ins Nass sprang und Tränen zeigte, wenn er traurig war – davon zeugen Anekdoten, Bilder und Filmeinspielungen.

Notierte Perlini-Witze

Hansruedi Leutwyler von der gleichnamigen Bäckerei-Konditorei-Confiserie kramt sogar ein kleines Heftchen hervor, in dem er Witze, die Perlini stets gerne erzählte, notiert hatte.

«Da war ich total überrascht und berührt», erzählt Monika Schärer. Weil ihr für das Finish noch die nötigen Batzen fehlten, stellte sie die erste Version auf «wemakeit.ch», einer Finanzierungsplattform für kulturelle und kreative Projekte.

«Das Echo war enorm», freut sie sich. Die Idee, das Andenken an Familienangehörige nicht in Fotoalben oder irgendwelchen Archiven verstauben zu lassen, sondern in einem fundiert recherchierten und berührendem Porträt zum Leben zu erwecken, stiess auf Gegenliebe.

«Was bleibt von uns, wenn wir einmal nicht mehr sind?», ist für die Fernsehfrau eine Grundsatzfrage. Mit dem Film «Mio Nonno è vivo» eröffnet sie auch Urenkeln, die Alberto Perlini nicht persönlich kannten, den Zugang zu einem liebenswerten Menschen, dessen Existenz sonst in Vergessenheit geraten wäre.

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