Rümikon/Schneisingen
Acht Kilometer trennen zwei Sozialhilfe-Welten

Die Sozialhilfequote ist in Rümikon neunmal höher als in Schneisingen.

Andreas Fretz
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Rümikon hat die zweithöchste Sozialhilfe-Quote im Kanton.

Rümikon hat die zweithöchste Sozialhilfe-Quote im Kanton.

Michael Hunziker

Laut Routenplaner liegen Rümikon und Schneisingen acht Autokilometer auseinander. Doch beim Blick auf die Sozialhilfe-Statistik trennen die beiden Zurzibieter Gemeinden Welten. Der Kanton hat diese Woche die Zahlen veröffentlicht. Rümikon hat eine Sozialhilfequote von 5,54. Auf 100 Einwohner fallen demnach 5,54 Sozialhilfebezüger. Konkret sind es in Rümikon 15 Personen, verteilt auf 7 Dossiers. Damit hat die Gemeinde die zweithöchste Sozialhilfequote im Kanton Aargau. Nur in Aarburg (5,9) ist der Wert höher.

Am besseren Ende der Skala liegt Schneisingen. 8 Personen verteilen sich auf 6 Dossiers. Die Sozialhilfequote in der 1300-Einwohner-Gemeinde liegt somit bei 0,61. Mit diesem tiefen Wert schafft es Schneisingen in die Top 10
aller Aargauer Gemeinden. Am wenigsten Sozialhilfebezüger pro 100 Einwohner hat Bergdietikon (0,4).

«Auf den ersten Blick mag unsere hohe Quote erstaunen», sagt Rümikons Gemeindeammann Urs Habegger, «aber auf den zweiten Blick lässt sich der Wert relativieren.» In der kleinen Gemeinde mit knapp 300 Einwohnern falle jeder einzelne Sozialhilfeempfänger stark ins Gewicht. Entsprechend belasten jeder einzelne Fall, aber auch das Budget der Gemeinde, denn die Zahl der Steuerpflichtigen ist ebenfalls gering. Für das Budget 2016 rechnet Rümikon mit einem Aufwandüberschuss von 191 000 Franken. Das Minus ist auf die Kürzung des Finanzausgleichs, aber auch auf die Soziallasten und Bildungskosten zurückzuführen.

«Die Situation mit den verhältnismässig vielen Sozialhilfeempfängern ist in Rümikon nicht ganz neu», sagt Habegger. Es seien auch Kinder und Jugendliche darunter, die entsprechend lange in der Statistik geführt werden. Als Gemeinderat könne man nur schwer auf die Sozialhilfequote Einfluss nehmen. Oft spielen die Mietpreise der Wohnungen eine zentrale Rolle.

Rümikon ist wie neun weitere Zurzibieter Gemeinden den «Sozialen Diensten Bad Zurzach» angeschlossen. «Wir haben die Kompetenz abgegeben, in Bad Zurzach kümmern sich ausgebildete Leute unter professionellen Bedingungen um unsere Fälle», sagt Habegger. Der Gemeindeammann ist überzeugt, dass in den sozialen Diensten gute Arbeit geleistet wird, fügt aber an: «Wir beobachten die Zahl unserer Sozialhilfeempfänger. Wenn sich die Zahl ins Negative verändert, müssen wir schauen, wie wir die Zusammenarbeit mit Bad Zurzach verbessern können.»