Full-Reuenthal
Abtretender Ammann zu Fusions-Idee: «Irgendwo müssen wir uns anhängen»

Ammann Urs Kaufmann geht nach nur einer Amtszeit, ein Nachfolger fehlt bisher. Er ist überzeugt: In Zukunft wird die Gemeinde die Herausforderungen nicht alleine bewältigen können. Leibstadt wäre eine Fusions-Option.

Nadja Rohner
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Urs Kaufmann war vier Jahre lang Gemeindeammann in Full-Reuenthal.ZA/Archiv

Urs Kaufmann war vier Jahre lang Gemeindeammann in Full-Reuenthal.ZA/Archiv

Urs Kaufmann, Sie sind nach eineinhalb Jahren als Gemeinderat zum Ammann geworden. Nur eine Amtszeit später nehmen Sie den Hut. Weshalb nur so ein kurzes Gastspiel?

Urs Kaufmann: Ganz klar meiner Familie zuliebe. Beruflich bin ich sehr eingespannt, und mit meinem Ammann-Amt blieb mit in den letzten vier Jahren nicht mehr viel Zeit mit der Familie. Meine Kinder sind jetzt 9 und 10 Jahre alt. Würde ich jetzt noch eine Amtszeit anhängen, wären sie schon bald in der Lehre, wenn ich wieder mehr Zeit für sie hätte.

Full-Reuenthal hat einige Probleme, finanzieller und personeller Natur. Sie verlassen ein sinkendes Schiff.

Das kann man tatsächlich so sehen. Unabhängig davon, wer Ammann ist, befindet sich die Gemeinde auf einem schwierigen Kurs. Längerfristig wird sich Full-Reuenthal nicht alleine behaupten können, davon bin ich felsenfest überzeugt. Irgendwo müssen wir uns anhängen.

Sie sprechen eine mögliche Fusion mit Leibstadt an?

Dass es Leibstadt sein wird, ist nicht sicher, unsere Türen sind in alle Richtungen offen. Allerdings wurde schon vieles gemeinsam mit Leibstadt aufgegleist.

Was denn?

Da wäre die Zusammenlegung der Feuerwehren und besonders die neue gemeinsame Verwaltung, welche sich bestens etabliert hat. Diese war sicher ein Meilenstein in meiner Amtszeit. Die Stimmbürger haben ausserdem an der letzten Gmeind der Realisierung einer gemeinsamen ARA zugestimmt. Zudem steht bereits das nächste Projekt mit Leibstadt an: der Aufbau eines gemeinsamen Bauamtes. Persönlich bin ich sicher, dass wir mit der Gemeinde Leibstadt den richtigen Partner haben, mit oder ohne Fusion.

Apropos letzte Gmeind: Ihr Vater hält sich nicht mit Kritik am Gemeinderat zurück, hat sogar einen Rückweisungsantrag für den Turnhallen-Sanierungskredit mit grosser Mehrheit durchgebracht. Wie fühlt sich das an, wenn der eigene Vater Ihre Arbeit kritisiert?

Ich persönlich habe das immer gut trennen können. Mein Vater ist für mich ein Stimmberechtigter wie jeder andere auch. Ich weiss allerdings um die Aussenwirkung – ab und zu wurde ich darauf angesprochen, dass der eigene Vater gegen mich schiesse. Ich sah das aber nie als ein Schiessen. Er nimmt nur seine Rechte als Stimmbürger wahr.

Offiziell fehlen Full-Reuenthal noch immer Ammann, Vizeammann und ein Gemeinderatsmitglied für die nächste Amtsperiode. Erst kürzlich konnte mit Marcel Werder ein Ammann-Kandidat für die Ergänzungswahlen gefunden werden. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Dass er in ruhigen Gewässern fahren kann. Wir konnten zwar für das neue Gremium schon viele Gemeinderatsgeschäfte aufgleisen, aber in der Verwaltung und in den Kommissionen gab es einige personelle Wechsel, es fehlt an Kontinuität.

Bei allen Problemen in Ihrer Gemeinde – hat Full-Reuenthal denn auch gute Seiten?

Ja, sicher. Wir haben sehr günstiges Bauland hier, praktisch keinen Durchgangsverkehr und dadurch eine hohe Wohnqualität. Gerade für Familien ist das ideal.

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