Klingnau
Abfallentsorgung: Warum Karton nicht gleich Karton ist

Ein Klingnauer Einwohner stört sich daran, dass er leere Waschmittel-Verpackungen als Sperrgut entsorgen muss.

Nadja Rohner
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Die Entsorgungsfirma Häfeli-Brügger AG muss Waschmittelverpackungen speziell entsorgen, weil sie Rückstände von Waschpulver enthalten könnten.

Die Entsorgungsfirma Häfeli-Brügger AG muss Waschmittelverpackungen speziell entsorgen, weil sie Rückstände von Waschpulver enthalten könnten.

Angelo Zambelli

Helmut Fischer aus Klingnau kauft sein Waschpulver in der grossen 5-Kilogramm-Packung aus Karton. Wenn sie leer ist, will er sie – wie die anderen Klingnauer auch – bei der Firma Häfeli-Brügger AG entsorgen. Aber: «Der Karton darf wegen der Rückstände des Waschmittels nicht als Karton entsorgt werden», berichtet Fischer in einem Leserbrief an die az.

«Die Entsorgung dieses Kartons als Sperrgut kostet 5 Franken, das ist der Mindestpreis. Die volle Waschmittelpackung hatte aber Fr. 13.50 gekostet», ärgert er sich. «Wen wundert es, wenn wir diese Dinge wieder im Wald oder sonstwo, wo sie sicher nicht hingehören, antreffen. Ich vermisse den gesunden Menschenverstand.»

Weiter heisst es im Leserbrief: «Wir alle haben das Bedürfnis, einen Beitrag zu einer gesunden Umwelt beizutragen. Die Gemeinde und auch die Firma Häfeli-Brügger leisten mit der Abfallentsorgung einen positiven Beitrag.»

Doch könne man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es inzwischen zu einer Eigendynamik gekommen sei, schreibt Helmut Fischer. «Vielleicht müssen wir künftig unsere Abfälle selbst zur Verbrennungsanlage in Turgi bringen. Uns Klingnauern bleibt wenigsten der Trost, bei günstiger Wetterlage vom Gestank zu profitieren.»

Spezialentsorgung wegen Schaum

Guido Vogel, Leiter Marketing und Verkauf der Häfeli-Brügger AG, bestätigt: «Kartons mit Rückständen wie Waschmittel müssen im Sperrgut entsorgt werden.» Wenn Waschmittelverpackungen in feuchten Waschräumen oder auf feuchtem Boden stehen, kleben Rückstände am Karton.

«In der Wiederverwertung von Karton in Wasserbädern würden Schaumberge entstehen – die Kartonfabriken nehmen dieses Material nicht an.» Es gebe auch immer wieder Leute, die halbleere Pizzakartons abgeben wollen – das geht ebenfalls nicht ohne Weiteres.

Der Fünfliber sei der Minimalpreis bei «gebührenpflichtigen Abfällen», die von der Häfeli-Brügger AG gewogen werden – zum Vergleich: Eine andere Entsorgungsfirma in der Region verlangt bei Mengen unter 25 Kilogramm eine Grundpauschale von 10 Franken.

«Ich glaube aber nicht, dass ein Kunde mit einer einzigen Packung auf die Sammelstelle kommt», sagt Guido Vogel. «Leider ist der gesunde Menschenverstand in der Abfallentsorgung ein ziemlich schwieriges Thema.»

Beim Recycling und der Entsorgung gebe es zunehmend strengere Vorschriften und Gesetze, an die sich die Häfeli-Brügger AG halten müsse. «Gerne würde ich vorschlagen, dass der Kunde sich mit mir in Verbindung setzt. Ich nehme mir gerne die Zeit, um die Systematik vor Ort auf der Sammelstelle nochmals zu erklären.»

Als Alternative zur Kartonverpackung bietet sich Waschmittel in Kunststoffverpackungen an. Diese können dann im Kunststoffsammelsack der Häfeli-Brügger AG entsorgt werden. 35 Franken kostet eine Rolle mit 10 Säcken. Zum Preis eines 110-Liter-Kunststoffsacks können bis zu zwei ordentliche Kehrichtsäcke à 35 Liter eingespart werden.

In den Sack dürfen zum Beispiel Plastik-Gartenmöbel, leere Shampooflaschen, Tetra-Verpackungen, Food-Verpackungen oder Milchflaschen. Die Häfeli-Brügger AG gibt die vollen Säcke an ein spezialisiertes Unternehmen weiter, welches das Material sortiert.

Aus dem recycelbaren Kunststoff entstehen neue Produkte; nicht wiederverwertbarer Kunststoff wird im Zementwerk als Ersatzbrennstoff eingesetzt.