Lengnau
«Aberglaube»: Im Dorfmuseum kann man bald schaurig Schönes erleben

Die Museumskommission arbeitet mit Hochdruck an einer Ausstellung zum Thema «Aberglauben». Früher hätten die Menschen noch ihre Aberglauben gebraucht, um Alltägliches zu erklären.

Nadja Rohner
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Diana Manieri (links) und Rita Assmann haben unzählige Arbeitsstunden in die Ausstellung investiert. NRO

Diana Manieri (links) und Rita Assmann haben unzählige Arbeitsstunden in die Ausstellung investiert. NRO

«Eigentlich darf man ausschliesslich mit dem rechten Fuss aufstehen», sagt Diana Manieri zu ihrer Kollegin Rita Assmann. «Mit beiden oder nur mit dem Linken, das bringt Unglück.» Die Frauen sitzen im Dachstock des Lengnauer Dorfmuseums an einem alten, gedeckten Holztisch und beugen sich über eine Liste mit Volksweisheiten (siehe Box).

Aberglaube: «Ein apfel gegen unkeusche anfechtungen»

Rita Assmann und Diana Manieri haben für die az einige der ausgefallensten Aberglauben herausgesucht: «Strümpfe, die gekreuzt auf den Boden gelegt werden, verhindern den nächtlichen Wadenkrampf.» - «Das Essen eines Apfels vor dem Schlafengehen macht gegen unkeusche Anfechtungen gefeit.» - «Liebende sollten ihre Hände nicht mit demselben Handtuch abtrocknen, sie riskieren sonst Streit.» - «Wenn sich ein Mann gegen seine Frau nicht gut benimmt, muss sie ihm heimlich Regenwasser in die Suppe geben.» - «Geht ein Mädchen zum Tanz, wirft ihr die Mutter einen Lappen nach, damit sie viel Spass hat.» - «Wenn eine unverheiratete Frau den Käse aufschneidet, muss sie noch sieben Jahre auf einen Mann warten.» - «Beim Anschneiden des Brotes macht man ein Kreuz darüber, um es vor Zauberei zu schützen.» - «Wer die Beine beim Essen kreuzt, bekommt Bauchweh.» - «Wird der erste Brei eines Kindes unter Singen gekocht und gefüttert, wird das Kind musikalisch; wird eine Seite aus der Bibel hineingekocht, so macht dies das Kind fromm.» (AZ)

«Aberglaube und Spuk» heisst die Ausstellung, welche Assmann, Manieri und ihre Helfer im Namen der Museumskommission auf die Beine stellen. «Entstanden ist die Idee letztes Jahr an der Kulturnacht», erzählt Assmann. «Wir haben das Thema damals schon gestreift und damit beim Publikum einen Nerv getroffen.»

Es gebe mehr als genug spannende Ausstellungsmaterialien dazu, sagt Manieri. «Wir sind auf über 5000 verschiedene Aberglauben gestossen.» Aussortiert haben die Frauen alles, was nicht aus unserem Kulturkreis stammt – und alles, was Gefühle verletzen könnte.

«Das Thema ist heikel», sagt Assmann, die an glückbringende vierblättrige Kleeblätter glaubt und keine Spiegel zerbrechen will. «Wir verzichten bewusst darauf, Gebiete wie Astrologie oder Religion anzusprechen. Es soll sich niemand in seinem Glauben gekränkt fühlen.»

Baby tot: Es war die Krähe

Früher hätten die Menschen keinen Schritt machen können, ohne einer Volksweisheit zu begegnen, sagt Manieri. «In wirklich jeder Lebenslage gab es etwas zu bedenken, ein Ritual auszuführen. Das muss ganz schön anstrengend gewesen sein.»

Die Leute hätten ihre Aberglauben als Erklärung für Alltägliches gebraucht: «Wenn ein Baby gestorben ist, hat man das hingenommen, weil man doch am Vortag eine Krähe beim Haus gesehen hat», erzählt Manieri, die sich vor dem Ausblasen von Geburtstagskerzen jeweils etwas wünscht.

Dargestellt wird Aberglaube im Dorfmuseum auf vielfältige Art: Im Dachstock ist eine Modellwohnung eingerichtet, kleine Zettel bezeichnen jeden Gegenstand mit der dazugehörigen Volksweisheit. Eine Videoinstallation, produziert von einer Sekundarklasse aus Niederweningen, geht dem Thema «Spuk» nach.

Im ersten Stock warten Heilsteine, Bauernregeln und ein kleines Museumscafé. Was genau dort serviert wird, wollen die beiden Frauen nicht verraten. Nur so viel: «Es ist genau das, was die Besucher nach der einen oder anderen Spukgeschichte brauchen», sagt Assmann lachend.

Ausstellung Aberglaube und Spuk im Dorfmuseum Lengnau, 22.2. bis 16.3.; Sa. 14–17 Uhr, So. 11–17 Uhr, Hufeisenschmieden für Kinder am 23.2. und 16.3.