Zurzacherin des Jahres
Ab sofort schwingt im Flecken eine Frau das Szepter

Wahl des Zurzachers des Jahres an der Fasnacht: Das Stimmvolk hat unter fünf Nominierten mit einem Glanzresultat Daniela Graf gewählt.

Rosmarie Mehlin
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Daniela Graf mit Szepter und ihrem Lebenspartner Josef Haus. Fasnacht, Zurzacher des Jahres
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Mami hat die Ohren von Linus gegen die wuchtige Sänklochfäger-Phonstärke geschützt. Fasnacht, Zurzacher des Jahres
Schwester Krimhild überreicht Goldschmied Albert Wegmüller den Goldenen Föhn für seine Treue zu Bad Zurzach. Fasnacht, Zurzacher des Jahres
Die "Schwöschtere" sind seit Jahren eine Schnitzelbankgruppe in Bad Zurzach. Fasnacht, Zurzacher des Jahres
Die Rekinger Gemeinderätin Monika Dietsche im Gespräch mit den "Schwestern" Krimhilde (links) und Pèche. Fasnacht, Zurzacher des Jahres
Zurzacher des Jahres
"I muess es Schnäpsli ha" singen aus voller Kehle die Frischgewählte, ihr Partner Josef Haus (Mitte) sowie dessen Söhnen Stefan und Marcel. Fasnacht, Zurzacher des Jahres
Papa Moll nach einer Weight-Watcher-Kur respektive Bernhard und Esther Scheuber. Fasnacht, Zurzacher des Jahres

Daniela Graf mit Szepter und ihrem Lebenspartner Josef Haus. Fasnacht, Zurzacher des Jahres

In Sachen Versicherung kennt sie sich bestens aus und in Bad Zurzach ist sie bekannt wie ein bunter Hund. Sollte es im Flecken dennoch jemanden geben, dem Daniela Graf kein Begriff war, so hat sich dies jetzt schlagartig geändert. Nur rund zwei Tage, bevor in Los Angeles die Oscars verliehen wurden, schallte der legendäre Ruf «and the winner is...» durch die Mehrzweckhalle Langwies: Mit knapp 44 Prozent aller gültigen Stimmen wurde Daniela Graf zur «Zurzacherin des Jahres» erkoren.

Klimpernde Wimpern

Es war, wie sich dies gebührt, eine durch und durch demokratische Wahl: 1070 Wählerinnen und Wähler hatten in diversen Lokalitäten ihre Stimmen abgegeben. Vier Mannen und eine Frau waren schlussendlich nominiert: NAB-Zweigstellenleiter Roy Weber, Adeco-Verkaufsleiter Matthias Scheuber, Lokal-Historiker Fredi Hidber, Lehrer Daniel Berz sowie AXA-Winterthur-Innendienstmitarbeiterin Daniela Graf.

Als ihr Sieg feststand, klimperte sie aufgeregt mit ihren falschen Wimpern, schüttelte begeistert ihre kohlrabenschwarze Lockenpracht und schritt in schwarz-weiss gestreifter Hose, Frack-Jacke, weisser Rüschenbluse und üppiger Perlenkette unter tosendem Applaus auf die Bühne.

Geradezu würdevoll nahm sie das Szepter in Empfang, bedankte sich mit ihrem Outfit angepassten Grandezza und liess eine kleine Runde Schnaps auffahren. Die Gläschen in Händen liessen die frischgebackene «Miss Zurzi» gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Josef Haus sowie dessen Söhnen Marcel und Stefan das Feuerwasser mit dem mehrstrophigen Lied «Ich muess es Schnäpsli ha» hochleben.

Ein Föhn für den Goldschmied

Narren und Zivilisten, der abgespeckte Papa Moll, Kurärzte, Politiker und Apolitische – kurzum die «Low-Society», wie Schwester Principessa sie nannte – waren voll in ihrem Element. Bier floss in Strömen, es gab Würste vom Grill für die Cervelat-Prominenz und den «Goldenen Föhn» für Albert Wegmüller, obwohl der nicht Coiffeur, sondern Goldschmied ist.
Was genau es mit der künstlerisch gewöhnungsbedürftigen Trophäe auf sich hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Klar ist, dass Wegmann, der sein Geschäft im Flecken nach fast 40 Jahren Ende Jahr aufgegeben hatte, damit für seinen langjährigen Einsatz rund um das Wohl und Gedeihen der Zurzi-Fasnacht geehrt wurde, und dass er sich darüber enorm freute.
Gewaltige Freude herrschte auch über die kakophonischen Einlagen der Sänklochfäger, welche die Wände zum Zittern, den Boden zum Beben und die Ohren gewaltig in Wallung brachten. Ausser man trug einen Gehörschutz, wie vernünftigerweise die ganz kleinen Fasnächtler, so wie der gut einjährige Linus auf Mamis Arm. «Hatschi» tönte es in einer Guggen-Pause von Mini-Glückskäfer Seline, als er von Prinzessin Melitta mit einer Faust voll Konfetti beehrt wurde.

Hopp Rutschbahn

Zum Schluss wurden, wie es die Tradition will, die Bilder von Claude Ardin für einen guten Zweck versteigert. Einmal mehr hatte Ardin die fünf Nominierten und ihre Leidenschaften grossformatig und in Farbe karikiert. Der Rekord verdächtige Erlös von 1670 Franken liess die Gemeinderätin Monika Dietsche aus Rekingen bis über beide Ohren strahlen. Das Geld nämlich kommt der neuen Rutschbahn im Regibad – dessen Betriebsleitern Dietsche ist – zugute.