Zurzibiet
Ab sofort drohen Bussen, wenn die Rossbollen liegen bleiben

Reiter müssen Pferdeäpfel in Wohngebieten zwingend beseitigen: Im neuen Reglement der Repol gibt es eine Pferdemist-Passage: Neu kann zur Kasse gebeten werden, wer die Hinterlassenschaften seines Gauls in Wohngebieten nicht wegräumt.

Nadja Rohner
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«Rossbollen», «Pferdeäpfel», oder ganz profan «Mist» – was Pferde auf Strassen und Wegen hinterlassen, führt immer wieder zu Missstimmung zwischen Reitervolk und Anwohnern. Pferdehalter im Zurzibiet müssen wissen: Seit Anfang 2014 können sie gebüsst werden, wenn sie den Kot ihrer Tiere nicht von den Strassen räumen.

Werner Bertschi: «Die Polizei hat noch anderes zu tun»

Nicht nur das Repol-Reglement im Zurzibiet beinhaltet einen «Rossbollen-Paragrafen»: In Bremgarten kennt man ihn seit Jahren. Dort muss Mist umgehend weggeräumt werden - wie beim Littering spricht die Repol sonst an Ort und Stelle eine Busse von 50 Franken aus. «Vorausgesetzt natürlich, wir sehen, wessen Pferd es war», sagt Repol-Chef Manfred Tschannen. Häufig sei das Problem bei ihnen allerdings nicht: «Gravierend wird es nur während der Hochzeitssaison, wenn die Kutschen durch die Stadt fahren.» Auch im oberen Fricktal geht man die Sache pragmatisch an: «Es kommt sehr selten vor, dass wir eine Meldung wegen Pferdemist erhalten», sagt Polizeichef Werner Bertschi. Sollte aber jemand aus der Bevölkerung eine Anzeige machen, sei dies ein Offizialdelikt und führe zu einer Verzeigung an den zuständigen Gemeinderat. Ertappe die Repol hingegen selber einen fehlbaren Reiter, bleibe es meist bei einer Verwarnung. Bertschi: «Zu einer Hetzjagd wird es auch im Zurzibiet nicht kommen - die Polizei hat noch anderes zu tun.» (NRO)

Grundlage dafür bietet das revidierte Reglement der Regionalpolizei Zurzibiet, das für alle Gemeinden gilt. Dort heisst es: «Es ist verboten, Pferdemist auf öffentlichen Strassen und Plätzen im Wohngebiet liegen zu lassen.»

Reiter und Halter von Pferden seien verpflichtet, den Pferdemist einzusammeln und vorschriftsgemäss zu entsorgen. «Im Unterlassungsfall haben Fehlbare für die Kosten der Ersatzvornahme durch die Gemeinde oder durch beauftragte Dritte vollständig aufzukommen.» Konkret: Putzt der Reiter nicht selber, übernimmt das die Gemeinde und stellt dem Pferdehalter eine Rechnung aus.

Der Gemeinderat hat sogar die Möglichkeit, mittels Strafbefehl eine Busse auszusprechen. Das Reglement besagt allerdings nicht, innert welcher Frist der Kot beseitigt werden muss.

Auf Fisibacher Mist gewachsen

Kann man jetzt einen Reiter anzeigen, wenn sein Pferd mitten im Dorf äpfelt und er den Haufen nicht wegräumt? Ja, sagt René Lippuner, Kommandant der Regionalpolizei Zurzibiet: «Dann würden wir in einem ordentlichen Verfahren die Zeugenaussage aufnehmen und den Beschuldigten zur Einvernehmung auf den Posten bestellen.»

Die az weiss: Der neue «Rossbollen»-Paragraf im Polizeireglement ist auf dem Mist der Fisibacher gewachsen. Im Zuge der Reglements-Revision lud der Führungsausschuss Repol Zurzibiet die Vertragsgemeinden – Bezirk Zurzach plus Mandach – ein, Änderungswünsche einzureichen. «Der Gemeinderat Fisibach hat angemeldet, dass die Gemeinde Probleme mit Pferdeäpfeln auf der Strasse habe», sagt Peter Bühlmann, Klingnauer Ammann und Präsident des Führungsausschusses.

«Man hat sich eine rechtliche Handhabe gewünscht, um Reiter zu verpflichten, den Kot wegzuräumen.» Der Ausschuss nehme auch die Anliegen der kleinen Gemeinden ernst und habe deshalb über das Mist-Problem gesprochen. Bühlmann: «Es hat sich gezeigt, dass die meisten anderen Gemeinden keine gravierenden Probleme mit Pferdemist auf den Strassen haben. Sie hatten aber auch nichts gegen den neuen Paragrafen einzuwenden.»

Auf Anfrage der az sagt Marcel Baldinger, Ammann von Fisibach: «Das Thema Pferdemist kommt bei uns immer wieder auf, zum Beispiel an den Gemeindeversammlungen. Wir haben die Reklamationen aufgenommen und das Anliegen an den Führungsausschuss weitergeleitet.»

Allerdings sei das Problem seiner Ansicht nach nicht gravierend. «Es ist dennoch sinnvoll, die Reiter in der Region zu sensibilisieren – Hündeler und Bauern müssen ja auch dafür besorgt sein, dass sie die Strassen nicht verschmutzen.» Baldinger: «Es gibt Reiter, bei denen klappt das tipptopp: Sie gehen am Abend nach dem Ausritt noch einmal ins Dorf und räumen die Bollen weg. Leider gilt das nicht für alle.»

Gutes Verhältnis zur Gemeinde

Die Rösseler im Bezirk wissen indes noch nichts von ihrem Glück. «Das höre ich zum ersten Mal», sagt Barbara Lüscher, Präsidentin des Kavallerievereins Zurzach. Sie habe einen grossen Stall in Schneisingen und verstehe sich gut mit der dortigen Bevölkerung und dem Gemeinderat.

«Dafür tun wir aber auch etwas: Jeden Abend laufen wir mit der Schubkarre unsere Reitwege im Dorf ab und räumen die Bollen weg.» In Schneisingen hat sich ausserdem eine Pferdesteuer eingebürgert: Jeder Halter zahlt der Gemeinde jährlich 20 Franken pro Tier – freiwillig.

Müssen die Reiter im Zurzibiet nun eine Hetzjagd befürchten? Repo-Kommandant Lippuner winkt ab: «Wir werden mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorgehen.» Und auch Ammann Peter Bühlmann betont: «Wenn die Repol feststellt, dass übertrieben oft Anzeigen wegen Pferdeäpfeln gemacht werden, kann man das Reglement wieder korrigieren.» Es gehe lediglich darum, eine Handhabe gegen besonders unbelehrbare Pferdehalter zu haben.