Bad Zurzach
Aargauer Slam-Poet: «Ich will in meinem Leben etwas bewirken»

Neue CD, neues Bühnenprogramm – es läuft viel bei Slam-Poet Manuel Diener. Und er hat auch sonst vieles vor in seinem Leben.

Ursula Burgherr
Merken
Drucken
Teilen
Der 25-jährige Manuel Diener aus Bad Zurzach ist Slam-Poet. Zusammen mit seinem Bühnenpartner wurde er als InterroBang mehrfacher Schweizer Meister. ZVG

Der 25-jährige Manuel Diener aus Bad Zurzach ist Slam-Poet. Zusammen mit seinem Bühnenpartner wurde er als InterroBang mehrfacher Schweizer Meister. ZVG

Seit vier Jahren feiern Manuel Diener aus Bad Zurzach und der Langenthaler Valerio Moser als Duo InterroBang Erfolge und gingen 2013 und 2014 als Sieger aus den Poetry Slam Schweizer Meisterschaften hervor. «Wir sind total unterschiedlich, deshalb ergänzen wir uns so gut», sagt der 25-jährige Diener und lacht. «Valerio ist die Rampensau und kann hervorragend improvisieren, ich bin eher kopflastig und perfektionistisch.»

Demnächst bringen die zwei Wortakrobaten ihr erstes abendfüllendes Kabarettprogramm «Schweiz ist geil» auf die Bühne. Es ist eine fiktive Integrationsveranstaltung, in der Schweizer Klischees zelebriert und gleichzeitig kritisch hinterfragt werden. Ihr Text «Fondue» – mittlerweile ein Publikumsrenner – kreierten sie an einem heissen Sommertag beim Schwimmen in der Aare. Heute erscheint die CD «Flipper Flipperchaschte», auf der sich namhafte Spoken-Word-Autorinnen und -Autoren von bekannten Märchen und Kinderserien zu neuen Geschichten inspirieren liessen. Nebst Matto Kämpf, Hazel Brugger und Simon Libsig sind auch InterroBang dabei mit ihrer Story von der kleinen Elli, die à la Alice im Wunderland in der Traumwelt Quapalonien landet und dort einen Drachen von einem gestressten Roboter befreit, den er verschluckt hat. Das Album wird am 23. August im Beisein der Künstler in den Kornhausbibliotheken Bern getauft.

Kurz nach seiner Geburt zogen Dieners Eltern von Zürich nach Bad Zurzach in das alte Messehaus Zur Blume im Oberflecken, wo schon seine Grossmutter aufgewachsen war. «Ich rannte nackt im Innenhof herum und spielte im Garten», erinnert sich Diener an seine glückliche Kindheit und fügt hinzu: «Um unser Haus ranken sich viele Geschichten. Unter anderem soll dort der Blueme-Beck gespukt haben.» Der Slam-Poet hat prominente Vorfahren. Sein Urgrossvater war der Arzt Martin Erb, der sich für die Erbohrung der Thermalquelle starkgemacht hatte und damit einen wichtigen Grundstein für das heutige Thermalbad in Bad Zurzach legte.

Schon als Primarschüler nervte Klein-Manuel die Lehrerin, weil er alles hinterfragte und unermüdlich argumentierte. «Das ist noch heute so», gesteht er schmunzelnd. Mit 15 begann er, Kurzgeschichten zu schreiben. «Das meiste landete in der Schublade», erzählt Diener, der gerade den Bachelor in Germanistik und Philosophie abgeschlossen hat.

Ein Kollege überredete ihn 2010, am Zurzi-Slam mitzumachen. Sein Debüt war ein Flop und er schied bereits in der Vorrunde aus. Feuer für das Slammen fing Diener so richtig, als er für Amnesty International zwei Texte vortrug und damit das Publikum begeisterte. «Ich behandle gerne politische Themen und will mit meinen Auftritten die Leute inspirieren», erzählt Diener, obwohl er nicht daran glaubt, dass man mit Slam Poetry oder anderen Kunstformen die Welt verändern kann. Inzwischen wohnt er wieder in Zürich und erobert solo oder mit Partner Valerio Moser die Schweizer Bühnen.

Er stehe gern im Rampenlicht, sagt Diener, und doch hat er schon lange im Hinterkopf, mit einem eigenen Benefiz-Projekt etwas für die Allgemeinheit zu tun und die Welt so vielleicht doch ein bisschen zu verändern. «Ich will in meinem Leben etwas bewirken», bekundet er entschlossen.