Klingnau
Aargauer Regierung gibt grünes Licht für Kiesabbau – Spatenstich schon 2018 möglich

Der Aargauer Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat, dass dieser der nötigen Anpassung des Richtplans für den Kiesabbau in der Klingnauer Geländekammer Hard-Härdli zustimmt. Derweil kommt das Projekt schneller voran als ursprünglich erwartet.

Philipp Zimmermann
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In der Geländekammer Hard-Härdli will das Döttinger Bauunternehmen Birchmeier Bau AG Kies abbauen – heute wird hier Landwirtschaft betrieben. (Archiv)

In der Geländekammer Hard-Härdli will das Döttinger Bauunternehmen Birchmeier Bau AG Kies abbauen – heute wird hier Landwirtschaft betrieben. (Archiv)

Philipp Zimmermann

20 Millionen Franken in 40 Jahren soll das Kies-Geschäft den Klingnauer Ortsbürgern einbringen. Im September 2015 stimmten sie als Landeigentümer zu, dass das Döttinger Bauunternehmen Birchmeier in der Geländekammer Hard-Härdli auf einer Fläche von 19 Hektaren Kies abbauen darf.

Das geplante Kiesabbaugebiet in der Geländekammer im Klingnauer Hard und Härdli.

Das geplante Kiesabbaugebiet in der Geländekammer im Klingnauer Hard und Härdli.

ZVG/www.hard-klingnau.ch

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine Anpassung des kantonalen Richtplans. Diese muss das Aargauer Parlament absegnen. Nun hat der Regierungsrat in seiner Botschaft an das Parlament beantragt, der Richtplan-Änderung zuzustimmen. Das Projekt sei weitgehend abgestimmt und raumplanerisch zweckmässig. «Es bestehen keine räumlichen Konflikte, die dem Vorhaben im Grundsatz entgegenstehen», hält der Regierungsrat fest. Der Grosse Rat wird demnächst darüber befinden. Den Antrag hatte die Gemeinde Klingnau gestellt.

Der Abbau soll im nördlichen Teil der Geländekammer Hard-Härdli (Parzelle 173, siehe Bild) starten. Die Richtplan-Änderung sieht deshalb vor, diesen Bereich als Materialabbaugebiet von kantonaler Bedeutung festzusetzen. Der südliche Bereich soll als «Vororientierung» festgelegt werden.

Kritik von Links

Der Grosse Rat dürfte die Richtplan-Änderung absegnen. In der Vernehmlassung zeigten sich CVP, FDP, SVP sowie EDU einverstanden. SP und Grüne lehnten das Vorhaben dagegen ab. Die linken Parteien monierten die mässige Kiesqualität und dass das Landwirtschaftsland für die Zeit des Kiesabbaus nicht genutzt werden kann. Der etappenweise Abbau wird 5 bis 7 Hektaren in Beschlag nehmen. Die SP fordert zudem, das Abbaugebiet müsse nach archäologischen Bodenschätzen gesichtet und nach der Rekultivierung ökologisch nicht nur rekultiviert, sondern aufgewertet werden.

Die Gemeinde Koblenz und der Regionalplanungsverband Zurzibiet meldeten wenige Vorbehalte an. Solche sah zwar auch das Bundesamt für Raumentwicklung, es befürwortete aber auch das Projekt.

Wichtiges Projekt für Baufirma

Für das Bauunternehmen Birchmeier, das rund 350 Mitarbeitende beschäftigt, ist das Projekt von grosser Bedeutung. Das Unternehmen würde an Unabhängigkeit gewinnen. 70 Prozent vom Kies – 70'000 Kubikmeter jährlich – will es selbst nutzen. Für den Verkauf hat die Birchmeier Gruppe das Tochterunternehmen Kies + Beton AG Zurzibiet gegründet. Bereits im Oktober hat es in Döttingen ein mobiles Kies- und Betonwerk in Betrieb genommen. Es soll später ins Klingnauer Abbaugebiet gezügelt werden, das im Osten an der Grenze zu Koblenz liegt. Nach zirka fünf bis sieben Jahren soll hier ein grösseres Werk erstellt sein und in Betrieb gehen.

Das Projekt schreitet schnell voran. «Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Klingnau läuft sehr gut. Wir streben an, den Spatenstich im Herbst 2018 zu begehen», sagt Geschäftsführer Markus Birchmeier. Ursprünglich war dieser für 2020 geplant. Zudem ist er optimistisch, dass der Grosse Rat der Richtplanänderung zustimmen wird.

Gmeind muss BNO zustimmen

Der nächste wichtige Schritt ist die Zustimmung der Gemeindeversammlung zur nötigen Änderung der Bau- und Nutzungsordnung. Das Klingnauer Werk steht in Konkurrenz zu einem Projekt des Grosskonzerns Holcim Lafarge. Dieser besitzt ein Kies- und Betonwerk in Kleindöttingen, das Ende 2021 geschlossen und danach ins Gebiet Rodig im Ortsteil Böttstein umgesiedelt werden soll. Das beeinflusst die Kiesabbaupläne von Birchmeier allerdings nicht. «Das ist ein wirtschaftlicher Entscheid der Holcim, der uns nichts angeht», sagt er. «Wir haben unseren eigenen Absatzmarkt und ziehen unsere Strategie unabhängig davon durch.»

In diesen Etappen soll der Kies in der Geländekammer Hard-Härdli abgebaut werden

In diesen Etappen soll der Kies in der Geländekammer Hard-Härdli abgebaut werden

ZVG

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Webseite des Projekts.Lesen Sie zum Thema auch: Millionen-Deal: Ortsbürger stimmen Kiesabbau nach turbulentem Krimi zuMillionen-Poker um Kiesabbau: Holcim gegen regionale BaufirmaKampf um den Kies: Holcim hält an seiner Strategie fest – und reicht Baugesuch einMillionen-Deal Kiesabbau: «Wir setzen alles daran, dass die Stimmbürger Ja sagen»