Full-Reuenthal
Aargauer Lok glänzt in Hollywood-Film – neben Johnny Depp und Penélope Cruz

«Mord im Orient-Express» ist der aktuell bestbesuchte Film in der Deutschschweiz. Die schwergewichtige Hauptdarstellerin kommt dabei aus dem Zurzibiet.

Daniel Weissenbrunner
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Dieter Holliger (links) und seine Ehefrau Vreni im Filmstudio in London vor dem Nachbau der 241-A-65. zvg

Dieter Holliger (links) und seine Ehefrau Vreni im Filmstudio in London vor dem Nachbau der 241-A-65. zvg

Papa Moll ist nicht der einzige Leinwandheld aus dem Bezirk Zurzach, der gerade für Furore sorgt. Eine Dampflokomotive aus Full-Reuenthal heizt in den Kinosälen ebenfalls kräftig ein.

Das zweihundert Tonnen schwere Dampfross mit dem Namen 241-A-65 füllt derzeit die Kassen und stiehlt in der Neuverfilmung von «Mord im Orient-Express» den Superstars Johnny Depp, Michelle Pfeifer oder Penélope Cruz die Show. Über 100'000 Besucher lockte der Streifen seit der Premiere am 9. November in die Kinos. In der Deutschschweiz liegt der Film nach der Vorlage von Agatha Christies Roman gerade an der Spitze, gesamtschweizerisch hinter dem Animationsfilm «Coco» auf Rang 2.

Die in Frankreich gebaute Maschine mit Baujahr 1931 ist die grösste betriebsfähige Dampflok in Europa. Sie stand in den Vierziger- und Fünfziger- jahren auf der Originalstrecke des «Orient-Express» von Paris und Wien nach Istanbul im Einsatz.

Dreharbeiten – die Dampflok unterwegs für Hollywood:

Die Filmklappe beweist: Beim hier gedrehten Film handelt es sich um die Neuverfilmung des Klassikers «Mord im Orient-Express».
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Die Dampflok 241-A-65 war während vier Tagen auf der Strecken Triengen-Sursee für Dreharbeiten an einem Hollywood-Streifen im Einsatz.
Immer wieder fuhr die Dampflok die fahrleitungsfreie Strecke Triengen-Büron für die Filmarbeiten.
Gegen 30 Personen eines französischen Filmteams waren für die Dreharbeiten und die Sicherheit entlang der Strecke im Einsatz.

Die Filmklappe beweist: Beim hier gedrehten Film handelt es sich um die Neuverfilmung des Klassikers «Mord im Orient-Express».

Christoph Portmann

Dieter Holliger (60) kümmert sich als Betriebs- und technischer Leiter des Vereins 241-A-65 in Full-Reuenthal in einem alten Industrieschuppen um die Wartung. Erhalten haben er und sein Team vom Verein 241-A-65 die Lokomotive vor gut fünfzehn Jahren von einer privaten Person. «Den Ingenieuren war es damals wichtig, dass die Lok gut aussah. Wo wir mit ihr hinkommen, sorgt sie für Faszination.» Die Begeisterung schwappte bis nach Hollywood über. Regisseur Kenneth Branagh schickte extra ein Team in die Schweiz, um die Lok zu filmen. Gedreht wurde «Mord im Orient-Express» unter anderem im Kanton Luzern auf der Privatstrecke Sursee–Triengen.

Interesse sprungartig angestiegen

Dieter Holliger und sein Team haben den Auftritt ihrer Lok an der Premiere im Kino Trafo in Baden gesehen und geraten ins Schwärmen. Doch nicht nur bei ihnen stiess der schnaubende Riese Glücksgefühle aus: Das Interesse an der legendären Lokomotive hat mittlerweile sprunghaft zugenommen, sagt Holliger. Im Depot in Full-Reuenthal können Interessierte jeweils am Samstag nach Anmeldung einen Augenschein des eleganten Kolosses nehmen. Zwei- bis dreimal pro Jahr organisiert der Verein Nostalgiefahrten, letztmals vor zwei Wochen von Full nach Konstanz.

Inzwischen hatte die 241-A-65 bereits einen weiteren Auftritt: In einem Kurzkrimi rollte die Lok über die Leinwand unter anderem im Imax-Film-Theater in Luzern.