Koblenz
750-Jahr-Feier: «Begeisterung ist aufs Publikum übergeschwappt»

Das 750-Jahre-Jubiläum von Koblenz hat noch mehr Publikum angezogen als erwartet. Allein am Freitag kamen 3000 Besucher. Der Mittelaltermarkt, die Aufführungen trugen einiges zur tollen Stimmung auf dem Festgelände bei.

Ursula Burgherr
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Die kleinen Turnerinnen aus Koblenz schauen ihren Kolleginen zu
12 Bilder
Akrobatische Leistungen von den Geräteturnerinnen aus Koblenz
Akrobatische Leistungen von den Geräteturnerinnen aus Koblenz
Akrobatische Leistungen von den Geräteturnerinnen aus Koblenz
Koblenz feiert 750-Jahr-Jubiläum
Tobi van Deisner auf seinem Ballonmotorrad
Wein aus Heidelbeeren, Quitten und Pfirsich gab es an diesem Stand zu verkosten
So funktionierte eine mittelalterliche Streckbank
Bruno Staub führt am Mittelaltermakt in Koblenz die traditionelle Schmiedekunst vor
Bruno Staub führt am Mittelaltermakt in Koblenz die traditionelle Schmiedekunst vor
Attilio Masina war Heilpädagoge, heute widmet er sich hauptberuflich der traditionellen Schuhmacherei
Alles mit einfachsten Werkzeugen handgemacht - traditionelle Schuhmacherei

Die kleinen Turnerinnen aus Koblenz schauen ihren Kolleginen zu

Ursula Burgherr

Die Kohlen glühen auf der Esse von Schmied Bruno Staub. Mit gezielten Hammerschlägen verwandelt er unförmige Metallstücke in Zeltheringe, Gabeln und Zangen. Bei seinem Handwerk muss er schnell und behände sein, denn das Eisen lässt sich bekannterweise nur schmieden, solange es noch heiss ist.

Wie einst im 15. Jahrhundert

Staub ist einer der Protagonisten am Mittelaltermarkt des Jubiläumsfestes 750 Jahre Koblenz. Dabei ist auch Attilio Masina, der Schuhe aus pflanzengegerbtem Ziegenleder herstellt, wie sie einst im 15. Jahrhundert en vogue waren. Zu den Klängen von Berufsmusiker Markus Maggiori auf historischen Instrumenten wie Musette de cour, Schallmei und Fidel, gibt es Pfirsich- und Heidelbeerwein zu verkosten, welcher nach alter Tradition gekeltert wurde.

Die Präsidentin des Vereins Rittola lässt sich auf der Streckbank foltern und demonstriert, wie Schand- und Fischweibergeige früher als Pranger eingesetzt wurden. Auf der Bühne fährt Comedy- und Ballonkünstler Tobi van Deisner auf einem Motorrad aus lauter Luftballons herum und macht dazu irrwitzige Geräuschimitationen.

Die Sonne strahlt und das Publikum lacht. Die Stimmung sei auch am dritten Festtag hervorragend, bestätigt OK-Präsident Mario Erdin. «Ich freue mich, dass die Begeisterung, die wir im Organisationskomitee schon lange verspürten, nun auch auf die Bevölkerung übergeschwappt ist», meint er und fügt hinzu, «bei den ersten Planungen stiessen wir noch auf Widerstände.»

Die Geräteriege aus Koblenz wirbelt mit Saltos und waghalsig-eleganten Sprüngen über die Tumbling-Matten, und die Allee mit den Beizen von den ortsansässigen Vereinen und Restaurants füllen sich langsam. «Das Fest führt viele Heimweh-Koblenzer in ihre Heimat zurück, die sich teilweise jahrelang nicht mehr gesehen haben», erzählt Erdin.

Blick zurück

Wer gerade keinen Platz für Speis und Trank findet, schaut sich die Fotoausstellung mit alten Bildern von Koblenz an, die teilweise bis ins Jahr 1885 zurückdatiert sind.

Am Abend platzt der Dorfkern fast aus den Nähten, denn gleich zwei Publikumsmagnete stehen auf dem Programm: Die Wallscrapers sind angesagt, die mit ihrer Trampolin-Akrobatiknummer in «Die grössten Schweizer Talente» hoch hinaussprangen und sich den zweiten Platz holten. Später performt die Formation «stickStoff», die mit ihrer Dynamik, den schnellen Trommelwirbeln, leuchtenden Drumsticks und anderen Showelementen die Menge zum Kochen bringt.

«Am Freitag zählten wir gegen 3000 Besucher, heute sind es wesentlich mehr», stellt Mario Erdin überwältigt fest. Alle Erwartungen werden damit übertroffen – auch bei den wirtenden Vereinen, die punkto Lebensmittelvorräte zu späterer Stunde fast «ausgeschossen» sind.

Lauter gute Erinnerungen sollen vom 750-Jahre-Jubiläum in Koblenz zurückbleiben, hofft Erdin. Ein optisches Zeichen setzt der hölzerne, mit Blumen geschmückte Weidling, der den am Fest eingeweihten Kreisel schmückt.