Petitions-Übergabe
7000 fordern Höchststrafe zur Wildschwein-Drama von Böttstein

Tierschützer und Fotograf Kurt Amsler hat der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach die Petition zum Wildschwein-Drama von Böttstein übergeben. 7000 Personen haben unterschrieben.

Andreas Fretz und Philipp Zimmermann
Drucken
Teilen

Eine Handvoll Tierschutz-Aktivisten trotzt vor dem Eingang der Staatsanwaltschaft in Brugg dem Wind. Kurt Amsler zieht einen flatternden Stapel Papiere hervor und liest vor. «Findet und verurteilt diesen kranken Mörder ... Wer so was tut, dem traue ich alles zu!!!», steht da geschrieben. Oder: «Das muss aufgeklärt werden! Auch Tiere haben ein Recht!» und «Gesetz für Tierschutz endlich streng anwenden!».

Es sind Wortmeldungen von Menschen, welche die Online-Petition von Tierschützer und Tierfotograf Kurt Amsler unterzeichnet haben. Der Wind, der vor dem Eingang der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach weht, der soll, ginge es nach den 7000 Unterzeichnern, dem Täter frontal ins Gesicht blasen.

Amslers Petition verlangt, dass die Tat schnell und vollständig aufgeklärt und dass für dieses Verbrechen die höchstmögliche Strafe ausgesprochen wird. «Schon verrückt, was in so einem Dorf wie Böttstein passiert ist», sagt Kurt Amsler nachdenklich, «da geht es ja zu und her wie zu Gotthelfs Zeiten.»

Etwas über 50 Tage ist es nun her, seits in Böttstein nachts auf einem Maisfeld eine Wildsau-Familie totgefahren wurde. In voller Absicht, wie die Spuren im Feld zeigen. Die drei Jungtiere verstarben sofort, die Wildschweinmutter musste am Morgen danach mit einem Fangschuss von ihren Leiden erlöst werden.

Zur Tat war es in der Nacht auf den Donnerstag, 8. Oktober, gekommen. Unter Verdacht steht ein Mann aus dem Dorf: Er soll die Tiere mit Absicht auf dem abgeernteten Maisfeld totgefahren haben.

Die Forderung der Petitionäre: «Wir verlangen die restlose Aufklärung für den Mord an der Wildschweinfamilie in Böttstein, Aargau / Schweiz!»
5 Bilder
Petitionsübergabe. Fiona Strebel, Pressesprecherin Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach erhält die Petition mit den Unterschriften von Kurt Amsler, dem Initiant der Petition, und Katharina Büttiker Büttiker von Animal Trust.
Tatort Böttstein: Anfang Oktober wurde eine Wildschweinfamilie auf brutale Art und Weise ausgelöscht. Mit einem Offroader fuhr der Täter eine Bache und ihre drei Frischlinge um.
Die Petitionäre fordern die Aufklärung der Tat und die Höchststrafe für den Täter.
Dem Täter blüht theoretisch eine Höchststrafe von drei Jahren. Aufgrund der aktuellen Auslegung des Gesetzes muss allerdings mit einer viel milderen Strafe gerechnet werden.

Die Forderung der Petitionäre: «Wir verlangen die restlose Aufklärung für den Mord an der Wildschweinfamilie in Böttstein, Aargau / Schweiz!»

Mario Heller

Die Staatsanwaltschaft leitete kurz nach der Tat ein Strafverfahren wegen Tierquälerei gegen den Mann ein. Sie beschlagnahmte auch seinen seinen Geländewagen. An ihm fanden die Ermittler offenbar Haare und Blut der toten Wildschweine.

Der Verdächtige bestreitet die Tat. Sein Anwalt teilte damals mit: «Die Vorwürfe gegen meinen Mandanten sind falsch. Mein Mandant hat die ihm vorgeworfene, abscheuliche Tat nicht begangen. Er verurteilt den Angriff auf die Wildschweinfamilie von vergangener Woche.» Es gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Es handelt sich um ein Offizialdelikt. Auch Tierschützer Kurt Amsler wurde aktiv. Er startete eine Petition, die verlangt, dass die Tat schnell und vollständig aufgeklärt wird. Und dass für dieses Verbrechen die höchstmögliche Strafe ausgesprochen wird.

Heute Montag überreichte Amsler in Brugg Fiona Strebel, der Mediensprecherin der Oberstaatsanwaltschaft Aargau, drei Kartons mit insgesamt 7000 Unterschriften. «Zwei Drittel davon kommen aus der Schweiz», sagt Amsler. Aber auch Betroffene aus der ganzen Welt von Japan bis Brasilien haben die Petition unterzeichnet. Amsler ist es wichtig, dass der Fall von Böttstein nicht vergessen geht und nicht in einer Schublade verschwindet.

Fiona Strebel betonte, dass die Staatsanwaltschaft für die Anliegen der Tierschützer Verständnis aufbringe. «Unabhängig von einer Petition nehmen wir jeden Fall sehr ernst», sagte sie und unterstrich, dass es sich bei Tierquälerei und somit auch im Fall von Böttstein um ein Offizialdelikt handle, das die Staatsanwaltschaft von Amtes wegen verfolge.

Die Tat dürfte unter Artikel 26 des Tierschutzgesetzes fallen, wo «Tierquälerei» behandelt wird. Für das Töten eines Tieres auf qualvolle Art oder aus Mutwillen sieht das Gesetz eine Höchststrafe von drei Jahren vor. In der Praxis werde dies aber niemals ausgenutzt, wie Lukas Berger, Anwalt beim Rechtsdienst des Schweizer Tierschutzes, gegenüber der az bereits gesagt hatte. Acht Monate Gefängnis bedingt, also bei einer Probezeit, sei die höchste Strafe gegen einen Tierquäler, das ihm bekannt sei. Und die Tat sei noch weit schlimmer als jene von Böttstein gewesen.

Aktuelle Nachrichten