Bad Zurzach
60 Jahre Thermalquelle: Petticoats, Nixen und Paracelsus am Jubiläumsfest

Mit Unterhaltung, Gratiseintritt und einer Ansprache ist in Bad Zurzach die Erbohrung der Thermalquelle vor genau 60 Jahren gefeiert worden. Festredner Pirmin Meier griff das mit dem eingängigen Satz «Remember, the fifth of September» auf.

Rosmarie Mehlin
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Trotz kühlen Temperaturen wurde das Fest genossen
11 Bilder
Teamleiterin Vicky (links) und Alissa zeigten ein Stück Petticoat
Jubiläumsfeier 60 Jahre Thermalquelle
Stefano Petrella zapft Bier vom Hydranten
Nationalrätin Ruth Humbel im Gespräch mit Treuhänder Georg Edelmann
Nach dem Regen war Tische und Bänke trocknen angesagt
Festredner Pirmin Meier
Hörnli und Ghackets gabs für einen Fünfliber
Festredner Pirmin Meier(links) im Gespräch mit Ständeratskandiat Hansjrg Knecht
Die Kleinsten malten und bastelten
3,2,1, los und gratis hinein ins Vergnügen

Trotz kühlen Temperaturen wurde das Fest genossen

Rosmarie Mehlin

Es war um punkt 20.20 Uhr am Samstag, als die Zutritts-Schranke zum Thermalbad fiel, Männlein, Weiblein, Kind und Kegel hineinstürmten – hinab in die Garderoben und – Tenue-erleichtert – hinauf ins warme Nass. Um punkt 20.20 Uhr war damals die 40 Grad warme Quelle aus der Tiefe emporgeschossen – am 5. September 1955. Auf den Tag genau 60 Jahre später wurde das Ereignis gebührend gefeiert. Unter anderem mit dem abendlichen Gratiseintritt in die Wunder-Wasserwelt. Hunderte liessen sich die Chance nicht entgehen und waren begeistert. Das Wohlfühlen in Bikini und Badehose bis Mitternacht war angesagt.

Bier gabs vom Hydranten

Bereits am Nachmittag hatte das Fest ausserhalb des Bades mit Musik, Tanz, Kinderanimation, Speis und Trank zu Preisen fast wie anno dazumal begonnen. Einzig Petrus war nicht restlos begeistert. Das stilecht eingekleidete Personal – die Damen in getupften Kleidern, mit breitem Gurt und Petticoat – hatte zwischenzeitlich alle Hände voll zu tun mit Trockenreiben von Tischen und Bänken. Auch kühl wars, das Restaurant entsprechend brechend voll, doch auch draussen wurde, begleitet von wechselnder Live-Musik, fröhlich drauflosgespachtelt und aufs Jubiläum angestossen.

Wer wird denn frieren bei Spareribs, Beinschinken, Hörnli mit Ghacktem, Wein und Bier, gezapft vom Hydranten im umgebauten Löschwagen der Feuerwehr Brugg-Birr. Ins Schlottern hätte man allenfalls am Ufer des Naturteichs kommen können, beim Anblick der Limmatnixen, die bei rund 16 Grad Lufttemperatur im knapp über 20 Grad warmen Wasser ihr faszinierendes Ballett präsentierten.

Fast wie ein Ehepaar

Zweifellos der Höhepunkt aber war die Festrede von Historiker und Autor Pirmin Meier. Mit seiner Grussadresse stimmte Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs launig darauf ein: «Die Gemeinde – weiblich – und der Kurort – männlich – sind wie ein altes Ehepaar, das heute diamantene Hochzeit feiert. Sie, die Gemeinde, hat meistens recht.» Als Vertreter der Thermalquelle bedankte sich Andreas Edelmann mit einem Präsent bei Fuchs und der Bemerkung; «Ich halte es wie daheim, wenn sie das letzte Wort hat, füge ich nichts mehr bei.»

Pirmin Meier stellte den Satz «Remember, remember, the fifth of September» über seine Rede. Darin streifte er zunächst wichtige Ereignisse, die ebenfalls an diesem Datum stattgefunden haben, so Lenins Auftritt an der Zimmerwaldkonferenz 1915, Mitterrands Atomwaffentest beim Mururoa- Atoll 1995 und den Tod von Mutter Teresa zwei Jahre später. «Am meisten fasziniert mich an der Bädergeschichte, dass für Paracelsus alle Bäder im Aargau, Badischen und Elsass einen inneren Zusammenhang hatten. Er war überzeugt, dass man noch neue Thermen finden kann.»

Zurzach sei schon immer nicht nur Messeort, Ort der Wirtschaft und mittelalterliches Bordell, sondern auch Schulort gewesen. «Man kann davon ausgehen, dass Paracelsus auf seinen Reisen, ausser in Baden auch in Zurzach vorbeigekommen ist. Er war schliesslich Spezialist für Geschlechtskrankheiten.» Es gebe, so Meier, weder in der Natur noch erst recht in der Wirtschaft irgendetwas, das wirklich ewig ist. Doch «das Thermalbad Zurzach ist nicht bloss ein Wirtschaftsunternehmen – es ist ein Stück Heimat. Darum ist es richtig, dass vor 60 Jahren die Glocken geläutet haben und wir heute diesen Tag feiern. «Remember, the fifth of September.»

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