Koblenz
200 Arbeitsplätze wegen Übernahme bedroht: Zurzibiet sorgt sich um Giroflex

Nach der Übernahme der Giroflex durch eine norwegische Firma: Der Gemeindeverband und Politiker kämpfen für den Erhalt von den rund 200 Arbeitsplätzen.

Andreas Fretz
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Bruno Hofer, Geschäftsleiter des Gemeindeverbands ZurzibietRegio, sorgt sich um die knapp 200 Koblenzer Arbeitsplätze der Firma Giroflex

Bruno Hofer, Geschäftsleiter des Gemeindeverbands ZurzibietRegio, sorgt sich um die knapp 200 Koblenzer Arbeitsplätze der Firma Giroflex

Philipp Zimmermann/HO

Der traditionsreiche Bürostuhl-Hersteller Giroflex aus Koblenz verliert seine Eigenständigkeit. Letzte Woche wurde bekannt, dass der norwegische Möbel-Riese Flokk die Giroflex-Aktien übernommen hat. Unklar ist, ob die 200 Arbeitsplätze im Grenzdorf Koblenz bleiben. Giroflex-CEO Frank Forster verhehlte nicht, dass eine Produktionsverlagerung ins Ausland denkbar ist: «Es ist klar, dass vor allem der Produktionsstandort Schweiz auf dem Prüfstand steht.» Eine Analyse über mögliche Synergien soll bis Ende Jahr vorliegen.

Nun melden sich der Gemeindeverband ZurzibietRegio und der Zurzibieter CVP-Grossrat Andreas Meier zu Wort. Meier sagt: «Das Zurzibiet ist tief betroffen und teilt die Sorgen der Belegschaft.» Der Gemeindeverband richtet gar einen öffentlichen Appell an die norwegische Firma. «Wir sind einerseits froh und dankbar, dass die Firma eine Übernahme durchführen konnte. Anderseits aber sind wir besorgt, weil gemäss Aussagen des Flokk-Managements ganz offensichtlich 200 Arbeitsplätze bedroht sind», heisst es in der schriftlichen Mitteilung. ZurzibietRegio-Geschäftsleiter Bruno Hofer sagt: «Wir schauen nicht tatenlos zu: Uns ist es wichtig, dass die Arbeitsplätze in der Region erhalten bleiben.»

Der öffentliche Appell sei nur der erste Schritt. Weiter wolle man in Abstimmung mit der Gemeinde den Sachverhalt unter die Lupe nehmen und Koblenz seine Vermittlungsdienste anbieten. Konkret: ZurzibietRegio stellt seine «guten Dienste» in allen möglichen Formen zur Verfügung, wenn es darum geht, Schnittstellen zu koordinieren sowie Lösungsmöglichkeiten zu finden und umzusetzen.

Der Giroflex-Hauptsitz in Koblenz. Das Unternehmen gehört seit 13. Juli 2017 dem norwegischen Konzern Flokk.
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Giroflex-Verkauf
Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
Flokk und Giroflex wollen nun mögliche Synergien ausloten und dann über die Zukunft des Standortes Koblenz entscheiden.
Hier befindet sich auch ein Fabrikladen.
Hier befindet sich auch ein Fabrikladen.
Die Warenannahme von Giroflex.
Werbeplakat von Giroflex neben dem Produktionsort und Hauptsitz an der Kantonsstrasse, die viel befahren wird und die zum Grenzübergang Koblenz-Waldshut führt.
Wenige hundert Meter vom Giroflex-Standort entfernt befindet sich die Grenze zu Deutschland (Waldshut-Tiengen). Ein Drittel der Belegschaft wohnt im deutschen Raum.

Der Giroflex-Hauptsitz in Koblenz. Das Unternehmen gehört seit 13. Juli 2017 dem norwegischen Konzern Flokk.

Philipp Zimmermann

Hofer sagt: «Wir wollen als regionaler Gemeindeverband ein Zeichen setzen. Gemeinsam hat unsere Stimme mehr Gewicht.» 25 Gemeinden aus der Region zählen zum Verband. Ein Verlust von 200 Arbeitsplätzen in einer so traditionsreichen regionalen Branche stelle eine grosse Herausforderung dar. «Wir hoffen auf eine Gesprächsbereitschaft der Firma Flokk, sind uns aber bewusst, dass sie in ihren Entscheidungen frei ist», sagt Hofer. Der Appell soll nicht bloss in Norwegen gehört werden, Hofer erhofft sich auch eine Innenwirkung. Die Gemeinde Koblenz soll wissen: «Wir setzen uns ein.»

Grossrat Andreas Meier sagt: «Unser Land hat sich mit seiner eigenen Währungspolitik eine grosse Aufgabe gestellt, welche uns täglich herausfordert. Wir sind nicht in einer Komfortzone, wir stehen im Markt.» Was kann die Politik dagegen tun? «Kommunen und der Kanton müssen weiterhin ein bestmögliches Bündel aus Bildung, Verkehrsplanung, Standort- und Wirtschaftsförderung schnüren, bei gleichzeitig KMU-freundlich tiefer Belastung für Steuern und Administration.»

Mit dem vom Grossen Rat genehmigten Betrag für das Hightech Zentrum und mit der Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase) sieht Meier wichtige Schritte, die die Region langfristig stärken sollen. «Wir müssen den Firmen aufzeigen, dass das Zurzibiet ein guter Standort ist», sagt Meier.

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