2. Liga inter
Der FC Klingnau gewinnt gegen den grossen Favoriten Dietikon – auch dank eines psychologischen Tricks des Trainers

Als krasser Aussenseiter und mit der schlechtesten Abwehr ist der Zurzibieter Klub ins Duell mit dem Aufstiegsaspiranten aus Dietikon gestiegen. Herausgekommen ist aber wider Erwarten ein 2:1-Sieg für die Aargauer.

Alessandro Crippa
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Captain Brahim Maloki (links) erzielte mittels Penalty das Siegtor.

Captain Brahim Maloki (links) erzielte mittels Penalty das Siegtor.

Alessandro Crippa

Der nominell erste Innenverteidiger beim FC Klingnau ist Tobias Merki. Der ehemalige Junior des Vereins spielte bis im vergangenen Jahr beim FC Koblenz und kam dann im Jahr 2020 zurück ins Städtli. Sofort übernahm er einen wichtigen Job in der Viererkette und war unbestrittener Stammspieler.

Am Samstag nun stand sein Name zwar auf dem Matchblatt, doch Tobias Merki konnte nicht spielen. Das wusste der Trainer, das wusste der Spieler. Aber nicht der Rest der Mannschaft. Ein kleiner psychologischer Trick von Trainer Samir Bajramovic. Er sagte, er wollte mit der Massnahme bewirken, dass sich die Spieler auf dem Feld noch mehr Mühe geben. Weil sie wussten, wenn ihre Leistung nicht stimmen würde, stünde mit Tobias Merki ein Spieler bereit, der im Normalfall seine Aufgaben zur Zufriedenheit des Trainers ausfüllt. Aber eben: Merki konnte gar nicht spielen.

Der Trick aber, der funktioniert. Samir Bajramovic sagt nach dem Spiel, dass er zufrieden sei mit seinem Team, vor allem mit der Abwehr. Diese hat nur in der 15. Minute das Nachsehen, als der ehemalige Super-League-Spieler Pa Modou (St.Gallen, Zürich, Sion) entwischt und nach einem Freistoss zur Führung einnicken kann.

Der Ausgleich als Kuriosum

Bis zur Pause ändert sich an diesem 0:1 nichts, danach geht es nur neun Minuten, bis Klingnau den Ausgleich erzielt. Eigentlich erzielt diesen Dietikon – und dann erst noch ganz kurios. Während die Klingnauer ein Foulspiel monieren, pfeift der Schiedsrichter nicht ab. Aussenverteidiger Fabio Simao will den Ball zu seinem Torhüter zurückspielen und plötzlich liegt das Leder im Tor. Wie das genau gegangen ist, weiss auch nach dem Spiel noch keiner so genau.

Den Klingnauern ist das herzlich egal, sie nehmen das Geschenk dankend an und wird in der Folge stärker: Eine Viertelstunde vor Schluss wird Batuhan Karadeniz, der eine Woche zuvor das Siegtor erzielt hatte, im Strafraum regelwidrig gelegt und es gibt Elfmeter. Brahim Maloki, Captain des Teams, stellt sich der Verantwortung und erzielt die Führung.

Kann zufrieden sein mit seiner Mannschaft: Samir Bajramovic.

Kann zufrieden sein mit seiner Mannschaft: Samir Bajramovic.

Alessandro Crippa

Die Gäste, als grosser Favorit angetreten, stemmen sich in der Folge gegen die drohende Niederlage und rennen an – aber erfolglos.

Der FC Klingnau feiert so seinen zweiten Saisonsieg und hat nun sieben Punkte auf dem Konto. Kaufen könne man sich davon aber noch nicht viel, sagt Bajramovic. Die Mannschaft habe nun aber gesehen, dass es nicht bloss eine Floskel war, als er vergangene Woche sagt, man habe gegen jede Mannschaft eine Chance, wenn man nur die Leistung abrufen könne. Kommenden Samstag steht das Duell in Muri an. Der Gegner wird auch da zu favorisieren sein. Doch Klingnau hat nun den Glauben – und vielleicht nochmals einen psychologischen Trick auf Lager.

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