Kleindöttingen
2,5 Mal auf den Mount Everest – ihnen steht eine Mammutaufgabe bevor

Beat Fügenschuh (53) und Marlen Fuhrmann (29) starten am spektakulärsten Radrennen Europas, dem Mehretappenrennens Transalp 2014 von Mittenwald in Bayern nach Arco am Gardasee. Kennengelernt haben sie sich in einer dramatischen Situation.

Angelo Zambelli
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Ein Paar kämpft sich durch die österreichischen und italienischen Alpen: Beat Fügenschuh und Marlen Fuhrmann.

Ein Paar kämpft sich durch die österreichischen und italienischen Alpen: Beat Fügenschuh und Marlen Fuhrmann.

Sascha Wollstädter

19 267 Höhenmeter heisst – über den Daumen gepeilt – knapp zweieinhalbmal mit dem Rennrad auf den Mount Everest. Eine Mammutaufgabe, der sich der Kleindöttinger Beat Fügenschuh und seine Partnerin Marlen Fuhrmann aus Waldshut-Tiengen stellen. Start ist am nächsten Sonntag; das Rennen führt über sieben Etappen.

Eigentlich wollte Beat Fügenschuh den Transalp unter keinen Umständen mehr fahren. Vor ein paar Jahren hatte er das Rennen mit einem bis anhin unbekannten Partner bestritten. Das Rennen sollte zu einer einzigen Katastrophe werden: «Wegen der beschränkten Leistungsfähigkeit meines Partners fuhren wir stets im Bereich des Besenwagens, was nicht unbedingt zu einem Hochgefühl führt», erzählt Fügenschuh mit leicht ironischem Unterton. Fügenschuh sah sich gezwungen, die Tagesziele neu zu definieren: «Wir müssen am Ziel sein, bevor das Zielbanner eingerollt wird», sagte sich der Zurzibieter Unternehmer und Hobby-Radfahrer.

Dieses Ziel wurde – nachdem unterwegs eine heftige Aussprache stattgefunden hatte – mit Ach und Krach erreicht. Im Ziel am Gardasee fuhr Fügenschuh in einer Mischung aus Erleichterung und Wut via die Bootsrampe direkt in den See. Wieder trocken, schwor er sich: «Einmal Transalp, nie mehr Transalp.»

Böser Unfall mit schönen Folgen

Doch es kam – wie so oft im Leben – völlig anders: Bei einer Ausfahrt im Südschwarzwald im Herbst 2013 erlitt Fügenschuh einen schweren Unfall mit dem Rennrad. Er lag an einer unzugänglichen Stelle und war ausserstande, sich selbst zu helfen. In dieser dramatischen Situation trat Marlen Fuhrmann in sein Leben. Die Zöllnerin aus Waldshut fand Fügenschuh und rettete ihm damit das Leben. Aus Dankbarkeit schenkte er ihr ein Flugticket für eine Bikewoche in Südafrika, liess es sich aber nicht nehmen, gleich mitzureisen. Daraus – man ahnt es bereits – wurde die grosse Liebe zweier begeisterter Radfahrer.

Und weil die Liebe bekanntlich Flügel verleiht, kam Fügenschuh auf seinen Entscheid betreffend Transalp-Verzicht zurück. Zusammen mit seiner Partnerin meldete er sich für den Transalp 2014 an. «Ich konnte mir sehr gut vorstellen, das Rennen mit ihr zu bestreiten – und es auch geniessen zu können», blickt Fügenschuh auf die Revision seines einstmals in Wut und Frust gefällten Entscheids zurück.

Um am Rennen überhaupt teilnehmen zu können, benötigt man sehr viel Glück. Die Startplätze sind innerhalb weniger Minuten vergeben. Dennoch schafften es Marlen Fuhrmann und Beat Fügenschuh: Die Bestätigung der Anmeldung erlebten sie wie einen Lotto-Sechser: «Es war eine gewaltige Überraschung und eine Riesenfreude.» Gleichzeitig schoss ihnen auch der Gedanke durch den Kopf: «Jetzt gilts ernst», denn auch im Radsport haben die Götter den Schweiss vor den Erfolg gesetzt.

Ab Herbst letzten Jahres hiess es trainieren, trainieren und nochmals trainieren. Längere Ausfahrten nach Feierabend und an den Wochenenden wechselten sich ab mit Radferien auf Mallorca, in der Toskana und in den Dolomiten. Einzelne Etappen und Übergänge des Rennens wurden rekognosziert. Rechnen Marlen Fuhrmann und Beat Fügenschuh die seit November gefahrenen Kilometer zusammen, kommen sie auf stattliche Zahlen: Er hat rund 5000 Kilometer zurückgelegt. Das entspricht einer «Ausfahrt» von Kleindöttingen nach St. Petersburg und zurück. Sie spulte 4000 Kilometer ab, was immer noch einer Tour von Kleindöttingen nach Riga in Lettland und zurück gleichkommt.

«Mit diesen Kilometern in den Beinen sollte der Transalp mit seinen happigen Tagesetappen kein grenzenloses Leiden mehr sein», sagt Beat Fügenschuh, «obwohl wir mit Sicherheit an unsere Grenzen stossen werden – physisch, psychisch und partnerschaftlich.»

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