Bad Zurzach
18-Jähriger delinquierte am Laufmeter

Diebstähle, Sachbeschädigungen, Tätlichkeiten, Drohung, Beschimpfung, Zechprellerei – Admirim (Name geändert) ist noch keine 19 Jahre alt. Nun wurde er zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Rosmarie Mehlin
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Keystone

Diebstähle, Sachbeschädigungen, Tätlichkeiten, Drohung, Beschimpfung, Zechprellerei – Admirim (Name geändert) ist noch keine 19 Jahre alt und stand bereits zum zweiten Mal vor Gericht. Das erste Mal war noch die Jugendanwaltschaft zuständig, die über mehrere Delikte richten musste, die sich Admirim als noch Unmündiger aufs Kerbholz geladen hatte. Unter anderem hatte er, zusammen mit Kumpeln, im August 2010 eine Fensterscheibe des Fleckenbüros Bad Zurzach eingeschlagen und drinnen einen USB-Stick im Wert von 65 Franken geklaut. Einer jener Kumpel, Admirims Cousin, ist inzwischen aus der Schweiz in seine Heimat Kosovo ausgewiesen. Die Jugendanwaltschaft hatte Admirim im Mai dieses Jahres zu einem Monat Freiheitsstrafe bedingt verurteilt, verbunden mit der Weisung, eine deliktorientierte Therapie zu absolvieren. Admirim hatte Besserung gelobt, sich aber einen Deut um die Therapie geschert, obwohl Jugendanwaltschaft und die Jugendsozialarbeiterin sich intensiv bemühten, in auf den rechten Weg zu bringen. Es war vergebliche Liebesmüh’ und so stand der Bursche nun vor Bezirksgericht.

Einbruch ins Regibad

Mitte April dieses Jahres hatte Admirin mit Kumpeln aus einem Lieferwagen rund 4000 Kebab-Papiertüten und vier Rollen Alufolie geklaut und im Kurpark und auf dem Areal des Kindergartens ausgebreitet. In derselben Nacht waren sie ins Jugendhaus eingebrochen, hatten aber ohne Beute wieder abziehen müssen. Sie taten es in Richtung Regibad, waren unter einem Zaun hindurch gekrochen und hatten, wie zuvor schon im Jugendhaus, eine Scheibe eingeschlagen. Hier erbeuteten sie gut 1100 Franken Bargeld und nahmen noch sechs Dosen Red Bull mit.

Auch vor Gewalt schreckte Admirim nicht zurück: Einmal schlug er auf dem Schulareal einem Mädchen mit der Hand ins Gesicht, ein anderes Mal landete seine Faust im Gesicht eines Schülers, einmal kassierte ein Landsmann einen Fusstritt und ein weiteres Mal wurde ein anderer per SMS wüst beschimpft und bedroht. Dass Admirim sich trotz Hausverbots immer wieder auf dem Bahnhofareal von Bad Zurzach aufhielt, erweiterte die Anklageschrift gegen den 18-Jährigen ebenso, wie der Tatbestand der Zechprellerei: Im September dieses Jahres hatte er sich – unter falschem Namen – für sechs Nächte im Turmhotel eingenistet. Von Bezahlen keine Spur.

Später war die Lehrergarderobe vom Schulhaus «Tiergarten» ebenso wenig vor seinen langen Fingern sicher, wie ein Elektronik-Geschäft im Tivoli Spreitenbach. Als er dort am 8. November zum zweiten Mal PC-Spiele mitlaufen liess, wurde er auf frischer Tat ertappt. Seither sitzt Admirim in Sicherungshaft. Die Staatsanwaltschaft arbeitete schnell. Bereits am 6. Dezember lag die Anklageschrift vor. 19 Delikte, begangen zwischen April und November, sind darin aufgeführt.

Anstand lernen in Kosovo

Admirims Eltern waren vor 21 Jahren aus dem Kosovo in die Schweiz gekommen. Sie sind untadelige, fleissige Leute. Zwei ihrer drei Söhne leben ebenso unauffällig. Admirim aber schmiss, aus was für Gründen auch immer, seine Lehre als Gleisbauer. Nachdem er auch noch mit dem von seiner Mutter geklauten Auto einen Unfall baute, hatte der Vater die Nase voll: Er schickte seinen Sohn in den Kosovo, auf dass er dort Anstand und Wohlverhalten lerne. Drei Monate sollte diese Erziehungskur dauern – nach zwei Wochen stand Admirim wieder daheim auf der Matte. Nicht für lange, denn der Vater stellte ihn kurzerhand vor die Tür. Als ihm wenig später auch noch die Freundin die Türe wies, lebte der Bursche mehr oder weniger auf der Strasse und...siehe oben.

Nun droht die Landesverweisung

Gerichtspräsident Cyrill Kramer stellte Admirims Mutter als Zeugin die Frage, warum ihr Sohn seit rund eineinhalb Jahren mit grösster Regelmässigkeit delinquiere. «Ich weiss auch nicht warum.» Admirim selber nannte es «Dummheit» und versicherte, dass es nun damit endgültig vorbei sei. «Ich mache einen Neuanfang und suche eine Lehrstelle.» «Mit den Vorstrafen?», bemerkte Cyrill Kramer trocken. Admirims Anwalt beschönigte in seinem Plädoyer die Taten nicht, bat aber um eine Chance für den jungen Delinquenten in Form einer bedingten Freiheitsstrafe.

Diese Bitte konnte der Einzelrichter nicht erfüllen. Er sprach Admirim schuldig gemäss Anklage, verurteilte ihn zu 10 Monaten unbedingt und widerrief zudem den bedingten Aufschub der einmonatigen Freiheitsstrafe der Jugendanwaltschaft. Damit folgte Kramer vollumfänglich dem Strafantrag des Staatsanwaltes. «Es ist unmöglich, hier auch nur eine halbwegs günstige Prognose zu stellen», begründete er und fügte abschliessend an: «Als Nächstes steht ganz klar die Landesverweisung an».

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