Leuggern
150 Jahre Bezirksschule Leuggern mit einwöchigem Festprogramm

150 Jahre alt wird die Bezirksschule im Kirchspiel – Zeit für einen Rückblick auf ihre Anfänge als im Schulzimmer noch ausschliesslich Knaben sassen und es fliessend Wasser nur im Lehrerzimmer gab.

Nadja Rohner
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Wer erkennt sich? Die Lehrerschaft der Bezirksschule Leuggern im Jahr 1964.

Wer erkennt sich? Die Lehrerschaft der Bezirksschule Leuggern im Jahr 1964.

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Die Bezirksschule Leuggern rührt für ihr Jubiläum mit der ganz grossen Kelle an - gleich eine ganze Woche wird gefeiert (siehe Box). Dazu hat man im Kirchspiel allen Grund, denn: Die «Bez» besteht nun schon seit 150 Jahren, in den letzten 50 Jahren als Kreisbezirksschule. 1964 wurde eine «Festschrift zur Jahrhundertfeier der Bezirksschule Leuggern» publiziert. Sie bietet spannende Einblicke in vergangene Zeiten.

150 Jahre Bez Leuggern: Das erwartet die Besucher

Heute Montag starten die Feierlichkeiten um 18 Uhr mit einem offiziellen Jubiläumsakt. Regierungsrat Alex Hürzeler diskutiert anschliessend an einem Podium zum Thema «Welche Bildung brauchen unsere Schülerinnen und Schüler?» mit den ehemaligen Leuggemer Bezirksschülern Barbara Bourouba, Manuel Grenacher, René Huber und Daniel Kalt - sie alle sind heute erfolgreich in der Politik oder Wirtschaft tätig. Der Dienstagabend richtet sich an Eltern: Ab 20 Uhr geht man an einem Informationsanlass der Frage nach, wie sich Kinder in der Online-Welt bewegen sollen. Am Mittwoch messen sich die Leuggemer Bez-Schüler um 14 Uhr bei einem Volleyball-Turnier mit Kollegen aus anderen Schulen. Kulturell wird der Donnerstagabend: Um 19.30 Uhr führen die Schüler das gemeinsam mit Lehrern erarbeitete Freilichttheater «Shakespeare und andere Dramen» auf (Wiederholung am Samstag). Am Freitagabend verwandelt sich der Schulhausplatz in ein Festival-Gelände: Gleich drei Bands aus unterschiedlichen Genres treten auf. Am Samstag wird ganztags rund um das Schulhaus ein umfassendes Rahmenprogramm geboten. Ab 21 Uhr spielt Philipp Fankhauser (Vorverkauf bei der Raiffeisenbank Leuggern). (NRO)

Erstmals erwähnt wurde eine Schule in Leuggern schon 1600. Aus der Leuggemer Kirchenrechnung dieses Jahres geht hervor, dass dem damaligen Schulmeister ein «Fronfastengeld» von einem Gulden ausgezahlt wurde. Unterricht fand nur im Winterhalbjahr von Martini (11. November) bis Palmsonntag statt. Zugelassen waren ausschliesslich Knaben, eine Schulpflicht bestand nicht. Sie wurde rund 200 Jahre später eingeführt.

Das Sittengericht Leuggern beschloss, dass im Kirchspiel auch während des Sommerhalbjahres ein ganzer Wochentag Schule zu halten sei - am Morgen für die jüngeren, am Nachmittag für die älteren Kinder. Die Eltern, meist Landwirte, waren davon wenig begeistert. So mussten oft Bussen wegen Schulversäumnissen ausgesprochen werden.

Offiziell gegründet wurde die Bez 1864. Sie wurde vorerst durch eine eigens ins Leben gerufene «Garantiekommission» unterhalten, die zwar Beiträge aus privater und öffentlicher Hand erhielt, letztlich aber mit ihren eigenen Mitteln haftete.

Die Kommission bestand aus dem Gesamtgemeinderat sowie Wirten, Lehrern und Ärzten. In den ersten Jahrzenten gab sie jährlich 2100 Franken Lohn für die Hauptlehrer aus. Bemerkenswert: Einer der beiden ersten Hauptlehrer war der Bayer Wilhelm Pözl aus der Oberpfalz.

200 Franken kosteten die Miete, Reinigung und Beheizung des Schullokals in der ehemaligen Malteserkommende, im Hause des Tierarztes Hess. 2528 Franken investierte man während der ersten sechs Jahre in Geräte und Lehrmittel. Das 25-Jahr-Jubiläum 1989 feierte man in Leuggern gross, gleichzeitig mit der Einweihung des neuen Schulhauses gegenüber der Kirche.

Die Bezirksschule Leuggern

Die Bezirksschule Leuggern

1913 wurde ein Hilfsfonds zur Auszahlung von Zulagen an die Hauptlehrer gegründet - sie dürften damals nicht viel verdient haben, waren aber treue Seelen: Bei der 50-Jahr-Jubiläumsfeier der Schule 1914 wurde auch Lehrer Vögeli für 40 Amtsjahre geehrt.

1923 erhielten zwei Lehrerzimmer und der Gang elektrisches Licht. Ausserdem wurde das Mädchenturnen eingeführt. Die ersten Schulreisen gab es 1938. Ein Jahr später führte man die Schulzahnpflege ein - die Kosten trug der «Verein ehemaliger Bezirksschüler». Der Frauenbund begann, Schulmilch auszuschenken.

1944 erhielten die WC eine Spülung, die Lehrerzimmer fliessendes Wasser. Es liefen erste Diskussionen zum Thema «Kreisbezirksschule».

1948 ersuchten die Gemeinderäte Klingnau, Döttingen und Koblenz in Aarau um die Errichtung einer Bez in Klingnau. Die Leuggemer meldeten Angst um ihren Schulstandort an, die Regierung trat nicht auf das Gesuch ein - zehn Jahre später wird die Bez Klingnau dann doch eröffnet. Die Schülerzahlen in Leuggern litten aber nicht darunter.

1964 feierte man das erste Jahrhundert der Bez mit einem Jugendfest. Im selben Jahr beschloss die Kirchgemeinde die Gründung einer Kreisbezirksschule.

Heute besteht der Schulverband aus den Gemeinden Böttstein, Full-Reuenthal, Leibstadt, Leuggern und Mandach. Schwaderloch ist vertraglich an die Kreisbezirksschule gebunden.

In Anlehnung an einen Text von H.J. Welti in der Jubiläumsschrift von 1964.