Leuggern
150-Jahr-Jubiläum der Bez Leuggern – mehr Teamarbeit, weniger büffeln

Cracks aus Wirtschaft und Politik an der Podiumsdiskussion zum 150-Jahr-Jubiläum der Bezirksschule Leuggern diskutierten zur Frage, wie Schüler heute unterrichtet werden sollten – und berichteten über ihre Erlebnisse aus Bezirksschulzeiten.

Angelo Zambelli
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Jubiläum: 150 Jahre Bezirkschule Leuggern: Mehr Teamarbeit, weniger büffeln
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René Huber an der Podiumsdiskussion 150 Jahre Bezirksschule Leuggern. «In der Physik habe ich gelernt, dass nur der Letzte einen Schlag erwischt»
Daniel Kalt an der Podiumsdiskussion 150 Jahre Bezirksschule Leuggern. «Jugendliche sollten befähigt werden, Probleme zu lösen»
Manuel Grenacher an der Podiumsdiskussion 150 Jahre Bezirksschule Leuggern. «Ich war während meiner Bezirksschulzeit nicht immer der Bravste»
Barbara Bourouba an der Podiumsdiskussion 150 Jahre Bezirksschule Leuggern. «Lehrer sollten ein Stage in der Wirtschaft machen können»

Jubiläum: 150 Jahre Bezirkschule Leuggern: Mehr Teamarbeit, weniger büffeln

Angelo Zambelli

Podiumsdiskussionen richten sich sehr oft an ein Fachpublikum und sind deshalb nur bedingt geeignet, das Publikum zu unterhalten oder gar zu amüsieren. Nicht so die Podiumsdiskussion in der Leuggemer Mehrzweckhalle aus Anlass des 150-Jahr-Jubiläums der Bezirksschule Leuggern.

Wer eine langweilige Debatte über bildungspolitiscLeuggern he Fragen erwartet hatte, wurde angenehm überrascht: Unter der Leitung von Leo Erne diskutierten – ja fabulierten – Cracks aus Wirtschaft und Politik über ihre Erlebnisse aus Bezirksschulzeiten, verrieten aber auch, was die Wirtschaft heute von Schulabgängern erwartet.

Den Fragen des ehemaligen Leuggemer Lehrers Leo Erne stellten sich Barbara Bourouba, Leiterin Human Resources der Holcim AG, Manuel Grenacher, CEO der IT-Firma Mila AG, Daniel Kalt, Chefökonom der UBS, René Huber, Grossrat und Direktor des Spitals Leuggern sowie Regierungsrat Alex Hürzeler, Herr über alle Schülerinnen und Schüler im Kanton Aargau, um deren Ausbildung sich das Thema drehte.

Bemerkenswert an dieser Runde war, dass es sich mit Ausnahme Hürzelers um ehemalige Schüler der Bezirksschule Leuggern handelte, die in der Privatwirtschaft auf verschiedenen Wegen steile Karrieren gemacht haben.

BEZ: Geruch vermittelt Heimatgefühl

Beim Eröffnungsakt der Jubiläumswoche «150 Jahre Bezirksschule Leuggern» regnete es Lobeshymnen auf den Kirchspieler Bildungsort: «In diesem Haus sind Tausende Rohdiamanten zu Persönlichkeiten geschliffen worden», sagte Schulpflegepräsident Hansjörg Vogt.

Patrick Gosteli, Präsident der Abgeordneten der Verbandsgemeinden Leuggern, Böttstein, Leibstadt und Full-Reuenthal, nahm den Faden auf und nannte namentlich, wer den Unterricht in der Bezirksschule Leuggern genossen hat: Unter ihnen befinden sich Persönlichkeiten wie Denner-Gründer Karl Schweri, Profi-Tennisspielerin Stefanie Vögele, Nationalrat Hansjörg Knecht sowie die Podiumsteilnehmer Daniel Kalt, Barbara Bourouba, René Huber und Manuel Grenacher.

Gosteli erwähnte den speziellen Geruch, der den Besuchern beim Schuleingang um die Nase weht. «Dieser Geruch ist unverwechselbar und vermittelt eine Art Heimatgefühl», sagte Gosteli. Er wünschte allen kommenden Generationen, dass auch sie den Spirit der Bezirksschule Leuggern erleben und schätzen lernen dürfen. (ZA)

Reminiszenzen aus der Schulzeit

Zu Beginn der Diskussion wollte Moderator Leo Erne wissen, welche Erinnerungen die Gesprächsteilnehmer mit der Bezirksschule Leuggern verbinden. «Ich war nicht immer der Bravste», beichtete Manuel Grenacher. Lehrer Louis Heimgartner habe ihm stets unter die Nase gerieben, er werde keine Lehrstelle erhalten, wenn er so weitermache. Doch es kam – wie in vielen anderen Fällen auch – völlig anders: Heute steht Grenacher an der Spitze eines Software-Unternehmens.

Als grösste Schätze, die er aus der Bezirksschulzeit mit auf den Lebensweg genommen habe, seien die auch heute noch vorhandenen Verbindungen mit Schulkollegen. René Huber erzählte zum Amüsement des Publikums, er habe im Physikunterricht die schmerzvolle Erfahrung gemacht, dass Strom durch Menschen, die sich an den Händen halten, hindurchgeht und erst der Letzte in der Reihe einen Stromschlag erwischt. René Huber war der Letzte in der Reihe.

Moderator Erne stellte aber auch ernsthafte Fragen, wie: «Was müsste die Schule heute bieten, um die Schüler optimal auf ihren weiteren Lebensweg vorzubereiten?» In der Beantwortung dieser Frage waren sich Barbara Bourouba und Daniel Kalt einig: Gefragt ist heute mehr Teamarbeit und weniger faktenbasiertes Wissen. «Jugendliche sollten befähigt werden, Informationen zu beschaffen und Probleme zu lösen», sagte Daniel Kalt.

Der Chefökonom der UBS forderte die Lehrerschaft auf, Projektarbeiten vermehrt in Gewerbe, Industrie und Forschung durchzuführen. Barbara Bourouba sprach sich dafür aus, dass Lehrer die Möglichkeit erhalten, ein Stage in der Wirtschaft zu absolvieren, damit sie sehen, was in der Berufswelt abläuft und was in den Unterricht integriert werden könnte. Ausserdem wünschte sie sich, dass die Teamarbeit gefördert wird.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass der Bildung auch in Zukunft ein hoher Stellenwert zukommen muss, dass das Erfolgsmodell «duale Schule» mit Kantonsschule und Berufslehre weiterhin Bestand haben soll und dass die Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Studium auch in Zukunft gewährleistet sein muss.