Rheintalplus
11 Gemeinden von Kaiserstuhl bis Rietheim eine gemeinsame Zukunft

Mit dem Projekt «Rheintalplus» wollen elf Gemeinden alle Potenziale für mehr Zusammenarbeit ausloten. Grösstes Ziel ist ein Bevölkerungswachstum. Eine Fusion steht aber nicht zur Debatte.

Hans Lüthi
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Bad Zurzach ist die grösste der elf Gemeinden, die beim Projekt «Rheintalplus» im Boot sind.

Bad Zurzach ist die grösste der elf Gemeinden, die beim Projekt «Rheintalplus» im Boot sind.

ZVG

2016 wird für viele Zurzibieter Gemeinden entlang des Rheins zu einem wichtigen Jahr. Die elf Kommunen nahe der Landesgrenze zwischen Kaiserstuhl und Rietheim plagen die Sorgen einer typischen Randregion, die gegen Stagnation ankämpfen muss.

Was vor Jahresfrist noch undenkbar schien, ist bestens gelungen: An einer Startsitzung und zehn Abendtreffen haben die elf Ammänner bei allem Hochhalten der Gemeindeautonomie ein Wir-Gefühl entwickelt. Eine gute Basis, um mit «Rheintalplus» alle Potenziale auszuloten für eine gemeinsame Entwicklung und Kommunikation, eine regionale Bauverwaltung, Chancen und Risiken, Stärkung des öffentlichen Verkehrs und des Oberstufenstandortes Bad Zurzach. Als übergeordnetes Ziel steht das Wachstum der Bevölkerung, «weil es für eine gesunde Entwicklung der Region überlebenswichtig ist».

Für die Bevölkerung und Aussenstehende kommt es rasch zur Gretchenfrage, wo das stärkere Zusammenwirken letztlich münden wird. Bewusst wird dabei kein Fusionshammer geschwungen, um die Meinungen nicht verfrüht und unnötig damit platt zu walzen. «Wir wollen alle Möglichkeiten offen lassen», sagt Moderator Peter Weber. Eine der fünf gebildeten Arbeitsgruppen befasst sich ab 2016 neben Finanzen und Verwaltung auch «mit einem möglichen Zusammenschlussprojekt» – ohne das Wort Fusion überhaupt zu nennen.

«Bis in einem Jahr werden wir klären, ob vertiefte Abklärungen überhaupt Sinn machen», betont der externe Begleiter Peter Weber. Seine Firma PW Consulting hat das Mandat für die Leitung und die nötige Erfahrung mit solchen Prozessen. Denn Peter Weber war seit 2004 Ammann in Wil und ist seit sechs Jahren, also seit dem Start, Gemeindepräsident im fusionierten Mettauertal. Für die Zurzibieter ein Mann, mit dem sie auf Augenhöhe reden können.

«Es ist nicht das Ziel, eine Fusion vorzubereiten», winkt auch der Bad Zurzacher Ammann Reto S. Fuchs deutlich ab. Wenn Kaiserstuhl und Fisibach ihre Schüler künftig nach Weiach und Stadel im Kanton Zürich schicken, hat Fuchs darob «zwar keine Freude, aber doch Verständnis für ihre Situation». Denn jede Gemeinde sei in diesem Prozess autonom mit dabei.

Kein Konflikt mit Zurzibiet Regio

Die fünf Arbeitsgruppen mit Vertretern aus Behörden und Verwaltung befassen sich ab Januar mit weiteren Bereichen: Tourismus und Vernetzung mit Bad Zurzach, Harmonisierung der Baureglemente und ein besserer öffentlicher Verkehr. Zum Beispiel mit einer Buslinie von Niederwenigen über Siglistorf nach Bad Zurzach.

In zwei weiteren Gruppen geht es darum, Gewerbe und Industrie mit der Region Rheintalplus zu vernetzen, gemeinsame Positionen zu entwickeln, begeisternde Köpfe einzubinden und ein regionales Kommunikationskonzept zu erarbeiten. Was teils etwas abgehoben tönt, dreht sich um die realen Alltagsprobleme.

Einen Konflikt mit der Planungsgruppe Zurzibiet Regio sehen Peter Weber und Reto S. Fuchs keineswegs. Denn während diese bezirksweit operiere, gehe es hier konkret um die Zukunft der engeren Region. An Bord von Rheintalplus sind die Gemeindeammänner Reto S. Fuchs aus Bad Zurzach, René Meier aus Baldingen, Adrian Thoma aus Böbikon, Marcel Baldinger aus Fisibach, Ruedi Weiss aus Kaiserstuhl, Rolf Laube aus Mellikon, Werner Schumacher aus Rekingen, Beat Rudolf aus Rietheim, Urs Habegger aus Rümikon, Stefan Schumacher aus Siglistorf und Heiri Rohner aus Wislikofen.

Im ersten Jahr haben die Ammänner gemeinsam ihre Erwartungen besprochen und schriftlich fixiert. Dazu gehören das bessere Kennenlernen, andere Meinungen akzeptieren, Verständnis entwickeln und neue Lösungen suchen. Immer mit dem Ziel vor Augen, die Region in allen Lebensbereichen zu stärken und Perspektiven oder gar Visionen zu entwickeln.

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