Böttstein
105000 statt 51000 Franken: Ammann Patrick Gosteli will mehr als doppelt so viel Lohn

Die Gemeinderat beantragt an der nächsten Gmeind doppelt so viel Salär für den Ammann. Die Finanzkommission ist allerdings dagegen. Sie will einen Gegenvorschlag vorlegen, der einem 50-Prozent-Pensum entspricht.

Nadja Rohner
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Kurz vor Beginn der neuen Legislatur 2014/2017 will sich der Böttstemer Gemeinderat von den Stimmbürgern eine Lohnerhöhung genehmigen lassen: 24 000 Franken für einen Gemeinderat (bisher: 17 000), 27 000 für den Vizeammann (bisher: 20 000) – und 105 000 Franken für den Ammann Patrick Gosteli. Das entspricht einem Plus von 54 000 Franken gegenüber seinem bisherigen Lohn von 51 000 Franken (siehe Box).

Mehr Aufwand und Einwohner

Während die Lohnanpassungen der normalen Gemeinderatsmitglieder und des Vizeammanns im Dorf wenig umstritten sind, sorgt das geplante Salär für Ammann Gosteli für Gesprächsstoff.

Das wird vergütet

In den Besoldungen inbegriffen sind die Gemeinderatssitzungen (mit Aktenstudium) und die Betreuung der Ressorts. Abgegolten ist auch die Präsidialfunktion des Ammanns. Zusätzlich vergütet werden bei Gemeinderäten und Vizeammann wie bisher die übrigen Sitzungen, Augenscheinnahmen, Versammlungen, Kurse sowie die effektiven Spesen. Neu soll der Ammann nur noch die effektiven Spesen erhalten. (NRO)

Der Gemeinderat begründet die Lohnerhöhungen mit dem gestiegenen Aufwand für die Behördentätigkeit. Bisher sei beim Ammann mit einem Pensum von 30 Prozent gerechnet worden, die tatsächliche Auslastung entspreche aber etwa 70 bis 80 Stellenprozenten. Bei den übrigen Gemeinderäten seien es etwa 20 Prozent. «Aktuell beträgt der Aufwand zwischen 500 und 700 Stunden pro Jahr, früher 400», so die Exekutive.

Ausserdem seien die Einwohnerzahlen seit den letzten Lohnanpassungen im Jahr 1993 um 300 Personen angestiegen. Aktuell leben in Böttstein rund 3700 Einwohner. Es sei damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren weitere 500 Personen dazukämen, heisst es weiter. «Wenn der Gemeinderat auch in Zukunft in den verschiedenen überregionalen Arbeitsgruppen Einsitz haben will und seine Aufgaben wahrnehmen soll, sind die entsprechenden Ressourcen dringend notwendig.»

Döttingens Ammann verdient 45 000 Franken

Doch nicht überall scheint man so viel Geld zu benötigen. Zum Vergleich: Der Ammann von Döttingen (ebenfalls 3700 Einwohner), Peter Hirt, verdient 45 000 Franken. Ausserordentliche Sitzungen werden zusätzlich vergütet. Gemäss Finanzverwaltung beträgt Hirts Pensum etwa 40 Prozent, wobei Hirt das zeitintensive Ressort Hochbau betreut.

Nicht viel mehr erhält der Ammann im Bezirkshauptort Bad Zurzach (4100 Einwohner): Reto S. Fuchs verdient rund 72 000 Franken, die Spesen sind inklusive.

Diese Zahlen kennt auch die Böttstemer Finanzkommission (Fiko). Deren Präsident Lukas Jäggi erklärt auf Anfrage der az: «Die Finanzkommission sagt ganz klar Nein zum geforderten Ammann-Lohn.» Auch das Pensum von 70 Prozent sei nicht realistisch. «Die Fiko wird der Gemeindeversammlung einen Gegenvorschlag unterbreiten, der auf einem 50-Prozent-Pensum beruht und sich an den Zahlen von anderen Gemeinden orientiert», sagt Jäggi.

So viel wie Lenzburger Ammann

Die Fiko beruft sich dabei auf eine Statistik der Gemeindeammännervereinigung des Kantons Aargau. Diese hat Anfang Jahr kantonsweit die Saläre der Gemeinderäte erhoben. Die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar, da die Entschädigungsformen unterschiedlich sind.

Trotzdem lohnt sich ein Blick in diese Statistik: Löhne wie derjenige, welcher der Gemeinderat für Gosteli fordert, erhalten sonst nur Ammänner in doppelt so grossen Gemeinden wie Suhr (9700 Einwohner; 110 000 Franken für 60 Prozent) oder Lenzburg (8600 Einwohner, 107 000 Franken für 70 Prozent). In Strengelbach (4600 Einwohner) verdienen alle fünf Gemeinderatsmitglieder zusammen bisher etwa so viel, wie Gosteli für sich alleine bekommen soll.

Ammann Patrick Gosteli war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Gemeindeversammlung: Mittwoch, 20. November, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Kleindöttingen.