Drama in Oslo
Zurzacher im Bombenhagel von Oslo: «Überall liegen Scherben»

Das Bombenattentat in Oslo versetzt Norwegen in Angst. Mittendrin ein Aargauer. Der Zurzacher Geschichtenerzähler Jürg Steigmeier befindet sich ferienhalber in Norwegen. Sein Hotel befindet sich 50 Meter von dem Unglücksgebäude entfernt.

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Keystone

«Überall liegen Scherben am Boden», sagt Jürg Steigmeier, noch hörbar aufgewühlt. «Seltsamerweise schossen die Scherben gegen aussen, weshalb sie nun überall auf der Strasse liegen.» Zur Zeit der Explosion habe es geregnet, was ein Herumwirbeln der Scherben weitgehend verhindert habe, «sonst sähe es wohl hier anders aus.»

Norweger bleibt ruhig

Beeindruckt hat den Zurzacher Geschichtenerzähler die Reaktion der Skandinavier: Kaum jemand sei in Panik ausgebrochen . «Es hängen lediglich alle an ihren Telefonen», sagt Steigmeier. Wohl stünden sie noch alle unter Schock und seien gelähmt von den Ereignissen. Steigmeier selbst war während der ersten Detonation am Einkaufen, als er «einen Riesenknall» hörte. Später dann habe es einen zweiten, noch stärkeren Knall gegeben.

Nun ist das ganze Stadtzentrum von Oslo abgeriegelt; der Zurzacher bewohnt das letzte Hotel, das noch zugänglich ist. «Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich viele Leute, doch sind dies keine Gaffer, sondern einfach Leute, die nicht mehr weiterkommen». Der Grund:Nun sei auch der Busbahnhof geschlossen. Das gelte ebenso für den Flughafen und den Zugbahnhof.

Schwarzer Tag für Norwegen

«Soweit ich weiss, sollen wir nun drin bleiben» - was nicht besonders schwer fallen dürfte, denn es komme sowieso niemand mehr rein und raus. Wer zuhause sei, sitze vor dem Fernseher. Die TV-Stationen würden neben der Bombendetonation nur noch über den Amoklauf in einem Labour-Jugendcamp draussen auf den Fjorden vor Oslo berichten. Dabei habe ein als Polizist verkleideter Mann 5 Jugendliche erschossen.

Zwischendurch sei immer wieder das Gebäude gegenüber dem eigentlichen Unglücksgebäude zu sehen, wo eine Zeitung domiziliert ist, die vor Jahren auch die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat. Steigmeier fragt sich: «Die Mohammed-Karikaturen, den Amoklauf, die Explosionen sowie das Norwegische Engagement in Afghanistan und Lybien: was und wieviel hat das alles miteinander zu tun?» (dme)

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