Philipp und David Emmenegger sind sich so ähnlich, dass sogar ihr Vater Mühe hat, die beiden zu unterscheiden: Als sein Enkel auf die Welt kam, gratulierte er auf dem Parkplatz des Spitals dem falschen Zwillingssohn.

«Er merkte seinen Fehler aber sofort», sagt Philipp Emmenegger mit einem Schmunzeln. Seiner Frau ging es ähnlich: Sie wollte ihren Mann mit einer Umarmung von hinten überraschen – erwischte aber ebenfalls den Falschen.

Zwillinge wie die Brüder Emmenegger sind in der Schweiz immer häufiger anzutreffen. So hat sich die Zahl der Zwillinge in den letzten 40 Jahren fast verdoppelt. Am Samstag trafen sich im Schloss Böttstein 35 Aargauer Geschwisterpaare zur jährlichen Generalversammlung. Die Brüder Emmenegger präsidieren den Verein.

Gerade mal fünf Minuten ist Philipp Emmenegger älter als sein Bruder David. Und das geniesst er: «Ich bin der grössere Bruder – mit fünf Minuten mehr Weisheit», sagt der 35-Jährige. Dafür sei er etwas ausgereifter auf die Welt gekommen, entgegnet David Emmenegger.

Dass Zwillinge eine besondere Verbindung zueinander haben, können die gebürtigen Leuggemer bestätigen. «Wenn wir uns in die Augen sehen, wissen wir genau, was der andere denkt», sagt David Emmenegger.

Auch charakterlich sind sich die beiden sehr ähnlich: «Wir haben die gleichen Stärken und Schwächen.» Deshalb habe es sich auch nie gelohnt, den anderen Bruder die eigene Prüfung schreiben zu lassen.

«Wir sind nicht gerade die Geduldigsten. Dafür liegen uns logisches Denken und Mathe», sagt David Emmenegger Und sein Bruder ergänzt: «Wir sind beide extrovertiert. Wir fallen lieber auf, als unterzugehen.»

«Hauptsache, Emmenegger kommt»

So erstaunt es auch nicht, dass die beiden eine ähnliche berufliche Karriere eingeschlagen haben. Dies sei aber keine Absicht gewesen, versichert David Emmenegger: «Das hat sich alles zufälligerweise so ergeben.»

Sie hätten sich beispielsweise bei zwei verschiedenen Banken um eine Lehrstelle beworben. Da die Credit Suisse und die Neue Aargauer Bank aber fusionierten, hatten sie am Schluss denselben Lehrbetrieb.

Dass sie heute bei der gleichen IT-Firma arbeiten, hätten sie auch nicht geplant, könne aber von Vorteil sein, so Philipp Emmenegger: «Wenn ich krankheitshalber einen Termin verpasse, kann ich meinen Bruder schicken. Denn Hauptsache, ein Emmenegger kommt.»

Das Leben als Zwilling habe nur wenige Nachteile, sind sich die beiden Brüder einig. Einer davon: «Hausarrest gab es meist nur im Doppelpack», sagt David Emmenegger. «Auch wenn nur der eine etwas angestellt hat.» Und sein Bruder ergänzt: «Jedes Jahr am Familienfest zu erklären, wer jetzt wer ist – das nervt mit der Zeit.»

Trotz der frappanten Ähnlichkeit: Es gibt auch kleine Unterschiede. «Ich bin ordentlicher als mein Bruder», sagt David Emmenegger. «Und zum Glück ist auch unser Frauengeschmack heute nicht mehr der gleiche wie früher», ergänzt er.

Denn als Teenager hatten sie dieselbe Freundin – zuerst war David mit ihr zusammen, einige Zeit später Philipp. Unterdessen sind die beiden Familienväter glücklich verheiratet – aber nicht etwa mit Zwillingsschwestern.