Pascal Pfister und David Binder staunten nicht schlecht, als sie in den letzten Tagen auf der Website des «Badener Tagblatts» surften. Sie entdeckten zwei Artikel über die Eröffnung des Papa-Moll-Wegs in Bad Zurzach. Ein 5 Kilometer langer Rätselweg mit 15 Posten. Eine touristische Attraktion für Familien, Vereine und Gruppen, die am vergangenen Samstag eröffnet wurde.

«Da war doch mal was ..?», schoss es den beiden durch den Kopf, und sie beschlossen, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. «Wir absolvierten in Bad Zurzach die Bezirksschule und mussten 2013 eine Projektarbeit verfassen. Wir entschlossen uns, eine Art Schnitzeljagd durch Bad Zurzach zu gestalten. Inspiriert wurden wir vom ‹Foxtrail› in Luzern, bei welchem es darum geht, durch das Lösen von Rätseln zum nächsten Posten zu gelangen.» Die beiden Schüler kamen zum Entschluss, dass sie einen ähnlichen Trail für Bad Zurzach gestalten wollen.

Das Original von 2013: Auszug aus der Projektarbeit «Mit Papa Moll auf der Spur» der damaligen Bezirksschüler Pascal Pfister und David Binder.

Das Original von 2013: Auszug aus der Projektarbeit «Mit Papa Moll auf der Spur» der damaligen Bezirksschüler Pascal Pfister und David Binder.

«Wir fühlen uns hintergangen»

Von Januar bis Mai 2013 vertieften sie sich in ihr Projekt. Sie nahmen auch Kontakt mit Bad Zurzach Tourismus auf. «Es war ihr Vorschlag, Papa Moll ins Projekt zu integrieren», sagt Pascal Pfister. Als das Konzept stand, stellten sie es auch Peter Schläpfer, seit 2010 Geschäftsführer des Tourismusbüros, vor. Es hiess «Mit Papa Moll auf der Spur», umfasste 13 Posten mit Infotexten sowie Hinweise, die zum nächsten Posten führten. Es wurden unter anderem die Bohrtürme, Bad Zurzachs römische Vergangenheit, der Rhein oder das Verenamünster thematisiert. Bei einem Posten ging es darum, Tschips, den entlaufenen Hund der Familie Moll, zu finden. «Ein grosses Ziel von uns war, dass unsere Projektarbeit nach Abschluss von Bad Zurzach Tourismus weiterbetrieben wird», sagt Pascal Pfister. «Und dies wird auch so sein», schrieben die Schüler am Ende in ihrer Arbeit 2013, «da sich Bad Zurzach Tourismus bereit erklärt hat, den ‹Foxtrail› weiter zu betreiben.»

Die vermeintliche Kopie von 2017: Mit diesem Plakat bewirbt Bad Zurzach Tourismus den am vergangenen Samstag eröffneten Papa-Moll-Weg.

Die vermeintliche Kopie von 2017: Mit diesem Plakat bewirbt Bad Zurzach Tourismus den am vergangenen Samstag eröffneten Papa-Moll-Weg.

Trotzdem versandete das Projekt, aber offenbar nicht die Idee. Gross war Pfisters und Binders Erstaunen, als gut vier Jahre später der Papa-Moll-Rätselweg mit 15 Posten und teils identischen Sehenswürdigkeiten eröffnet wurde. «Klar hat das Tourismusbüro mehr Möglichkeiten als zwei Bezirksschüler, weshalb der Papa-Moll-Weg auch über ein professionelles Design und eine ebensolche Vermarktung verfügt. Trotzdem können wir aus diesen Informationen nur schliessen, dass die Idee und das Grundkonzept von unserem Projekt stammen. Deshalb sind wir sehr enttäuscht, dass wir weder informiert noch in irgendeiner Weise von Bad Zurzach Tourismus erwähnt oder entschädigt wurden», sagen die beiden. «Wir fühlen uns ein Stück weit hintergangen.»

Nicht der erste Plagiatsvorwurf

Peter Schläpfer hat Verständnis für die Enttäuschung der ehemaligen Bez-Schüler. Bei Bad Zurzach Tourismus hätten aber schon vor 2013 verschiedenste Brainstormings zum Thema Papa Moll stattgefunden. So sprach man über einen Fitnessparcours, einen Geschichtenweg oder eben über einen Rätselweg. Diesen Frühling sei dann die Umsetzung des konkreten Projekts in Angriff genommen worden. «Praktisch jeder Touristenort hat heutzutage irgendeinen Weg», sagt Peter Schläpfer, der auch die «Foxtrails» in Zürich und Bern initiiert hat. «Wir haben die Idee der beiden nicht eins zu eins übernommen, dass es gewisse Schnittpunkte gibt, ist aber nicht vermeidbar.» Schläpfer will nun Kontakt mit den beiden RS-Absolventen aufnehmen und zeigt sich gesprächsbereit. «In der Hitze des Tagesgeschäfts habe ich schlicht vergessen, sie zu informieren. Das wäre angebracht gewesen.»

Es ist nicht das erste Mal, dass im Zusammenhang mit Papa Moll Plagiatsvorwürfe laut werden: 1978 beschuldigte der Südverlag, der Herausgeber von «Vater und Sohn», den Globi-Verlag, in dem die Papa-Moll-Geschichten damals erschienen, des Diebstahls geistigen Eigentums und drohte mit rechtlichen Schritten. «Der Plagiatsvorwurf konnte von Juristen einwandfrei entkräftet werden», sagt Roy Oppenheim, Sohn von Papa-Moll-Schöpferin Edith Oppenheim-Jonas.

Rechtliche Schritte wollen Pascal Pfister und David Binder nicht einleiten. «Das wäre übertrieben. Geld ist nicht unser Ziel», sagt Pfister, «aber eine Geste der Dankbarkeit wäre schön.»

Das Papa-Moll-Land in Bad Zurzach entsteht

(Ein Fernsehbericht von Tele Top aus dem Jahr 2012)