Der Nachhall der 1200-Jahr-Feier, die Endingen und Unterendingen 1998 gemeinsam über die Gemeindegrenzen hinweg mit dem Nachbau der nie realisierten Surbtalbahn zelebrierten, klingt bis heute in den Ohren der Dorfbevölkerungen. Verpflichtung genug also, auch die heurige» Schnapszahl» des 1212-jährigen Bestehens in irgendeiner Form zu begehen. «Wir wollten etwas Besonderes auf die Beine stellen», sagte Endingens Ammann Lukas Keller, «ein Event, von dem einmal alle profitieren können, ohne dass dazu die üblichen Mühen einer Festvorbereitung und -durchführung anfallen.» Die Idee eines Gemeindeausfluges geisterte schon lange durch die Köpfe des Vorbereitungsteams, doch ob sich eine solche «Schnapsidee» überhaupt realisieren liesse, war lange nicht klar, sagte Keller.

Dank des Entgegenkommens des Verkehrshauses Luzern und von Postauto Schweiz AG blieb die Surbtaler Schnapsidee nicht ein sich vorschnell verflüchtigendes Wölkchen, das lediglich einen Kater nach durchstandener OK-Sitzungs-Nacht hinterliess. Das Destillat hat am Samstag physische Gestalt in der Form von 23 Postautos angenommen. Knapp 1000 Personen der beiden Gemeinden – rund die Hälfte der Bevölkerung – hat die Einladung angenommen, und sich auf die 1212-Jahr-Jubiläumsfahrt mitnehmen lassen.

Den logistischen Knackpunkt der pünktlichen Abfahrt ab den Postautogaragen in Endingen meisterten OK-Chef Urs Ammann und Samuel Breitenstein von der Gemeindeverwaltung Endingen mit Bravour. Obwohl die Ab-, Neu- und Ummeldungen in den letzten Wochen den beiden beinahe schon schlaflose Nächte bereitet hatten, fand doch (fast) jeder Geladene rechtzeitig seinen Sitzplatz. Hausi Kohler, der die aus dem ganzen Aargau zusammengezogenen Postautos und ihre Chauffeure dirigierte, konnte mit militärischer Präzision um 8.45 Uhr das Posthornsignal zur Abfahrt auslösen.

Ein seltsam erhebendes Gefühl erfasste die Mitreisenden, als der ungewöhnliche Konvoi sich mit einem Fahrzeug der Regionalpolizei an der Spitze Richtung Würenlingen in Bewegung setzte. Automobilisten an Einmündungsstrassen rieben sich ungläubig die schläfrigen Samstagmorgen-Augen, als die gelbe Auto-Riesenschlange vor ihnen passierte. Mit Applaus bedacht wurden die Würenlinger, die in der Granella-Kurve und beim Café Schneider mit Gratulationstransparenten den Bewohnern der beiden jubilierenden Nachbar-
gemeinden einen schönen und unvergesslichen Tag wünschten.

Verkehrshaus in Surbtaler Händen

In gemächlicher Fahrt gings übers Reusstal ins Verkehrshaus, wo sich die Postautos in Reih und Glied in der Arena neben den Swissair-Veteranen aufreihten. Der Postauto-Parkplatz mutierte im Laufe des Tages zu einer weiteren Foto-Attraktion der übrigen Verkehrshausbesucher. Den Tag im Verkehrshaus gestalteten die Endinger und Unterendinger individuell. «Ich bin schon lange nicht mehr hier gewesen und will unbedingt die Lokomotivenabteilung wieder einmal besuchen», hörte man etwa beim Mittagessen am Nebentisch. Beliebt waren die Sondervorstellungen «Sternenhimmel über dem Surbtal», die während einer Stunde im Planetarium eine wohltuend ruhige Auszeit mit wunderschönen Bildern gewährten.

Die massive Surbtaler Präsenz im weitläufigen Verkehrshaus war auf Schritt und Tritt mit Händen zu fassen: keine Rolltreppe, kein Lift, keine Ausstellungsvitrine, ja nicht einmal ein Erfrischungsraum, in dem man nicht auf bekannte oder weniger bekannte Gesichter traf. Die Bewohner der Quartiere und der Dörfer mischten sich ununterbrochen und trafen in den Gaststätten in ständig wechselnder Zusammensetzung aufeinander. Der aussergewöhnliche und hervorragend organisierte Tag endete mitnichten am Samstagabend nach der Rückfahrt – er hat auch Kontakte und Begegnungen ausgelöst, die lange nachwirken werden.