Böttstein

Zurzibieter Hauswart schlägt Alarm: Kehrichtsäcke gehören nicht in Grüngutcontainer

Immer wieder landen Kehrichtsäcke im Grüngut. Wie hier in einer Siedlung im Zurzibiet.

Immer wieder landen Kehrichtsäcke im Grüngut. Wie hier in einer Siedlung im Zurzibiet.

Falsch entsorgter Kehricht macht einer Zurzibieter Firma das Leben schwer. Jetzt startet sie einen Appell in den sozialen Medien.

Kehrichtsäcke im Grüngutcontainer, verpackte Esswaren. Was man hier sehe, sei leider kein Einzelfall, sagt Mahmut Ser­nikli. In einem Facebook-Post verschafft er seinem Unmut Luft: «Wir nehmen gerne Herausforderungen an: Aber Lebensmittel wegwerfen ist ein No-Go.» Weiter moniert er: «Plastik ist nicht Grüngut und – Vignette auf dem Container montieren!!» Als Beleg stellte Sernikli Bilder dazu, die die Unsitte dokumentieren.

Seit mehreren Jahren ist er mit seiner in Kleindöttingen ansässigen Firma für den Unterhalt von zahlreichen Liegenschaften fast im ganzen Zurzibiet tätig. Foodwaste und unkorrektes Recycling haben in dieser Zeit stark zugenommen, so Sernikli. Er versteht sich nicht als Entsorgungspolizist. «Wenn der Abfall aber nicht korrekt getrennt wird, weigern sich die Firmen, die im Auftrag der Gemeinden den Inhalt entsorgen, die Container zu leeren.» Darum versucht er anhand des Inhalts, die «Täter» ausfindig zu machen.

Serniklis Ärger ist kein regionales Problem: Da fast alle Grüngutverwerter in der Schweiz mit zu viel Plastik kämpfen, versucht der Verband Biomasse Suisse mit Informationskampagnen Gegensteuer zu geben. Es seien vor allem Container in anonymen Grossüberbauungen betroffen, sagt Geschäftsführer Andreas Utiger.

Auch schon tote Tiere entsorgt

Die Kompostieranlagen kämpfen immer häufiger mit Plastikabfall im Grüngut. In den Schweizer Haushalten fallen jährlich rund 1 Million Tonnen Lebensmittelabfälle an, wovon mit rund 480'000 Tonnen knapp die Hälfte im Kehricht landet und thermisch verwertet wird, schreibt das Bundesamt für Umwelt Bafu. Seit 2013 erhebt das Amt in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft, der Lebensmittelindustrie, der Gastronomie, dem Detailhandel und den Haushalten Daten über Lebensmittelabfälle.

Die Hauptgründe für die hohe Menge an Food Waste aus Haushalten sieht Sernikli an der fehlenden Wahrnehmung der eigenen Lebensmittelabfälle. «Es ist mangelndes Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln sowie unzureichendes Wissen über die Haltbarkeit, Lagerung und Methoden zur Resteverwertung.»

Er ertappt immer wieder Personen in flagranti. In Gesprächen versucht er, die Leute aufzuklären, wie man richtig trennt. «Viele reagieren positiv, es gibt aber auch Unverbesserliche.» Das hat schon dazu geführt, dass er Container entfernte, quasi ein Grüngut-Boykott.

Den Verwaltungen, für die Sernikli die Aufträge ausführt, ist das Problem ebenfalls bekannt. Mit Flyern werden die Bewohner der betroffenen Siedlungen über die korrekte Handhabe informiert und sensibilisiert. Wie das jüngste Beispiel zeigt nicht mit durchschlagendem Erfolg: Er entdeckt fast nichts, was es nicht gibt. Vor kurzem, als er einen Grüngutcontainer reinigen wollte, lag dort eine tote Katze drin. Mit seinem Facebook-Post will er die Leute wachrütteln.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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