Grossratswahlen

Zurzibieter CVP-Mitglieder unterstützen politischen Gegner – das sorgt für Irritationen

Eigene Parteimitglieder wie Martin Hitz (Mitte) werben prominent mit einer Wahlempfehlung für den Kleindöttinger SVP-Grossrat Patrick Gosteli (rechts). Das irritiert Andreas Meier (links)

Eigene Parteimitglieder wie Martin Hitz (Mitte) werben prominent mit einer Wahlempfehlung für den Kleindöttinger SVP-Grossrat Patrick Gosteli (rechts). Das irritiert Andreas Meier (links)

CVP-Parteimitglieder unterstützen im Zurzibieter Wahlkampf mit SVP-Grossrat Patrick Gosteli einen politischen Gegner.

Er habe zweimal hinschauen müssen, sagt Andreas Meier. Was der CVP-Grossrat und Bezirkspräsident der Partei in der Lokalzeitung «Die Botschaft» lesen musste, gefiel ihm nicht. Eigene Parteimitglieder werben dort prominent mit einer Wahlempfehlung für den Kleindöttinger SVP-Grossrat Patrick Gosteli.

Unter anderem gibt Susanne Holthuizen, ehemalige CVP-Gemeinderätin aus Lengnau und Vorstandsmitglied der Vereinigung Zurzibieter Frauen, Gosteli die Stimme für die Grossratswahl am 18. Oktober: «Weil ich Menschen unterstütze, die sich nachhaltig und tatkräftig für unsere Umwelt einsetzen», begründet sie. Als Beispiel nennt Holthuizen Gostelis Engagement für das Bird Life Naturzentrum am Klingnauer Stausee. «Für dieses Projekt hat er Grossartiges geleistet», sagt sie. Ihr gehe es in diesem Fall um die Sache und nicht um die Parteizugehörigkeit.

Diese Ansicht stösst auf Kritik: Patrick Gosteli quasi als umwelt- und klimafreundlichen Politiker zu bezeichnen, sei absurd, so die Reaktion mehrerer Personen auf Holthuizens Empfehlung. Dies zeige sich auf politischen Informations- und Diskussionsplattform Vimentis, wo er Umweltthemen wenig Gewicht beimesse.

Im Fall von Holthuizen ergänzt Andreas Meier, dass er auf der Suche, den Frauenanteil für die eigene Grossratsliste zu erhöhen, Mitglieder der Vereinigung der Zurzibieter Frauen gebeten habe, sich nach Kandidatinnen umzusehen. «Ich erhielt aber keine Vorschläge.» (Anmerk. der Red.: Die CVP hat mit Monika Baumgartner nur eine Frau aufgestellt.) Holthuizen erklärt, dass sie von Seiten der Partei für die Grossratsliste nicht kontaktiert worden sei.

Doe Grossratskandidaten aus dem Bezirk Zurzach:

Die Parteileitung war informiert

Für Gesprächsstoff sorgt auch die Wahlunterstützung von Martin Hitz. Der Endinger ist Mitglied der Parteileitung in der Zurzibieter CVP. «Es kann schon sein, dass meine Empfehlung für Patrick Gosteli für Diskussionen sorgt», sagt Hitz. Bei ihm persönlich habe sich bisher aber niemand gemeldet. Er hält fest, dass die Grossratswahlen insbesondere im überschaubaren Zurzibiet auch eine Persönlichkeitswahl sei. «Ich kenne Patrick Gosteli seit langem und habe mit ihm schon zusammengearbeitet.» Er sitze mit ihm ausserdem in verschiedenen Gremien und habe ihn schätzen gelernt.»

Hitz erklärt, dass man aus seiner Sicht durchaus Personen ausserhalb der eigenen Partei empfehlen könne. Dies geschehe auch bei anderen Persönlichkeiten. «Natürlich unterstütze ich die Kandidatinnen und Kandidaten der eigenen Partei, insbesondere auch Andreas Meier und Rene Huber.» Im Übrigen habe er die Parteileitung über die Anfrage von Gosteli an ihn informiert und dies vor der Zusage intern besprochen. Meier bestätigt: «Martin Hitz hat an der letzten Sitzung erwähnt, dass noch ein Testimonial-Inserat von ihm erscheine. Wir hatten dem aber keine Beachtung geschenkt.»

Keine Staatsaffäre, aber mehr Solidarität erwartet

Ungeachtet dessen hätte sich Präsident Andreas Meier mehr Solidarität erhofft. Nicht ihm, sondern der eigenen Partei gegenüber. Umgekehrt hätte es das nicht gegeben, glaubt er. «Letztlich steht es aber jedem frei, zu entscheiden, was er für richtig hält.» Mit Martin Hitz pflege er ein gutes Verhältnis, und man sei auf sein Fachwissen in der Partei angewiesen, sagt Meier.

So unangenehm die Angelegenheit ist: Andreas Meier will daraus, wie er sagt, keine Staatsaffäre machen. Es bestehe aber sicher Klärungsbedarf: «Wir werden uns nach den Wahlen darüber unterhalten, um in Zukunft solche Missverständnisse zu vermeiden.»

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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