Der Bergsport in der Schweiz boomt: Volle Hütten, Rekordumsätze in der Gastronomie und in der Bekleidungsindustrie, Andrang auf den Gipfeln. Das schöne und stabile Wetter lockte diesen Sommer die Gäste scharenweise in die Höhe. Zu ihnen gehört auch Alfred Frei. Der 70-Jährige verbrachte so viel Zeit wie noch nie auf Wanderungen in den Alpen. Der rüstige Pensionär aus Koblenz hätte also allen Grund, sich über sein alpinistisches Dasein zu freuen.

Wäre da nicht der getrübte Blick auf die Subsektion Zurzach des Schweizer Alpenklubs (SAC). Vom allgemeinen Trend hat der Verein aus dem Bezirk nicht profitiert. Während die Mitgliederzahlen im SAC und seinen total 111 Sektionen im vergangenen Jahr erneut zulegten, droht der Sektion aus dem Zurzibiet nach fast 100-jährigem Bestehen das Ende.

«Das ist leider so», bestätigt Alfred Frei mit Bedauern. Die Zukunft der Sektion hängt an einem dünnen Seil. Er und seine drei übrigen Vorstandsmitglieder haben sich entschieden, auf die kommende Generalversammlung im Januar ihr Amt niederzulegen. Sämtliche Rettungsversuche sind bisher gescheitert. Auf verschiedenen Kanälen versuchte Frei, Leute für das Amt zu gewinnen. Obwohl die Sektion 120 Mitglieder zählt, sind seine Aufrufe wirkungslos verhallt. Die Zurzacher stehen damit nicht alleine da: An der Abgeordnetenversammlung diesen Sommer wurde die bisherige SAC-Untersektion Biel Murten in die selbstständige SAC Sektion Murten integriert.

Zukunft im SAC Lägern

Das grundlegende Problem ortet Frei nicht in seiner Sektion, sondern in der gesellschaftlichen Entwicklung. «Es geht uns so wie vielen anderen Vereinen und Organisationen auch», sagt der frühere Koblenzer Gemeindeschreiber, der die Sektion seit sechs Jahren führt. Viele aktiv tätigen Personen haben das Rentenalter erreicht. Das geht auch aus den aktuellen Zahlen des SAC hervor: Knapp ein Viertel der rund 152 000 Mitglieder sind älter als 60 Jahre. Junge Personen zu finden, werde zunehmend schwieriger, obschon die Aufgaben überschaubar seien, merkt Frei an. «Durch die berufliche Belastung sind die Leute nicht mehr bereit, sich zu engagieren.» Frei hat sich überlegt, nochmals weiterzumachen. «Es wäre aber lediglich Symptombekämpfung.»

Alfred Frei macht sich keine Illusionen: Er hat die Hoffnung inzwischen aufgegeben. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird die 1924 gegründete Abteilung aus dem Zurzibiet de facto verschwinden. «Sie können sich vorstellen, dass wir die Sektion nicht gerne liquidieren. Aufgrund der Umstände machen wir uns aber keine Vorwürfe.»

Anschluss an Baden

Einen Lichtblick gibt es dennoch: Damit er und die übrigen Mitglieder ihrem Vereinshobby auch in Zukunft nachgehen können, soll die aufgelöste Sektion in den SAC Lägern mit Sitz in Baden überführt werden, wie deren Präsident Roni Brunner bestätigt. Wenn alles nach Plan läuft, wird dies per Ende 2019 erfolgen. Brunner erachtet die Integration als rein formellen Vorgang, «weil wir bereits in der Vergangenheit einen guten Austausch pflegten».

Der SAC Lägern seinerseits verfügt mit 1800 Mitgliedern über ein breites Fundament und ein solides Wachstum. Pro Jahr nimmt der Bestand laut Brunner um über ein Prozent zu.

Bis zur definitiven Auflösung, werden Frei und seine Mitstreiter die laufenden Geschäfte und das angekündigte Programm wie geplant weiterführen. Drei Touren sind bis zur Generalversammlung noch vorgesehen. Die letzte findet im Dezember statt. Eine Wanderung mit anschliessender, besinnlicher Weihnachtsfeier. Bei Alfred Frei kommt bereits Wehmut auf. «Es ist schade für die Sektion und bedauerlich fürs Zurzibiet.»