Oase-Verkehrsprojekt

Zurzibiet Regio will Limmattalbahn bis Döttingen – bei Schliessung der Hochbrücke scheiden sich die Geister

Die Zurzibieter sind sich uneinig, ob die Hochbrücke in Baden für Autofahrer geschlossen werden soll oder nicht.

Die Zurzibieter sind sich uneinig, ob die Hochbrücke in Baden für Autofahrer geschlossen werden soll oder nicht.

Die Limmattalbahn via PSI nach Döttingen: Dafür nimmt der Gemeindeverband Zurzibiet Regio die Schliessung der Hochbrücke in Kauf – doch genau dagegen wiederum wehren sich die Surbtaler Ammänner.

Es bewegt die Gemüter: das Gesamtverkehrskonzept für den Ostaargau, auch Oase genannt. Das Projekt sieht unter anderem einen neuen Tunnel durch den Martinsberg und die Sperrung der Hochbrücke in Baden für Autos vor, was auch Auswirkungen auf das Surbtal hätte. Denn der Weg über die Hochbrücke ist einer der schnellsten Wege, die Autofahrer aus dem Surbtal wählen, um in die Stadt Baden zu gelangen. Würde die Brücke gesperrt, bliebe nur der Weg via Freienwil und die Siggenthaler Brücke in Nussbaumen. Doch während zahlreiche Gemeinden wie Obersiggenthal lautstark gegen das Projekt protestieren, bleibt es erstaunlich ruhig im Surb- und Wehntal.

Grundsätzlich kommt das regionale Gesamtverkehrskonzept im Zurzibiet gut an. Die zuverlässige Anbindung des Individualverkehrs insbesondere des Unteren Aaretals stösst auf offene Ohren. Dadurch sollen Reisezeiten möglichst gleich lang bleiben und nicht mehr stark variieren. Auch von der Einführung eines 15-Minuten-Taktes der S-Bahn profitiert das Untere Aaretal. Darin sind sich der Gemeindeverband Zurzibiet Regio, das Wirtschaftsforum Zurzibiet und die Ammänner aus Schneisingen, Lengnau, Endingen und Tegerfelden einig. Anders bei der möglichen Schliessung der Hochbrücke in Baden.

Limmattalbahn soll bis nach Döttingen führen

Zurzibiet Regio würde in Kauf nehmen, dass die Brücke für Autos und Lastwagen gesperrt würde, damit sie als Trassee für die Limmattalbahn genutzt werden kann. Geht es nach dem Gemeindeverband, wird die Limmattalbahn in Zukunft via Paul-Scherer-Institut (PSI) und Park Innovare bis nach Döttingen führen. So soll das national bedeutungsvolle PSI besser an die Zentren angeschlossen werden. Dass dafür die Hochbrücke geschlossen werden soll, sei ein Zugeständnis, das man machen müsse, sagt Präsident Felix Binder. «Aber nur, wenn die geplante Zweitbrücke als Alternative umgesetzt wird.» Diese Brücke auf der Höhe des Lidls soll Wettingen und Baden verbinden.

Das sehen die Ammänner im Surbtal anders. «Die Massnahmen in der Region Brugg begrüssen wir zwar», sagt der Endinger Ammann Ralf Werder (parteilos). «Jene rund um Baden haben wir aber zur Überarbeitung zurückgewiesen.» Mit einer Sperrung der Brücke würde der ganze Verkehr aus dem Surbtal über Freienwil gelenkt. «Wir haben Bedenken, ob das die richtige Lösung ist», sagt Werder. Er befürchtet zudem ein erhöhtes Verkehrsaufkommen während der Zeit, in der Oase-Pläne umgesetzt werden, und verlangt flankierende Massnahmen.

Ähnlich tönt es aus Lengnau. Ammann Franz Bertschi (SVP) begrüsst das Oase-Projekt zwar grundsätzlich. Die Umfahrung in Brugg, aber auch jene der Stadt Baden mit dem Martinsbergtunnel oder die Förderung des öffentlichen Verkehrs unterstützt er. «Aber hinter einige Massnahmen rund um Baden setze ich grosse Fragezeichen», sagt der Lengnauer, der im Kappelerhof aufgewachsen ist. Vor allem die Schliessung der Hochbrücke ist dem Ammann ein Dorn im Auge. Nicht nur, da für die Surbtaler einer der zwei direkten Wege nach Baden wegfallen würde, sondern auch, dass der verbliebene via Siggenthaler Brücke dadurch verstopft werde.

«Ich befürchte, dass es mit einer Sperrung in Nussbaumen problematisch wird.» Er teilt die Sorgen aus dem Siggenthal, dass es dort zu Mehrverkehr kommen wird. Zu diesem zusätzlichen Verkehr käme für Obersiggenthal noch mehr aus dem Surb- und Wehntal hinzu, ist er überzeugt. Die neue, geplante Brücke würden Surbtaler kaum als Weg in die Stadt nutzen. Bertschi sagt: «Was die Hochbrücke betrifft, muss der Kanton nochmals über die Bücher.»

Der Mehrverkehr im Siggenthal würde zudem zahlreiche Autofahrer aus dem Unteren Aaretal dazu verleiten, das Surbtal als Alternativroute nach Baden zu wählen, glaubt Bertschi. Auch den angestrebten «Quantensprung» im Veloverkehr zweifelt er an. «Ich war überrascht, dass in Zukunft so viele Menschen mit dem Velo in Richtung Baden fahren sollen, dass es praktisch eine Velofahrbahn braucht.» Und falls es doch einträfe, hätte dies Konsequenzen für die Detaillisten in der Stadt. «Wer mit dem Velo unterwegs ist, kauft weniger ein.»

Kaum Widerstand, da Vorteile überwiegen

Rückendeckung erhält Lengnau aus Tegerfelden. «Wir haben die gleiche Stellungnahme wie Lengnau eingereicht», sagt Vizeammann Pascal Zöbel (SVP). Zwar steht auch er kritisch gegenüber einer Schliessung der Hochbrücke. Ansonsten profitiere aber das Zurzibiet von zuverlässigeren Verkehrsanschlüssen und dem ÖV-Ausbau. «Deshalb steht das Zurzibiet dem Oase-Projekt eher positiv gegenüber und auch der Widerstand aus dem Surbtal hält sich in Grenzen.»

In Schneisingen nimmt man eine mögliche Schliessung der Hochbrücke gelassen. Ammann Adrian Baumgartner (parteilos)sagt: «Die Frage ist: Was wären passende Alternativen?» Mit der Siggenthaler Brücke und der geplanten Zweitbrücke seien diese gegeben. «Wichtig ist, dass der Anschluss an die Autobahn gewährleistet ist.» Er gibt jedoch zu bedenken: «Wird die Hochbrücke geschlossen, könnte sich das Einkaufsverhalten ändern. Anstelle in Baden einzukaufen, könnten sich mehr in Richtung Zürich orientieren.»

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