Fluglärmstreit

Zurzibiet begrüsst deutsches Fluglärm-Gutachten

Gegen das neue Konzept des Flughafens Zürich hagelte von beiden Seiten des Rheins Einsprachen.

Gegen das neue Konzept des Flughafens Zürich hagelte von beiden Seiten des Rheins Einsprachen.

Drei süddeutsche Landkreise wehren sich mit einer Expertise gegen die Pläne des Flughafens Zürich und lassen den Konflikt neu aufflammen.

Unter dem Strich lässt sich die neuste Entwicklung im Fluglärmstreit auf die Komponenten Lärmschutz und Sicherheit reduzieren sowie die Frage: Was ist höher zu gewichten? Doch der Reihe nach: Anfang Woche haben die drei süddeutschen Landkreise Waldshut, Koblenz und Schwarzwald-Baar ein Gutachten vorgelegt, welches das neue Betriebsreglement 2014 des Flughafens Zürich verhindern soll. Im Mittelpunkt steht das umstrittene Ostkonzept. Es regelt die Route der Flieger, die im Warteraum über dem Aargauer Fricktal kreisen, um dann von Osten her auf der Piste 28 zu landen. Derzeit führt die Route südlich an Zürich vorbei. Gemäss neuem Betriebskonzept würden die Flieger über das Zurzibiet und Teile des süddeutschen Raums nördlich des Flughafens geführt. Dadurch wären in Deutschland 30 000 Bewohner durch die 2000 bis 10 000 zusätzlichen Flugbewegungen betroffen.

Zahlen für die Schweiz liefert das Gutachten nicht. Hanspeter Lienhard, Präsident der IG Nord, die auch 24 Aargauer Gemeinden überwiegend aus dem Zurzibiet vertritt, begrüsst die Deutsche Haltung. «Auch wir haben das Betriebskonzept 2014 kritisiert. Alle 24 Gemeinden haben dagegen Einsprache erhoben», sagt er. Lienhard glaubt nicht, dass das im Jahr 2014 vom Flughafen Zürich beantragte Betriebskonzept eine Chance hat. Es hagelte von beiden Seiten des Rheins Hunderte Einsprachen. Der Präsident der IG Nord sagt, dass aufgrund des Gegenwinds bereits an einem Betriebsreglement 2020 gearbeitet wird. Ob dieses für das Zurzibiet eine bessere Lösung vorsieht, kann Lienhard nicht beantworten.

Die Flughafen Zürich AG schreibt in einer Mittelung, dass das präsentierte Gutachten insbesondere Sicherheitsüberlegungen nicht berücksichtige. Mit dem Betriebsreglement sollten die Anflüge aus Osten und die Starts nach Norden, die sich heute kreuzen, entflechtet werden. Die Expertise konzentriere sich lediglich auf den Lärm und klammere wichtige Sicherheitsaspekte aus. Zudem betrage die Lärmentlastung im süddeutschen Raum, zu diesem Schluss kommt auch das Gutachten, lediglich 20 bis 35 Dezibel, was vergleichbar mit einem Hintergrundrauschen ist. Lienhard hält der Flughafen AG entgegen, dass bereits die heutigen Routen sicher seien, «sonst würden sie nicht geflogen». Franz Bertschi, Gemeindeammann Lengnaus und ebenfalls Mitglied der IG Nord, sagt, dass er mit der heutigen Situation des Ostkonzepts, an der auch das Gutachten festhalten will, gut leben könne.

Das geänderte Betriebsreglement für den Flughafen Zürich ist zurzeit beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) und beim deutschen Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung unter Verkehrsminister Alexander Dobrindt hängig.

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